Wie steht es mit unseren Talenten?

Liebe Gemeinde,
ein Gleichnis steht heute im Mittelpunkt des Evangeliums und der Predigt. Zugegeben eins, das beim ersten Hören unmoralisch klingt. Gleichnisse haben das gelegentlich so an sich.

Jesus erzählt Geschichten, um den Menschen die Liebe Gottes oder das Reich Gottes darzustellen. Wenn wir diese Geschichten bis ins Detail ernst nehmen würden, wären sie für uns unglaubwürdig. Wir müssen schon sehr genau hinhören, was Jesus da erzählen will.

Hören wir nochmals in den Predigttext.

Gleichnisse zielen auf einen Punkt und oft verwirren sie uns. Es geht in diesem Gleichnis keinesfalls darum, dass gute Christen mit Geld wertschöpfend umgehen sollten. Und auch nicht darum, dass furchteinflößende Herren ängstliche Diener misshandeln.

Die Jünger Jesu kannten solche Situationen vom Hörensagen. Die Aussage war zwar extrem überzogen, aber in der Sache vertraut. Ein Unternehmer ging auf Reisen. Vorher erteilte er Anweisungen. Den Mitarbeitern, denen er am meisten vertraute, gab er sein Vermögen in die Hand. Abrechnung erfolgte bei Rückkehr.

Die damalige Währungseinheit hieß: „Talente“ Damals wie heute hat sie eine doppelte Bedeutung, darum benutzte Jesus diese Einheit. Dadurch wird klar, es geht nicht um Geld. Sondern um das, was den Menschen anvertraut ist: Talent, Begabung.

Hatten die Zuhörer dies vielleicht zum ersten Mal gehört? Sie, die Verlorenen, sollten etwas darstellen, sie sollten etwas besitzen? Sie waren kein Abschaum, keine Habenichtse mehr, sondern als Menschen erkannt. Menschen denen Gott vertraute. Denen er Begabungen und Talente anvertraute. Sie sollten mit diesen selbstbewusst leben und mit einer richtigen Vorstellung von Gott. Frei von der Vorstellung des dritten Knechtes über seinen Herren.

Der 3. Knecht hatte ein furchteinflößendes Bild von ihm. Ja es konnte sein, dass einige Herren so waren oder sind. Er allerdings meinte zu wissen wie die Sache läuft. Warum hatte der Knecht dann seine Erfahrung außer Acht gelassen? Hätte er sich doch wenigstens ein bisschen daran orientiert. Vermehre das Geld, Dein Talent, irgendwie, wenigstens ein bisschen.

Wenn die Menschen nur den strengen, herrischen Gott kannten, warum handelten sie dann trotz Furcht unrichtig? Nur ob Gott streng ist, war nicht die Frage. Außerdem hatte Jesus dieser Aussage oft genug widersprochen. Es ging und geht um die Inkonsequenz. Vom strengen Gott reden, aber in keiner Form mit ihm rechnen. Hier müssen wir, die Christen, ermutigt werden. Redet vom gütigen Gott und lebt so, dass ihr seiner Güte Wert seid. Euer Einsatz wird dann doppelt und dreifach Früchte tragen.

Ich interpretiere, Jesus will den Zuhörern sagen: „Es ist völlig egal, was du kannst. Sei dankbar für die Begabung die du hast und lebe sie“. Gute Begabungen verrotten, verfallen, wenn sie nicht angewandt, versteckt, vergraben oder unentdeckt bleiben.

Der dritte Knecht macht den Herrn, der erntet wo er nicht gesät hat, verantwortlich. Dessen hartes und misstrauisches Wesen habe ihm Angst gemacht, sagt er. Der Knecht steht für die vielen Menschen, die immer die Schuld für Unterlassungen bei anderen suchen.

Es sind Menschen, die sich selbst zu Opfern hochstilisieren und darum für nichts verantwortlich sind. Lasst uns das Risiko der Tat auf uns nehmen. Denn selbst wenn wir etwas falsch machen, werden wir trotzdem belohnt. Jesus erzählt in dieser Geschichte von dem Gott, der uns frei macht, frei zum Guten.

Wir sind zur Freude berufen. Freude über das Vertrauen, das uns zuteilt wird. Freude, dass wir mitwirken dürfen am Reiche Gottes.

Es entspricht dem Geld, dass es Geld machen will. Um wie viel mehr entspricht es der Liebe, dass sie die Liebe vermehren will! Um wie viel mehr entspricht es dem Wesen der Freude, dass sie Freude verbreiten will!

Wir übernehmen Verantwortung für unseren privaten Besitz. Genauso sollten wir auch Verantwortung für den göttlichen Besitz, das Evangelium, übernehmen.

Vielleicht spiegelt dieser 3. Knecht auch einige Mitglieder in unserer Gemeinde wieder. Diejenigen die alles besser wissen, aber nichts tun. Die viele Kommentare absondern, aber nie anpacken. Lassen sie uns versuchen ihnen zu helfen, ihre Hände zum Anpacken zu bewegen. Auf das auch bei ihnen Liebe und Freude an ihren Talenten wächst. Gott ist nicht hartherzig, vielmehr ist die Gemeinde unsensibel und hartherzig. Sonst würden die Christen ihre Gaben nicht ängstlich verstecken.

Wären wir offener, was könnte wertvolles in unseren Kirchengemeinden Potsdam, Geltow, Werder oder Glindow geschehen? Jesus hat uns doch berufen, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Die guten Gaben, die Gott uns geschenkt hat, zu entwickeln und für die Gemeinschaft einzusetzen.

Alle, die Talent zum Besuchen haben, würden Leute besuchen und niemand wäre mehr einsam. Alle, die Talent haben, Menschen zu ermutigen, würden andere trösten und ihnen Mut zusprechen. Um wieviel selbstbewusster könnten unsichere Menschen sein, wie viele Ängste würden ausgelöscht werden.

Ich stelle mir die vielfältige und wunderbare Musik vor. Verschieden begabte Menschen könnten sie in unsere Gottesdienste einbringen. Ich stelle mir die spannenden Predigten vor, die Leute hier halten könnten, die Begabung zum Predigen haben.

Oder die Gemeindeglieder, die gut mit Jugendlichen umgehen können und sich an der Christenlehre und Konfirmandenarbeit beteiligen. Und da gibt es bestimmt noch reichlich und vielfältig anders gestaltete Talente. Wir sollten in unseren Gemeinden interessiert danach suchen und fragen.

Ich weiß sicher, dass es in meiner Heimatgemeinde Glindow und Werder über 130 Menschen gibt. Menschen die sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagieren.

Sie machen das schon, was ich zuvor beschrieb. Andere besuchen, ermutigen und trösten, musizieren, predigen; betreuen Kinder, Jugendliche und Senioren.

Helfen wir unseren Mitmenschen ihre Fähigkeiten und Talente zu entdecken und einzubringen. Ich traue mich garnicht auszumalen, was sich für Möglichkeiten erschließen würden. Ganz bestimmt liegt noch so vieles brach. Aber zuerst möchte ich sie ermutigen. Fangen sie bei sich an. Fragen sie sich selbst, welches Talent schlummert bei mir. Dadurch geben sie ein Vorbild und motivieren auch die Anderen.

Machen wir es den Archäologen gleich. Nehmen wir eine Schippe um das Gerümpel wie Ängste und Unsicherheiten zu beseitigen. Wenn wir die ersten Konturen erahnen nehmen wir die kleine Gipser Kelle und schaben vorsichtig die Details frei. Zum Abschluss noch einen kräftigen Pinsel. Und „Voila“ ein neues Talent wurde ausgegraben. Dann wird es gereinigt, entstaubt und aufpoliert. Und nun erbaut es fortan die ganze Gemeinde.

Lassen Sie uns mit dem Graben in den Kirchengemeinden weitermachen. Ich bin fest überzeugt, wir werden noch viele Talente finden. Vielleicht sogar einige, die wir uns nicht einmal in unseren kühnsten Träumen vorstellen könnten. Folgen wir den fleißigen Knechten vom Anfang des Gleichnisses.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, lasse uns mit den anvertrauten „Talenten“ erfolgreich handeln und bewahre dazu unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Michael Schäfer, Spiesen-Elversberg.)

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