Netze knüpfen

Liebe Gemeinde,

der Fußballer Mario Götze führt mit mehr als 2,4 Millionen die deutsche Top ten an.
Auf Platz 2 Mesut Özil und auf Platz 3 nur noch mit 1,8 Millionen Faktastisch die Plattform für unnützes Wissen, denn in dieser Top 10 geht es nicht um Fußball und auch nicht darum, wer wie viel verdient es geht um Klicks, um Likes, um Instagram. Mario Götze, Kim Kedira, Heidi Klum Faktastisch oder Dagi Bee, noch nie gehört, dann sind Sie vermutlich über 30, nutzen selten das Internet oder taugen nicht zum Follower.
Mit den neuen, den so genannten sozialen Medien, sind neue Formen des Kontaktes, des Interesses, der Neugier und der Wertschätzung entstanden. Mit meinem Klick, mit dem Anklicken eines Follower. Buttons sage: Finde ich gut!
Das Thema finde ich gut. Den Menschen finde ich gut. Die Idee finde ich gut, den Style, die Prominenz was auch immer es ist. Ab heute klicke ich mich hinein und folge dir, dem Produkt, der Marke, dem Thema und schaue mal wie es hier weitergeht.
Follower sein kostet, von der jeweiligen Grundapp einmal abgesehen, erst einmal kein Geld, es kostet Zeit, denn ich muss ja immer mal schauen, was da so los ist, wenn ich informiert bleiben will, doch wenn es mir zu langweilig wird, mein Geschmack sich ändert, dann steige ich einfach wieder aus.
Bis dahin bleibe ich gut vernetzt und das Weltweit.

Alle sind sie auf der Suche nach Followern, die Unternehmen, die Agenturen und Abteilungen für Soziale Medien, die Künstler, die Stars und Sternchen, die You Tuber, die Parteien, die Kirchen alle möchten im großen Netz fischen, um Menschen für sich zu gewinnen. Deine Meinung ist uns wichtig, ist die Botschaft. Jeder Klick ein Gewinn, denn je mehr follower, um so mehr Werbeeinnahmen oder auch Möglichkeit wichtige Themen, Informationen und Debatten auch tatsächlich dahin zu vermitteln, wo die Menschen sind. Und so sind wir mal Fischer und mal Fisch, wenn wir uns im Netz tummeln, um unsere eigenen Themen zu platzieren oder um selbst über das, was uns interessiert und wichtig ist informiert zu sein.
Und manchmal lesen wir nicht nur von Likes und Smileys, hin und wieder bricht auch ein Shit Storm auf und bringt das Netz den Fischer und Fische ins Wanken.

So vertraut klingen die Worte von Netzen und Nachfolgern und was sind Gemeinden, was ist Kirche anderes als ein großes soziales Netzwerk?

Szenenwechsel:
Ein See, die Sonne scheint, Boot wippen leicht im Wasser, Fischer stehen am Strand und waschen ihre Netze. Fast schon ein wenig Urlaubsgefühl, raus aus der Hektik und ab an den Strand und dort anderen zuzusehen, wie sie noch auf traditionelle Art ihre Netze flicken.
Ich kann sie vor mir sehen die Fischer an der Ostsee, in Portugal oder Griechenland, die noch immer raus fahren mit den Booten. Ein anderer Rhythmus, ein anderer Takt, eine ganz andere Arbeit.
Lukas kann erzählen, so erzählen, dass Bilder entstehen und zugleich erzählt er noch mehr.
Jesus steht noch ganz am Anfang. Er hat in Nazareth und Kapernaum angefangen zu predigen, doch der Erfolg lässt auf sich warten. Hier ist er der Junge, der hier auf gewachsen ist, der Sohn von Joseph dem Zimmermann.
Doch sie kommen, wenn er auftaucht, denn es heißt, er kann Krankheiten heilen. Also bringen sie ihm ihre Kranken, doch seine Geschichten von Gott und von Umkehr und Gottes Reich, die wollen sie nicht hören.
Und am Strand des Sees Genezareth lässt er Simon noch einmal rausfahren und der fährt tatsächlich und ein Wunder geschieht und die Netze sind so voll, dass sie zu reißen drohen. Doch kaum ist das Wunder vorbei, gewinnt Lukas in seinem Erzählen erst richtig an Fahrt. Denn die Fische und wer sie aus dem Boot holt und ob sie verkauft oder verschenkt werden, das wird schnell zur Nebensache. Wichtig ist, dass den Hörern damals und uns den Leserinnen und Hörern heute klar wird, dieser Jesus ist nicht irgendwer, der junge Mann von nebenan, er ist mit Gott auf besondere Weise im Kontakt, in seinem Licht sehen wir das Licht.
Und dann beginnen die Fischer sich zu fürchten, zu schämen, sie spüren etwas, dass nicht beschreibbar ist. Und wie die Hirten auf dem Felde nicht wissen wie ihnen geschieht sind es nun Fischer am See denen zugesagt wird: Fürchtet euch nicht. Ihr sollt nun Menschen fischen.
Und nachdem sie die Boote an Land gebracht haben, lassen sie alles hinter sich und folgen ihm auch Jakobus und Johannes nach. Jesus hat seine ersten Nachfolger, die wir Jünger nennen, irgendwann sind es Zwölf, die mit ihm ziehen durch Städte und Dörfer und er predigt und sie werden mehr und immer mehr und Lukas erzählt später, dass auch Frauen dazu kommen, die er gesund gemacht hat, Maria Magdalena, Johanna und Susanna

Wieder zurück in unsere Welt. Gemeindenetze knüpfen wir mit Chören, Kindergartenkindern, mit Konfirmanden, mit Großen und Kleinen, mit Jungen und Alten. Je komplexer unsere Kommunikation wird, um so mehr lohnt auch der Blick in den kleinen sozialen Raum, den Ort, die Stadt, die Gemeinde.
Nicht weil das eine gut und das andere weniger gut ist, sondern weil alles sein für und wider hat.
Was für ein Segen, dass wir Freundschaften in alle Welt pflegen können, dass wir schnell informiert sind und dass wir als mündige Verbraucher selbst entscheiden, welches Produkt uns interessiert und welches nicht. Wir lernen, wir älteren etwas mühsamer, die Digital Natives dafür umso schneller, die Vorzüge zu nutzen und auch mit den Nachteilen werden wir umgehen lernen, sofern wir mit wachem Verstand an die Dinge heran gehen.
Und zugleich zeigt sich, dass die tragfähigen Netzwerke im direkten Umfeld liegen, da, wo wir Leben und Arbeiten. Gerade jetzt wo der demographische Wandel vor der Tür steht und wir alle miteinander älter werden. Ein Netz ist nicht nur etwas in das ich hineingefangen werden kann, es ist auch das Netz, das mich trägt, wenn ich Verbundenheit, Nähe, Unterstützung oder auch Solidarität brauche.

Kirche heißt für mich auf besondere Weise vernetzt zu sein. Hier finde ich Menschen, die mit mir Lieder singen, die alten Formen etwas zutrauen und die zugleich immer neu auf der Suche sind, wie Gott in unser Leben passt, wo wir ihn entdecken, was wir ihm verdanken, was sich mit ihm verändern lässt. Kirche heißt für mich, einen langen Atem haben, Themen auch dann noch wichtig finden, wenn sie gerade nicht im Trend sind oder auch Musik hören, die nicht in den Charts sind. Kirche heißt für mich ein Netz zu bilden, für die die sonst rausfallen, so wie meine Kollegen in Mecklenburg und Pommern es versuchen, wo die Menschen in den Dörfern den Laden, aber auch die Gemeinschaft vermissen und so werden in ein zwei Gemeinden Dorfläden gegründet, wo Einkauf organisiert wird, aber auch ein Treffpunkt für die Menschen, die geblieben sind entsteht. Kirche ist da für all die, die nur ab und an mal einen Ort brauchen, an dem es ruhig ist und man sich ganz anders fühlt als woanders, so als könnten wir in unseren Kirchen Gott flüstern hören. Kirche heißt für mich auf besondere, ganz eigene Weise vernetzt zu sein, nicht nur miteinander, sondern mit etwas, das uns verbindet ohne dass wir immerzu darüber reden müssen. Kirche ist ein soziales und auch ein geistliches Netzwerk.

Und die vielen Netze im Netz zeigen, dass Menschen sich gern vernetzen, da wo etwas ist, was sie unbedingt angeht. Etwas, dass sie weiterbringt, anregt, Fragen beantwortet oder auch ihre Eitelkeit schmeichelt. Wir Menschen vernetzen uns, weil wir etwas suchen, brauchen, hoffen und weil es uns nützt. Gegen das allein unterwegs sein, um Vorbilder zu finden für etwas, das ich gern selbst erreichen möchte, genauso wie um praktische Dinge auf den Weg zu bringen. Und ja, wir Menschen sind verführbar, mit unseren Schwächen, die andere sich zu nutzen machen können, um uns Schokolade als Trost oder eine Fanseite als Freundschaft verkaufen können und so braucht es immer mal wieder einen wachen Verstand, um herausfinden zu können in welches Netz ich mich begebe und wohin nicht.
Und im Kirchennetz gibt es immer wieder die Anregung an mich, mich zu prüfen ob ich auf dem richtigen Weg bin. Noch mal wieder hinzuhören auf die Worte von Lukas und den anderen und mich in und mit ihnen anfragen zu lassen.
Und auch hierfür wird es irgendwo im Netz eine Seite geben und vielleicht können wir, wenn wir uns später einmal in einem interaktiven Chatroom treffen, um miteinander zu singen und Gottesdienst zu feiern, wer weiß das schon, doch die Frage ist doch, in welchem Geist und Sinn wir es dann tun?

Szenenwechsel: Es war eine lange Nacht, sie hatten nichts gefangen und waren vermutlich müde. So romantisch wie es auf den ersten Blick scheint ist das Fischerleben nicht. Und da kommt einer und macht ihnen die Netze voll, als wollte er sagen, ist es das, was du brauchst, ein volles Netz oder kannst du dir auch noch etwas anderes vorstellen, dann komm mit und werde Menschenfischer.
Diese Frage: Ist es das was du brauchst oder kannst du dir noch etwas anderes vorstellen? Hat schon manche in Bewegung gebracht, ihr Leben radikal zu verändern von einem Tag auf den anderen. Es ist diese Radikalität oder auch dieses Fragen bis auf den Grund, der in den Erzählungen der Evangelisten Jesus so besonders machen. Willst Du gesund werden? Hast du was du brauchst? Brauchst du was du hast?
Er macht das Netz voll, schenkt wofür Simon und die Fischer sich angestrengt haben. Würde Paulus diese Geschichte kommentieren würde er vom Glauben reden, der frei macht und davon, dass uns in Jesus Christus etwas einfach so geschenkt wird, ohne dass wir etwas dafür tun müssen. Ein volles Netz einfach so.
Glauben soll frei machen und zugleich entsteht eine neue Bindung. Das Bild von dem blauen Wasser, der Sonne, den Fischern, den Booten und den Netzen verbindet sich mit den Worten von Martin Luther von der Freiheit eines Christenmenschen. Hätte Lukas je gedacht, dass eines Tages der Buchdruck erfunden wird und wir sein Evangelium noch heute Lesen? Komm mit mir so höre ich sie alle Jesu Worte ausweiten, so dass wir mitgemeint sind: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Da habe ich doch ein Kriterium im Umgang mit den Dingen, den weltweiten Netzen und vor allem den Menschen.
Lasst uns nicht müde werden, soziale, geistige und geistliche Netze zu knüpfen und vor allem auch zu halten. Für Gott, für unseren Nächsten und für uns selbst.

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