Salz und Licht sein ist kein Ausbildunsgberuf!

Die einzige deutsche Lichtgestalt die wir haben ist der Kaiser. Ob der jemals gefragt wurde, ob er das auch sein will? Bestimmt nicht. Er ist es einfach. Weil er so gut Fußballspielen konnte. Weil er 1990 ohne Trainerschein Weltmeister wurde. Weil er den „Cup der Verlierer“ mit dem FC Bayern gewonnen hat, obwohl die Saison schon gelaufen war. Und weil er 2006 die WM ins Land geholt hat. (Wie er das gemacht hat, möchte ich ehrlich gesagt gar nicht wissen.)

Aber gefragt, ob er es werden will, hätte Franz Beckenbauer, der Münchner Bub, sicherlich gesagt, joa mei, ääh, i woas net. Äääh, muss des sei? Jetzt ist er es jedenfalls, ob er will oder nicht. Und damit ist viel verbunden. Nicht nur unzählige Werbeverträge und Sitzungen in Gremien, die einen zweifelhaften Ruf haben, auch viele Auftritte in der Öffentlichkeit gehören dazu. Und das ist, das weiß der Kaiser selbst, nicht einfach. Stets weltmännisch, bescheiden und freundlich muss man sein auf der Weltbühne. Ausrutscher darf es da nicht geben. Über alles wird berichtet. Und das geschieht auch nicht immer in einem freundlichen Ton.

Liebe Gemeinde,
Sie können den Kaiser jetzt bedauern oder noch einmal genau hinhören, was Ihnen, liebe Mit-Lichtgestalten, auch aufgetragen ist. Ihr seid das Licht der Welt. Sagt Matthäus. Sie sind Lichtgestalten und was für den Kaiser gilt, gilt auch für Sie. Auch ihr Auftreten draußen in der Welt wird bewertet, kritisch beäugt und kommentiert.

Aber machen Sie sich jetzt bitte keine Sorgen. Denn natürlich ist es nicht leicht da draußen ein Leuchtturm unter Leuchttürmen zu sein. Es ist sogar schwer, sich durchzusetzen gegen all die anderen Lichter. Die manchmal auch noch viel heller scheinen als man selbst. Man hat ja auch nicht immer genug Kraft und Energie um zu leuchten. Wie ein Handy muss man bisweilen aufgeladen werden. Das kann hier geschehen, in dieser Kirche, oder im Gespräch mit anderen. Aber auch lümmelnd auf der Couch. Ganz egal, wie und wo Sie sich aufladen, es ist nötig, dass sie es tun. Ich für meinen Teil hole mir meine Kraft in der Kirche, im Gebet, und in Zeiten mit meiner Familie. Ich brauche Zeit mit meinen Lieben. Das geschieht bei schönem Wetter gerne auch im Freibad. Wenn Sie also mich und meine Familie das nächste Mal bei schönem Wetter im Freibad treffen, dann wissen Sie: Der Pfarrer ist nicht faul und hat zu viel Zeit, nein, er lädt seinen Akku auf. Und was für mich gilt, gilt erst recht für Sie: Denn Sie sind eine Lichtgestalt und wofür ist eine Lichtgestalt nützlich, wenn sie nicht mehr leuchtet?

Genauso ist es mit dem Salz. Sie sind nämlich alle strenggenommen auch noch eine Salzleuchte. Sie scheinen nicht nur, sie geben der Welt auch Würze. Aber Vorsicht, ganz genauso wie auch zu viel Licht blenden kann, kann auch zu viel Salz das Christentum ungenießbar machen. Das geschieht leider immer da, wo sich Christenmenschen über andere erheben, diese beurteilen und damit verurteilen.
Ihr seid das Salz der Erde, hat Matthäus aufgeschrieben. Also gilt es, diese Welt zu würzen. Klug und mit Bedacht. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Der berühmte Koch Jamie Oliver rät zu wirtschaftlichem aber gut platziertem Einsatz von Salz in der Küche. Und auch der Papst findet, wie so oft in der letzten Zeit, auch hierfür eine gute Formel: „Wir sollen das Salz, das wir empfangen haben, weitergeben und damit würzen! Bitten wir den Herrn, nicht Christen mit geschmacklosem Salz zu werden. Wenn man das Salz richtig nutzt, schmeckt man es nicht mehr heraus, sondern man spürt besser den Eigengeschmack des Essens, der vom Salz herausgearbeitet wird. Das ist die christliche Eigenart! Sie ist keine Uniformität, sondern nimmt jeden so, wie er ist – mit seiner Persönlichkeit, seiner Kultur. Und sie belässt ihm das alles, gibt ihm aber noch etwas dazu: den Geschmack! Diese christliche Eigenart ist sehr schön, denn wenn wir alles einförmig haben wollen – alle auf dieselbe Weise gesalzen –, dann ist das wie bei einem versalzenen Essen. Dann schmeckt man nur noch das Salz heraus.“
Danke, Franziskus! Leider ist es immer unglaublich schwer, das richtige Maß zu finden. Das gilt für das Salz am Essen wie für das Auftreten in der Welt. Wie direkt darf ich sein? Was darf ich sagen ohne diese oder eine andere Gruppe zu verprellen? Darf ich Probleme überhaupt in aller Deutlichkeit benennen?

Unbedingt! In den letzten Tagen habe ich gelernt, wie wichtig und wie gut es ist, ein klares Wort zur rechten Zeit zu sprechen. Ohne Wenn und Aber. Wir haben uns einzumischen! Wie sonst sollten sich Dinge ändern? Allerdings kommt es eben auch immer auf den Ton an. Zu laut oder zu schrill verschleißt die Ohren der Zuhörer schneller, aber in der Lautstärke gut bedachte Äußerungen sind sicher so hilfreich wie eine gut dosierte Prise Salz am Essen.

Aber eigentlich ist dieser Gedanke erstmal zu vernachlässigen, denn was passiert, wenn nun das Salz gar nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Bevor uns als Kirche dieses Schicksal vollends ereilt, würde ich lieber heller strahlen als nötig. Dann wäre ich halt lieber das Salz in der Suppe, als nur der fade Geschmack. Lieber laut, statt leise. Auch mit der Konsequenz, dass ich dann hier und da schiefe Töne treffe.

All das ist hinzunehmen, denn durch ein gesalzenes Auftreten als Lichtgestalten kann die Welt heller, und strahlender werden. Es gilt, sich einzubringen in die gesellschaftlichen Debatten. Es ist ja nicht so, dass wir nichts zum Gelingen beizutragen hätten. Es stimmt in diesem Fall auch nicht, dass viele Köche und Köchinnen den Brei verderben würden. Ganz im Gegenteil: Mehr Licht macht noch dunklere Wege heller und kann so noch mehr Irrwege verhindern. Mehr Licht gibt einfach mehr Orientierung.

Und auch das Salz, gut dosiert, und an der richtigen Stelle in der Küche eingesetzt, „würzt und schärft, reinigt, bewahrt und konserviert“. Und: „wo Salz gestreut wird, rutscht man nicht mehr so leicht aus, Salz bringt sogar Packeis zum Schmelzen.“ (H.-A. Pflästerer, Das Salz, http://www.ekd.de/glauben/segen/salz.html)

Salz und Licht. Unbenutzt bringen diese beiden Dinge nichts. Erst im Gebrauch entfalten sie ihre Wirkung. Es ist nun Ihre Aufgabe zu entscheiden, wie und wo sie das einsetzen. Nur es nicht zu benutzen und nichts tun, ist sträflich und keine Alternative. Denn ein Licht das nicht leuchtet, oder ein Salzstreuer der nicht salzt ist wie eine Bibel, die bloß auf einem Altar rumliegt und nicht gebraucht wird. Wird es nicht benutzt, erfüllt es auch keinen Zweck.

Zu hell, zu dunkel, zu salzig, nicht salzig genug. Zwischen diesen Koordinaten spielt sich also das öffentliche Verhalten und Auftreten des Christentums, spielt sich unser Auftreten alltäglich ab. Dabei muss man in Kauf nehmen, dass es dann halt auch andere gibt, die manchmal zu viel dazu tun und sich z.B. daran stören, dass man pressewirksam eine Moschee besucht hat und vor dem Eintritt die Schuhe auszieht. „Das machen die doch bei uns auch nicht!“, empörte sich bald so ein Salzstreuer, der gerne zu viel salzt. Nun, so begann ich meine Antwort, das mag daran liegen, dass wir unsere Gotteshäuser nicht mit Teppich auslegen. Zuviel Salz? Zuwenig Salz?

Sicher hätte das ein anderer schöner formulieren können. Viel netter bestimmt auch. Aber auch hier gilt: Du brauchst kein Studium um Leuchtturm oder Salzstreuer zu sein. Es bedarf keiner besonderen Voraussetzung um Salzkorn oder Licht zu werden. Beides sind keine Ausbildungsberufe. Jede kann ein Salzkorn sein. Sei es einfach.

Und das dann vielleicht am besten so, wie es der ehemalige rheinische Präses Manfred Kock einst beschrieben hat: "Unsere Welt braucht Menschen, deren Herzen nicht in sozialer Kälte erstarren, die sich vom Unfrieden nicht zur Gewalt hinreißen lassen, sondern Phantasie für den Frieden entwickeln und sich der Zerstörung der Schöpfung widersetzen. Auch wenn die Welt nicht danach fragt, braucht sie die Botschaft, die sich dem einzelnen Menschen zuwendet. Ich behaupte sogar, je weniger die Gesellschaft nach dieser Botschaft fragt, desto mehr braucht sie sie." (Ebd.). Sie sehen es, eine Welt ohne Salz und ohne Licht ist wie ein Restaurant, in dem am Ende auch der Restauranttester scheitert. Und das kann uns nicht schmecken
Amen.

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