Ich bin bei euch!

Egal ob katholisch, russisch-orthodox, evangelisch oder freikirchlich. Wir sind getauft. Das allein ist schon Grund genug stolz zu sein. Aber es ist auch Grund genug, dass ich mich immer wieder selber frage: Was bedeutet das für mein Leben, für meinen Alltag?

Jesus selber hat seinen JüngerInnen die Taufe ans Herz gelegt und zugleich in einen Zusammenhang gestellt. Am Ende seines Erden-Daseins, zwischen Auferstehung und Himmelfahrt hat er seinen letzten Willen den Menschen mit diesen Worten anvertraut.

[TEXT]

Das ist der Abschluss des Evangeliums nach Matthäus ‚Matthäi am Letzten‘ und ist nur zu verstehen vom gesamten Evangelium her. Jesus hat die Menschen gelehrt, Gott zu verstehen, er ist an den Menschen gestorben und durch Gottes Tun auferstanden. Er geht nun zurück zum Vater und sendet die Menschen nun in die Welt, zu taufen und zu lehren.

Ich persönlich finde das erstaunlich. Dort wo das Vermächtnis des scheidenden Messias für die Menschen stehen könnte, steht dieser großartige Auftrag, in dessen Mittelpunkt Vertrauen steht: Ich traue euch das zu.

Und dieses Vertrauen gilt ja nicht Menschen, die sich immer schon als zuverlässig erweisen haben. Jünger, die Jesus oft nicht verstanden haben, die in Gethsemane fortgelaufen sind, ihn sogar wie Petrus verleugnet haben.

Denen und uns allen vertraut Jesus das Wichtigste an: Sein Evangelium und die Taufe. Und das Interessante ist die Reihenfolge. Nach einer Taufe sprach mich eine Dame an, ob ich da mich nicht vertan habe: Die Menschen müssten doch erst den Willen Gottes kennenlernen um dann getauft und zu Jüngern gemacht zu werden. So sei das doch nun völlig verquer. Aber nein, so sagt Jesus das nach dem Zeugnis des Matthäus. Und ich glaube das ist volle Absicht. Weil da gibt es weder eine sachliche noch eine zeitliche Vorgabe. Alles zusammen ist wichtig und gehört zusammen. Das wir immer wieder erzählen, was uns an unserem Glauben wichtig ist und damit Menschen zu Jüngerinnen und Jüngern machen.

Dass die Lehre vor der Taufe steht, ist dann aber auch klar: Die Taufe ist nur eine Station auf dem Weg des Glaubens. Lebenslanges Hören und Lernen ist Wesenseigenart eines Christenmenschen. So hängt alles drei zusammen: Dass Menschen von Christus hören und begeistert werden, dass sie sich taufen lassen und dass sie in der Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern immer wieder neu darum ringen, dass sie die Gebote Christi verstehen und umsetzen.

Das Ziel ist: Jeder Mensch soll von Christus erfahren (machet zu Jüngern alle Völker), soll getauft werden. Und die Gemeinde des einen Herrn soll immer neu die Worte Jesu lesen, um herauszufinden, was der Wille des Herrn auch angesichts neuer Herausforderungen ist.

Unser Text steht am Ende, wo auch ein Nachruf stehen könnte. Beerdigt – und fertig. Aber es ist ein Anfang. Mit Jesus hat etwas Neues angefangen, dass auch ohne ihn, der lebt, aber nicht mehr mit uns lebt, weitergeht. Der Horizont wir erweitert bis an die Enden der Welt. Die Menschen werden in den Dienst genommen, ermächtigt und befähigt. Ihr könnt das, ruft uns Jesus noch heute zu.

Und wir – Trauen wir uns so viel zu, wie Jesus uns zutraut? Reden wir über unseren Glauben? Diskutieren wir wirklich noch darüber, was Jesu Willen in unserem Leben ist. Oder lassen wir uns taufen und meinen, damit wäre der christliche Aspekt unseres Lebens erledigt. Allenfalls noch zu ergänzen durch christliche Trauung und Beerdigung?

Jesus dagegen sagt deutlich: Die Taufe steht im Mittelpunkt. Aber dieser Mittelpunkt ist nichts, wenn er nicht ganz eng mit dem Drumherum zusammenhängt. Und das bedeutet die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die einander und Fremden das Wort Gottes verkünden, und die einander helfen zu begreifen. Was Gottes Wille bedeutet, wenn es um Fragen geht, die der Bibel so noch völlig unbekannt waren oder um Fragen, auf die wir heute andere Antworten finden müssen als zu Jesu Zeiten.

Die Verheißung bleibt das Ziel der Verkündigung Jesu Christi: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Mit dieser Verheißung dürfen wir leben. Aus dieser Zusage können wir befreit aufatmen. Mit dieser Gewissheit können wir tun, was wir für richtig halten und den Rest in Gottes Hände legen, weil wir darauf vertrauen, dass es unser Herr Jesus Christus ist, der bei uns ist alle Tage, bis an der Welt Ende.

drucken