Gott begegnen

Eine Geschichte, in der sehr viel drinsteckt, haben wir heute vor uns.
In den beiden Abschnitten davor, im Kapitel 4 des Lukasevangeliums,
beginnt Jesus mit seinem öffentlichen Wirken in Galiläa.
Er predigt in Vollmacht, sodass sich die Leute verwundern.

Er heilt und treibt böse Geister aus.
Und die Masse wurde auf ihn aufmerksam, will ihn bei sich behalten.
Doch er entzieht sich ihnen und spricht:
„Ich muss auch den andern Städten das Evangelium predigen
vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt.“

So kommt er hier, in Kapitel 5, zum See Genezareth,
um seine ersten Jünger zu berufen.
Und das geschieht bei Lukas auf besondere Weise.
Ohne den klassischen Ruf: „Komm, und folge mir nach!“
Wie Jesus Petrus und den Brüdern Jakobus und Johannes begegnet,
macht klar, dass sie nun eine andere Aufgabe haben, als Fische zu fangen.

Doch fangen wir ganz vorne an!
Jesus taucht am See Genezareth auf
und wird bereits wieder von vielen Menschen umdrängt.
Sie sind gekommen – und das ist bedeutsam – um das Wort Gottes zu hören!

Lukas stellt von Anfang an klar:
Die vielen Menschen, die zu Jesus kommen, folgen keinem Wunderheiler.
Davon gibt es viele. Bis heute.
Und immer wieder strömen Menschen zu ihnen
und ihren besonderen Fähigkeiten.
Lukas stellt aber klar: Dieser Jesus ist kein Wunderheiler!
Er tritt auf in der Vollmacht des lebendigen Gottes,
und was er zu predigen hat, sind nicht irgendwelche Weisheiten,
sondern eben Gottes Wort.

Und dass man in diesem Menschen, Jesus von Nazareth,
wirklich Gott begegnet,
wird in der folgenden Geschichte vom Fischzug des Petrus
der hier noch Simon heißt, deutlich.

Alles beginnt mit dem Hinschauen Jesu.
Er wird umdrängt von der Menge, die Gottes Wort hören will,
aber er sieht die beiden Boote mit den Fischern, die ihre Netze reinigen.
Sie schauen müde aus und zermürbt. Sie haben nichts gefangen.
Er geht hin und steigt in das Boot, das Simon gehört,
und bittet ihn, ein Stück weit hinauszufahren.

Und er fängt an, zu den Menschen am Ufer zu predigen.
Simon sitzt neben ihm und hört zu. Was mag er sich gedacht haben?
Da kommt ein Fremder und bittet ihn, Taxi zu spielen.
Was wollen die vielen Leute bloß von ihm?
Er ist müde, er will seine Arbeit fertig machen
und sehnt sich nach einem Bett.

Doch dann hört er Gottes Wort aus nächster Nähe!
Und das macht etwas mit ihm.
Von diesem Menschen und von dem, was er sagt,
geht etwas aus, dem er sich nicht entziehen kann.
Und zwar nicht nur deshalb, weil er mit ihm im Boot sitzt!

Aber noch ist Simon Petrus nicht dran.
Erst verkündigt Jesus Gottes Wort.
Aber dann wendet er sich ihm zu und sagt zu ihm:
„Fahre hinaus ins tiefe Wasser – und werft eure Netze aus!“
Simon kennt Jesus noch nicht, aber so viel ist klar:
Vom Fischen versteht er nichts!
Erstens fischt man in der Nacht,
damit die Fische nicht vom Schatten der Boote vertrieben werden.
Und zweitens fährt man nicht so weit hinaus.
Die Schwärme halten sich eher in Ufernähe auf, wo es nicht so tief ist.

Zuerst will Simon sich wehren.
„Das bringt doch nichts! Wir haben die ganze Nacht nichts gefangen.“
Aber dann sagt er doch:
„Auf dein Wort hin will ich die Netze ins Wasser lassen.“
Er hat Jesus reden hören. Er hat Gottes Wort aus seinem Munde gehört.
Und offensichtlich hat ihn das nicht unberührt gelassen.
Er weiß es noch nicht,
aber dieser Jesus hat ihn soeben zu seinem Jünger berufen.

Wenn Gott Menschen berührt,
geschieht dies oft lange bevor wir etwas davon mitkriegen.
Und wenn wir bereit sind, uns auf ihn einzulassen,
werden auch wir unsere Wunder mit ihm erleben!
Er kennt dich doch! Er weiß, wie es dir geht.
Er hat längst schon gesehen, dass deine Netze leer sind.
Dass du dich umsonst abgemüht hast. Wie oft schon?
Bist du am Ende? Kannst du nicht mehr?
Jesus sieht dich und steigt zu dir ins Boot. Er ist ganz in deiner Nähe.

Vielleicht hörst du, wie er andere anspricht.
Vielleicht fühlst du dich von ihm auch gar nicht wirklich angesprochen.
Aber es kommt der Zeitpunkt, wo er sich auch dir zuwendet
und etwas von dir fordert, woran sich zeigt, ob du seinem Wort vertraust.
Denn es gehört viel Vertrauen dazu,
sich von einer Landratte sagen zu lassen,
wo man seine Netze auswerfen soll!
Jesus gibt dir Zeit. Setzt dich nicht unter Druck. Bis auch du zu ihm sagst:
„Herr, auf dein Wort hin will ich es wagen!“

Und das ist der Punkt, an dem Gottes Kraft zu wirken beginnen kann.
Wenn du ihm Vertrauen schenkst.
Darum hat Jesus auch gerne zu den Menschen, die er geheilt hat, gesagt:
„Dein Glaube hat dir geholfen.“ – Ja welcher Glaube denn?
Hat Jesus bei ihnen das Glaubensbekenntnis abgeprüft?
Oder die Zehn Gebote?
Nein! sie haben einfach daran geglaubt und darauf vertraut,
dass Jesus ihnen helfen kann. Einfach, weil er sie liebt.
Und weil sie spüren, dass Gott mit ihm ist und durch ihn spricht.

Mehr braucht es nicht, um an Gott zu glauben!
Und wer sich darauf einlässt, wird ein Jünger Jesu.
Der wird ihm nachfolgen, weil das, was er mit Jesus erleben wird,
ihn ganz einfach überzeugt und überwältigt.
Auch unsere Netze werden sich füllen, wenn wir auf Jesu Wort vertrauen.

Freilich: Fisch ist nicht gleich Euro!
Dass da keiner auf falsche Gedanken kommt!
Jünger Jesu zu sein heißt nicht, aus dem Vollen zu schöpfen –
materiell gesehen.

Aber voll werden deine Netze trotzdem sein,
weil du dir Schätze sammelst – im Himmel, nicht auf Erden!
Voll werden deine Netze sein, weil du erleben wirst,
dass seine Verheißungen in Erfüllung gehen!
Voll werden deine Netze sein, weil du aus seiner Liebe leben wirst
und dich nicht mehr zu fürchten brauchst!

Als Simon Petrus sieht, dass die Boote übervoll sind und zu sinken drohen,
da weiß er, dass er Gott begegnet ist.
Darum fällt er auf seine Knie und spricht: „Geh weg von mir, Herr, denn ich bin ein sündiger Mensch.“

Wer dem wahren Gott begegnet,
erkennt immer zuerst seine eigene Unzulänglichkeit.
Doch Jesus spricht ihm zu:
„Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.“
Wörtlich steht da:
Von nun an wirst du Menschen lebend oder lebendig fangen.

Das ist das Ziel aller Verkündigung und Mission:
Uns soll die Angst genommen werden und wir sollen zum Leben finden!
Zum wahren Leben!

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