Nachfolge geregelt

In diesen Versen regelt Jesus seine Nachfolge. Viele Unternehmer haben eine vergleichbare Aufgabe. Sie müssen jemand finden, der das Werk fortsetzt. Dann ist man froh, wenn es weiter geht mit dem Geschäft. Mit dem Hof. Mit der Arztpraxis. Wie schön, wenn der Betrieb eine weitere Generation Bestand hat. Noch schöner, wenn wenn es sogar expandiert.
All das stellt Jesus hier in Aussicht. Er gibt das beruhigende Versprechen: Unser Unternehmen wird ganz im Sinn des Vorgängers fortgeführt. Über viele Generationen hinweg. Vor Ort und weltweit.

Diesen weltweiten Horizont möchte Jesus in unsere Herzen legen. Die Bilder auf dem Gottesdienstblatt erinnern uns daran.

(Die Predigt nimmt Bezug auf einen Gedenkstein mit dem ersten Missionar des Dorfes Geroldsgrün, Christian Keysser.
Und auf die Posaunenpartnerschaft zwischen der Bremer Kirchengemeinde Alt-Hastedt mit Posaunenchören in Togo)

Vorn der Gedenkstein für Christian Keysser. In einer Zeit, als die Menschen im Frankenwald noch wenig beeinflusst waren vom Geschehen in den großen Städten oder gar vom außerdeutschen Geschehen. In einer solchen Zeit hat dieser Mann den Ruf Jesu aus unserem Bibelabschnitt vernommen, auf sich bezogen und sein Leben davon verändern lassen.

Auf der Rückseite sehen wir junge Männer aus Togo, Westafrika. Manche verbinden diesen Teil der Welt mit Schreckensmeldungen. Mit Terrorgruppen wie Boko Haram, mit Epidemien wie Ebola. Ich verbinde ihn mit Hoffnungsgeschichten. Mit Vorbildern des Glaubens.

Wie der Mann in der Mitte, Paul Wiegräbe. Um 1930 war er als Missionar in Togo. Die Partnerschaft blieb bestehen. Der Posaunenchor meiner Bremer Gemeinde stand in Partnerschaft mit dortigen Posaunenchören. Instrumente wurden überbracht. Auch aus Geroldsgrün haben wir damals Instrumente bekommen, hergerichtet und geben. Bei einem Gegenbesuch kam es zum Zusammentreffen mit dem alten, inzwischen 90jährigen Mann. Wir sangen „Kraft der ewgen Gottesliebe“. Von ihm übersetzt.

Wir wurden erinnert an die ersten Missionare aus Bremen. Wie Jakob Steine-mann, der von sich erzählt: Am 20.3. 1827 wurde ich im Schweizer Kanton Schaffhausen geboren. Ich war der Liebling meiner Eltern, was für mich keine guten Folgen hatte. Sie ließen mir vieles zu, was sehr schädlich für mich war. In meinem 12. Lebensjahr leitete mich mein Vater in das Weberhandwerk ein. Das war mir ein hartes Muß, denn ich hatte weder Lust noch Liebe dazu. Die Schule besuchte ich bis zum 14. Lebensjahr. Meinen Taufbund erneuerte ich am 18.3. 1844 (mit 17 offenbar konfirmiert), aber ich selbst wurde nicht erneuert. In einer Missionsstunde hörte ich den ersten Missionsbericht, der drang tief in mein Herz ein. Es entstand in mir der Gedanke, Missionar zu werden. Aber als Jüngling geriet ich in gottlose Gesellschaft. Mit 21 Jahren trat ich in die Taubstum-menanstalt Riehen bei Basel ein.

Im 3. Jahr wollte mich der Leiter derselben als Lehrer einstellen. Aber obwohl ich die Taubstummen sehr lieb hatte, lehnte ich ab.“
Statt dessen besteigt Jakob Steinemann 4 Jahre später mit einem Kollegen in Brake das Schiff, das ihn nach Afrika zur Sklavenküste bringen sollte.

Noch kannte er die Sprache der Eingeborenen, das Ewe nicht. Wahrscheinlich war er auch handwerklich nicht besonders geschickt. Dabei mußten sie sich doch weitgehend selber ihre Häuser und Stationen bauen.

Es ist gerade seine Schwachheit, die ihn so tüchtig machte. Und die Gewißheit, daß die eigene Berufung zum Missionar echt gewesen war. Als er in Afrika ankam, waren von den 12 aus Bremen ausgesandten Arbeitern 5 gestorben, vier aus Gesundheitsgründen ausgeschieden. Wegen der Stammeskriege mußte die Station aufgegeben werden. Einer der Übriggebliebenen machte an der Küste weiter mit dem kleinen Rest der Mitarbeiter, er selbst starb einige Monate darauf. In dieser Umgebung nahm Jakob Steinemann seine Arbeit auf.

Nach einem Jahr schreibt er an den Spenderkreis in Bremen:
"Bis jetzt ist es mir unmöglich gewesen zu schreiben, indem ich fast jeden Sonntag Fieber hatte, und an den anderen Wochentagen auf dem Bauplatz stehen mußte. Die Fieberanfälle dauerten gewöhnlich 2 bis 3 Tage. Ich wollte gerne schreiben, daß die Neger einem nachrennen um das Wort Gottes zu hören. Wenn es nur so wäre. Geld, Kleider, Essen und Trinken, sie verlangen von Weißen nichts als dieses. Wir wollen aber hoffen, denn Hoffnung läßt nicht zuschanden werden. Ich glaube, daß wir ersten Brüder sehr wenig Früchte sehen werden, daß wir nur die Vorboten einer besseren Zeit sind. Der Herr helfe uns, daß wir treu erfunden werden!"

Ein Afrikareisender berichtet von einer Begegnung mit ihm: "Am anderen Tage kamen die beiden aus Peki zurück, mitten im Regen, barfuß. Als mir der liebe Bruder Steinemann von seinen Leiden und Freuden erzählte, bekam ich außerordentlichen Respekt und mußte sagen: Das hätte ich nicht geschafft. Sie haben zu allem geschwiegen und nur wenig darüber nach Bremen geschrieben. Aber sie trauten auf den Herrn und klopften um so mehr an der Tür an, wo immer und zu allen Zeiten geöffnet wird. Oft mußten sie ihre Werkzeuge ruhen lassen und sich ins Gras legen, da sie nicht mehr fortmachen konnten. Nachdem ihre Schuhe verschlissen waren, haben sie barfuß weitergebaut…" Zwei Jahre später hat er Tabitha Stöckler geheiratet.

Die einzige Tochter starb bald nach der Taufe, vier Monate später die Ehefrau. Jakob Steinemann starb sechs Jahre darauf.
Da versteht man, warum die afrikanischen Christen in Togo die Gräber der deutschen Missionare so pflegen und achten.
Ich habe mir bei der Vorbereitung auf den heutigen Sonntag in den Kalender geschaut und gedacht. Schlussverse Matthäusevangelium, Gehet hin in alle Welt. Was soll ich den Geroldsgrünern dazu Neues sagen? Sie haben einen Pfarrer mit Dienstauftrag für Mission. Sie haben gerade eine Gruppe ausgesandt nach Indonesien, wenn auch nur für wenige Wochen. Vorletzten Sonntag beim Wiesenfest wurde im Fürbittengebet namentlich aufgezählt verschiedene Missionare und Missionarsfamilien in aller Welt. Es waren zehn.

Was soll ich euch da noch sagen, was ihr nicht schon wisst oder tut? Euch, die ihr die Weltmission unterstützt mit Gebeten, mit Gaben, kann ich nur danken. Ihr dürft euch jetzt einfach mal zurücklehnen und entspannen.

Ich möchte mich jetzt an die anderen richten, die es mit Sicherheit auch gibt unter uns. Diejenigen, die bei Nachrichten oder Aufrufen zur Mission wegzappen. Abschalten. Die gibt es ja auch. Es gab sie unter den Jüngern. damals. Es gibt sie unter uns. „Einige aber zweifelten,“ heißt es.

Es sind begründete Zweifel. Drei typische Zweifel möchte ich nennen:
Mission ist viel zu teuer. Mission ist viel zu gefährlich.
Es gibt genug andere Aufgaben.

Mission ist erstens teuer. Stimmt. Eine Gemeinde wäre damit überfordert, für den Lebensunterhalt und die Arbeitsmittel einer durchschnittl. Familie zu sorgen, die ins Ausland geht. Darum ist es gut, wenn jemand, der sich zu diesem Auftrag gerufen weiß, rechtzeitig bemüht, einen Freundeskreis, einen Unterstützerkreis zu sammeln, in der Gemeinde und darüber hinaus. Die Gemeinde begleitet das dann und autorisiert das Ganze. Aber letztlich sind es nicht Menschen oder Sponsoren, an denen alles hängt. Sondern Jesus selbst. Es ist ja die Frage, was sein Versprechen wert ist, mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Damit verspricht er, und zwar bevor er vom Auftrag redet: Ich kann dich versorgen, du wirst keinen Mangel leiden, du tust etwas für mich, ich werde auch für dich etwas tun, soviel daß du dich wundern wirst.

Mission ist gefährlich. Das belegt schon der Gebrauch des Wortes im Alltag. Da hat Mission die Bedeutung von Geheimauftrag. James Bond, In tödlicher Mission. Oder demnächst wieder Tom Cruise mit Mission Impossible Folge 5. Oder wenn eine Weltraum Sonde losgeschickt wird. Mars-Mission. Das klingt nach Himmelfahrtskommando, Reise ohne Wiederkehr.
Auch die bibl. Mission ist gefährlich. Zuallererst in Gefahr sind gutbürgerliche Vorstellungen vom eigenem Heim, dem niemand zu nahe kommen soll.
Von Versicherungsschutz auf allen Gebieten. Halten eines hohen Lebensstandards und dergleichen Annehmlichkeiten. Naßzelle mit Einhebelmi-scher, Zwischenmahlzeit aus der Microwelle. Dafür gibt Jesus keine Garantie.

Dritter Einwand: Mission ist nicht so wichtig!
Hier muß ein Kirchdach geflickt werden, dort ein Kindergarten vergrößert. Anderswo naht ein rundes Kirchweihjubiläum. Das muß natürlich 2 Jahre vorher angegangen werden. Wieder woanders steht ein Mitarbeiterwechsel an. Rückläufige Mitgliederzahlen verführen manche Gemeinden dazu, sich aufs Beharrenwollen und Halten des Bestands zu versteifen.
Alles verständlich. Und doch so schade, wenn dann in Gemeinden Willige zurückgehalten werden mit „jetzt noch nicht“ oder „ist es auch das richtige Land, wo der hin will“ und „hast du dir das auch gut überlegt“, „können das nicht andere tun“ usw.
Wenn dann auch noch wohlmeinende Glaubensgeschwister mehr über den besten Einsatzort eines angehenden Missionars zu wissen meinen als die Betroffenen selbst…

„Etliche aber zweifelten“ das mußte ein junges Ehepaar in einer kleinen engli-schen Gemeinde erleben. Dort hatten sie sich jahrelang engagiert und waren gern gesehen. Dann wurde ihnen der weltweite Missionsauftrag wichtig. Die beiden waren jung und besaßen nicht viel. Die Einladung zu ihrer Hochzeit enthielt die Bitte: „Keine Geschenke, wir gehen nach Israel!“ Sie konnten die Leitung ihrer Gemeindeaufgaben in andere Hände übergeben. Viele Freunde signalisierten Unterstützung.
Mitten im Trainingsprogramm wurden sie für ein Wochenende nach Hause geschickt. Sie sollten sicherstellen, ob das Unterstützungsnetz aufgebaut und intakt war. Zu ihrer Enttäuschung erfuhren sie, daß die Gemeindeleitung vom Sinn des Unternehmens nicht mehr überzeugt war. Der Vorstand war stur: Scott und Jean, ihr werdet nicht gehen! Wenn doch, seid ihr ganz auf euch gestellt!“

Die beiden erinnern sich:
„Wir waren völlig benommen. Wir brachten es kaum fertig, zum Gottesdienst zu gehen. Glücklicherweise kamen einige Mitglieder unseres Freundeskreises aus anderen Gemeinden und Gruppen. Wir baten den Herrn um seine Führung in dieser neuen Situation. Uns wurde klar: All diese Probleme bedeuteten nicht, wir sollten zuhause bleiben, sondern daß wir einen sehr wichtigen Teil unseres Unterstützungsteams verlieren würden. Kurz bevor wir nach Israel abreisten, trafen wir unseren Pastor zufällig in der Stadt. Er sagte, Gott habe zu ihm gesprochen, uns würde in Israel etwas Schreckliches zustoßen, wenn wir es wagen sollten, doch dorthin zu gehen.

Diese Prophezeiung legte eine ständige Wolke der Beklommenheit auf unseren ganzen Aufenthalt. Wenn irgendetwas Riskanntes oder Unbekanntes vor uns lag, erinnerten wir uns an diese Prophezeiung. Eines Nachts erwachten wir im Kibbuz durch lautes Sirenengeheul. Wir waren darauf gefaßt, schnell zum Bunker zu laufen, wie wir es so oft geübt hatten. Wir dachten: „Jetzt ist es soweit. Was wird uns Schreckliches zustoßen?“ Aber da wir niemand sonst zum Bunker laufen sahen und das Sirenengeheul plötzlich aufhörte, gingen wir wieder zu Bett.

Am nächsten Tag fanden wir heraus, daß die Temperatur im Truthahngehege zu stark abgefallen war. Obwohl die Komik dieser Situation unsere Besorgnis etwas dämpfte, schwebte doch die Wolke des Unheils über jeder kritischen Situation.“
So können die lieben Geschwister den willigen Christen das Leben schwer machen.
Um so erstaunlicher, daß Jesus gerade die Bedenkenträger und die Ängstlichen in seinen Missionsauftrag einbezieht. Seltsame Mitarbeiter hat er sich da ausgesucht für eine so verantwortungsvolle Aufgabe: Zweifler, Feiglinge, Vorlaute, Ehrgeizige, Unverständige, Betrüger.
Elf Jünger, elf Probleme. Leute wie du und ich. Etliche sind nicht begeistert von der Idee, ausgesandt zu werden, aber Jesus ist begeistert von ihnen! Er sagt: Ich will euch alle, und ich will auf keinen einzigen verzichten.

Was für ein Herr! Er ruft auch dich! Du mußt dir deswegen nicht gleich eine Tropenausrüstung besorgen. Seine speziellen Aufträge sind sehr unterschiedlich. Aber sei gewiß: Er hat für jeden eine persönliche Aufgabe.
Zum Schluss noch eine Frage an unsere Freunde der Mission. Vielleicht hast du sie noch nie gestellt. Oder nicht gewagt, sie laut zu stellen hier unter uns. Es ist die einfache Frage: Aus welchem Grund sollen wir eigentlich missionieren?

Du sagst vielleicht, was soll die Frage? Hier stehts doch!. Missionsbefehl! Gott will es! Okay, aber wir sind hier nicht beim Militär. Hauptsache Gehorchen, egal ob der Befehl einleuchtet oder nicht. Gott will dich nicht kommandieren. Er will dich beteiligen!

Warum ist ihm die Mission so wichtig? Oft ist gesagt worden unter uns: Wir müssen die Verlorenen retten. Wenn sie nicht von Jesus erfahren, können sie sich nicht bekehren und landen dann in der Hölle.
Soll das unser alleiniger Antrieb sein? Seelen retten vor der ewigen Verdammnis?
Ja, ich rechne damit, dass es eine Hölle gibt, einen Ort der Gottesferne. Ja, ich möchte den Himmel so voll wie möglich wissen und die Hölle so leer wie möglich.

Aber gerade diese gute Absicht hat allzu oft dazu geführt, dass wir gedacht haben und auch gelehrt haben: Hauptsache, einer spricht sein Übergabegebet, dann ist er ja gerettet und gut.
Hier aber erfahren wir: Bekehrung und Taufe sind hier erst der Anfang: „Tauft sie und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe“, sagt Jesus. Es genügt ihm nicht, verlorene Seelen aus der Hölle zu holen und in eine ungewohnte Umgebung zu versetzen. Hauptsache gerettet, ja schon. Aber dann muss man auch ankommen in der neuen Umgebung und eingebürgert werden. Lernen, als Christ zu leben. Und erleben, wie herrlich das ist.

Was treibt uns an? Furcht oder Liebe? Mein Freund Andreas ist heute verantwortlich für die Besatzung des christlichen Bücherschiffes Logos Hope. Während seiner Ausbildung war er öfter mit dem Zug unterwegs. Er fühlte sich verpflichtet, während jeder Fahrt möglichst alle Reisenden mit christlichen Schriften zu versorgen. So zog er von Abteil zu Abteil. Bis ihm ein Schaffner das untersagte. Danach konnte Andreas erstmals in Ruhe am Fenster sitzen und die Fahrt genießen. Und sich vielleicht konzentrieren auf die Person, die mit ihm im Abteil saß. Für die hatte er jetzt Zeit. Und für sich.

Mission ist Gottes Sache. Er will dich beteiligen. Aber er will dich nicht unter Druck setzen. „Die Liebe Christi drängt uns“, sagt der Apostel Paulus.
Was wird mehr Wirkung haben, mehr Eindruck hervorrufen: Wenn du die Menschen deiner Umgebung, die Christus nicht kennen, nur missionierst, ums sie vor der Hölle zu bewahren. Und weil Gott dir zürnt, wenn du nicht eifrig genug geworben hast für seine Firma.
Oder wenn du einfach unwiderstehlich von Jesus sprichst, weil du von ihm begeistert bist.

Warnen vor der Hölle oder schwärmen vom Himmel, was wird mehr Eindruck machen? Freust du dich denn auf den Himmel? Ist er für dich nur das rettende Ufer oder ein herrlicher Ort? Ein Ort des Wiedersehens und freudiger Überra-schungen, und vor allem: Wo Jesus ganz nah bei dir ist.
Und das tollste: Er ist dir schon jetzt nahe. Denn er hat die Nachfolge einzigartig geregelt. Er zieht sich zurück, gibt den Stab weiter, und bleibt trotzdem nahe dabei. Nicht als ein alter Ex-Chef, den man sich wegwünscht mit seinen Kommentaren.

Sondern als immer wieder ersehnter Helfer und Motivator. Der uns hilft, wenn wir ihn bitten. Der uns aufrichtet, wenn wir nicht mehr können. Der sein Werk zum guten Ende bringt. Dann können wir einst mit ihm danken und loben und bekennen:
Mission erfüllt.

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