Wie Gott reich werden könnte (Erprobung Reihe III)

Da hat Luther doch einen guten Vorschlag gemacht! Wie Gott reich werden könnte. Wenn wir den Vorschlag realisierten, wäre unsere Kirche aller Geldsorgen ledig. Die Kassen könnten den Reichtum gar nicht fassen und selbst der legendäre Geldspeicher von Dagobert Duck wäre zu viel, viel zu klein.

In seiner Tischreden gab unser Reformator folgendes zum Besten:
Gott könnte auf viele Weisen reich werden, wenn er nur wollte. Wenn er mich zu einem Steuereinzieher machte, wollte ich ihm Geld genug zuwege bringen.

Luther macht einige, ganz konkrete Vorschläge: Ich würde z.B., sagt er, einen Gulden von einem Weib nehmen, dass sie der Flöhe frei würde. Oder einen Gulden von einem Menschen, dass er schlafen dürfte.

Luther fantasiert weiter: Gott könnte Regen verkaufen. Man könnte doch in seinem Namen Geld dafür einsammeln, wenn die Sonne scheint. Oder noch besser, man verkauft Lebenszeit. Gott könnte doch selbst oder durch mich sagen lassen: Heute Nacht wirst du sterben. Aber du lebst noch weiter, wenn du zahlst: 400 Gulden für drei Jahre. Zehntausend für 15 oder zahle hunderttausend und dann gibt Gott dir ein hundertjähriges Leben. Mit Qualitätsgarantie. Oder wie wäre es, wenn Gott für die Benutzung der Sprache Gebühren verlangte? Oder Geld dafür, dass wir Luft atmen?

Natürlich hat Luther seinen Vorschlag nicht ernst gemeint. Er redete nur so übertrieben, um auf etwas aufmerksam zu machen: Gott gibt Sonne, Mond, Sterne, die Elemente und die ganze Schöpfung, den Leib, das Leben und die Nutzung aller Dinge. Und dazu gibt er auch sich selbst. Umsonst hat er uns geschaffen, umsonst ernährt er uns, umsonst erhält er uns. Gott gibt alles umsonst in großer Barmherzigkeit.

Spinnen wir Luthers Idee ein wenig weiter. Nehmen wir an, unsere Landeskirche würde diese verrückte Idee aufgreifen, und wir Pfarrersleute müssten an den Haustüren klingeln: Ich komme im Namen des Herrn, die fälligen Lebensgebühren zu kassieren. Außerdem hätte ich einige Sonderangebote, die ich ihnen gerne unterbreiten würde.

Was würde einem alles entgegen schallen an den Haustüren? Vielleicht dies:
„Ich gehöre nicht zu ihrer Kundschaft. Ich bin vor fünf Jahren ausgetreten. Auf Wiedersehen.“ Tür zu.

Der nächste schreit gleich los: „Wie bitte, Gesundheit wollen sie mir verkaufen? Ach, deswegen bin wohl so krank, damit Gott Geschäfte machen kann? Ich kümmere mich um mich selbst. Streichen Sie mich von ihrer Liste.“

Der dritte ist genauso unfreundlich: „Ach, sind wir wieder im Mittelalter angekommen? Sie wollen Geld, damit Gott meine Sünden entsorgt?“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein Mensch Geld für Gottes – nein – Luthers neue Geschäftsidee rausrücken würde.

II. Beobachtungen

Wir kommt ein Prophet auf die Idee, sozusagen in die Rolle eines Anlageberaters zu schlüpfen und einen so marktschreierischen Ruf ertönen zu lassen:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

Das Bibelzitat stammt aus dem Teil des Jesaja-Buches, das man in der Theologie den „Trito-Jesaja“, den dritten Jesaja nennt. Das war jemand, der das Gedankengut Jesaja mit in das „Babylonische Exil“ Israels genommen hat.

Er hat seine Glaubensgenossen beobachtet.
Die einen plagt das Heimweh. Sie ziehen durch die Straßen. Sitzen im Café. Sie kaufen. „Ich brauch das jetzt“, hörte er eine Frau sagen. „Ich kann momentan gar nicht so viel kaufen, wie ich Frust habe…“. Die heutige Werbewirtschaft nennt das „Trostkauf“.

Die jungen Leute kleiden sich anders. Sie sind es leid, gleich als Israeliten erkannt zu werden. Sie wollen dazu gehören. So sein, wie alle anderen auch. Also kauft man sich Kleidung, die diesen Wunsch erfüllen soll. Sie essen das, was alle anderen essen und für toll und gut befinden. Also mache ich das auch. In der Werbung nennt man das den „Halo-Effekt“. „Halo“ ist Englisch und heißt „Heiligenschein“.

Erschreckt hat Jesaja auch Menschen aus seinem Volk beobachtet, wie sie sich in die prächtigen Tempel der fremden Götter schlichen. Dort zündeten sie Kerzen an. Opferten Tiere. Gaben Geld.

Jesajas Ruf richtet sich nicht dagegen, dass man sich schöne Dinge kauft. Er übt – wie wir heute sagen würden – keine Konsumkritik. Er schaut tiefer:

In euren Herzen brennt eine Sehnsucht nach Heimat.
In euren Herzen brennt eine Sehnsucht nach Anerkennung.
In euren Herzen brennt eine Sehnsucht nach Behütung.
In euren Herzen brennt eine Sehnsucht nach Liebe.
In euren Herzen brennt eine Sehnsucht nach Segen und Zukunft.

III. Gott gibt gratis

Jesaja schaut tiefer und ihn befällt eine Sorge. Er sieht in die Herzen und wie sie sich sehnen. Er sieht, wie diese Sehnsucht trennt. Denn jede und jeder hat nur sich selbst im Blick. Sie kaufen Dinge und wollen doch etwas, was man gar nicht kaufen kann.

Für Geld kann man alles haben, heißt es. Nein, kann man nicht: Kaufen kann man sich Essen, aber keinen Appetit; Arznei, aber keine Gesundheit; weiche Kissen, aber keinen Schlaf; Gelehrsamkeit, aber keinen Witz; Zerstreuung, aber keine Freunde; vergnügliche Tage, aber keinen Frieden. Die Hülle all dieser Dinge kann man kaufen. Aber nicht Erfüllung der tiefen Sehnsucht.

Gott gibt all das, wonach ihr euch sehnt, umsonst. Kommt her, kauft ohne Geld Wein und Milch. Es ist Gottes Wille, dass ihr mit Freude lebt. Drum hört auf sein Wort. Neigt eure Ohren her und kommt her! Höret, so werdet ihr leben!

Und genau dies hatte auch Luther im Sinn bei seinen skurrilen Tischreden: Wie Gott nur aus lauter Güte gar umsonst alle Kreaturen geschaffen hat, also nährt und erhält er sie.

Gott käme niemals auf die Idee, seine Gnade zu verkaufen. Aber Luther hatte große Zweifel daran, ob wir Menschen all die göttliche Güte überhaupt erkennen?

IV. Ein Bekenntnis.

Und wenn wir es doch täten? Wenn wir Gottes Güte erkennen würden. Was würde geschehen, wenn Gottes Wort unser Herz erreicht.
Was da geschehen könnte, fasse ich in ein Bekenntnis, das aufzunehmen jede/r von Ihnen für sich selbst entscheiden muss.

Gottes Gabe ist sein Wort. Das muss ich nicht kaufen. Gebe Gott, dass er mein Herz für sein Wort aufschließe.

Heimat finde ich in Gott. Heimat für den, der Gott glaubt, ist Gottes kommendes Reich. Gebe Gott, dass ich in meinem Leben zu seinem Reich hin in Bewegung bleibe. Dort werden die Tische stehen, an denen alle Menschen einander in Frieden begegnen, singen und lachen. Unsere Gemeinde möge davon ein Spiegel sein, in dem ich das kommende Bild schon erkenne.

In Gott finde ich Anerkennung. Nur in ihm allein. Und ich finde diese Anerkennung überall dort, wo mir Menschen begegnen, die sich seinem Wort zugeneigt haben. Da wird es egal, wie ich gekleidet bin. Das spielt es keine Rolle, aus welchem Land ich komme, ob ich Mann oder Frau bin. Gebe Gott, dass auch unsere Gemeinde zu diesem Ziel hin auf dem Weg bleibt.

Im Vertrauen auf Gott finde ich Behütung: Ich höre auf Gott, darum lebe ich. Und wenn der Tag kommt, an dem mir dieses Vertrauen entschwinden will, sind die um mich, die auch gehört haben und nun für mich beten. Gebe Gott, dass auch ich anderen zum Tröster werde.

In Gott ist die Liebe. Sie ist in Jesus Christus in diese Welt gekommen. Mit ihm und all denen, die von dieser Liebe ergriffen sind, trotze ich dem Hass der Welt. Und stets hoffe ich darauf, dass Gott meinem Hass trotzen wird und mich in seiner Liebe hält.

In Gott ist Segen und Zukunft. Das ist es, wenn mein Herz erfüllt. Die Freude darüber teilte ich gern mit allen Menschen. Gebe Gott, dass unsere Gemeinde von dieser Freude zeugen kann.

Wie Gott reich werden könnte? Er wird reich, indem er mir umsonst und ohne Geld das Leben schenkt. Er wird reich, wenn ich das schöne Geschenk annehme.

Solange wir aber unser Geld ausgeben für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht, solang bleibt unsere Welt stehen. Und dreht sich im Kreis. Ohne Gott. Ohne Mittelpunkt.

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