Gottes Stimme hören?

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

"Du hörst mir ja gar nicht zu!" Meine Frau kommt zu mir ins Arbeitszimmer und will mir etwas erzählen. Doch ich bin mit dem Computer beschäftigt. Ich muss mich entscheiden. Höre ich auf ihre Worte oder arbeite ich weiter am Computer? Beides geht nicht.

Liebe Gemeinde!
Als typischer Mann kann ich mich nur auf eine Sache konzentrieren. Ich kann nicht gleichzeitig am Computer arbeiten und meiner Frau zuhören. Es wäre auch sehr unfreundlich, beides zu tun.

Ähnlich ist es auch im Hören auf Gott. Ich kann nicht in enorme Betriebssamkeit verfallen, herumwirbeln und schaffen und gleichzeitig hoffen, dass in solch einer Atmosphäre Gott zu mir spricht.
Gott sprach zu Samuel in der Nacht. Dieser hatte sein Tageswerk beendet und war zur Ruhe gekommen. Nun war sein Ohr und sein Herz offen für Gottes Stimme. Und Samuel hörte Gott reden. Doch er fühlte sich nicht von Gott angesprochen, weil er die Stimme Gottes nicht kannte. Er konnte sie nicht von anderen Stimmen unterscheiden. So dachte er, dass Eli, sein Lehrer im Priesteramt, ihn gerufen hätte.

Wie geht es uns? Hören und verstehen wir Gottes Stimme? Oder rechnen wir garnicht mehr damit, dass Gott zu uns redet? Eli brauchte drei Anläufe, bis er merkte, wer da sprach. Wie aber können wir Gottes Stimme erkennen? Gibt es dafür Voraussetzungen?

Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt…, so heißt es in einem Adventslied. Wir sollen unser Herz darauf ausrichten, dass Gott bei uns einzieht.
Oft fragen wir erst in schwierigen Lebenssituationen nach Gott und werden bereit, auf ihn zu hören. Doch manchmal schließt Gott sich uns selbst auf. Durch seinen Heiligen Geist.

Und wenn ich Gottes Stimme in mir höre, bin dann bereit, auf sie zu hören?

Gott ist an unserem Leben interessiert. Ihm geht es nicht um theoretische Diskussionen oder um Lehrmeinungen. Ihm geht es vordergeündig auch nicht darum, wer recht hat oder wer im Unrecht ist ist.
Gott ist ganz praktisch an meinem Leben interessiert.
Was ist gut für mich?
Was kann ich tun, damit es gelingt?
Und was, damit ich nicht auf Abwege gelange?
Wer Gottes Stimme hört, der bekommt Antworten auf die brennenden Fragen seines Herzens. Und er hat dann die Chance, die Wege Gottes zu beschreiten oder die Freiheit, seine eigenen Wege weiterzugehen.
Intellektuelle Spielereien macht Gott nicht mit. Ihm geht es ganz praktisch um unser Leben.
Jesus sagt: "Wenn jemand Gottes Willen tun will, dann wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede." (Johannes 17, 17)

Doch seit Adam und Eva gehen wir lieber eigene Wege. "Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen", heißt es in der Schöp- fungsgeschichte im 2. Buch Mose. Die Erde ist uns als Lebensraum gegeben. Sie gehört uns mit allen ihren Gütern. Doch zu unserem eigenen Wohle und zum Schutz der Schöpfung setzt Gott Grenzen.

Gestern Abend sprach Dr. Alexander Gerst, deutscher Wissenschaftler und Astronaut für sechs Monate auf der ISS, im Fernsehen davon, dass wir die uns anvertraute Welt "aus Versehen" zerstören könnte. Er meinte, dass ein weiteres Abholzen des Regenwaldes am Amazonas schlimme Folgen für unseren Planeten haben wird. Aus dem All hat er dies beobachtet. Und obwohl das den Verantwortlichen bewußt ist, wird weiterhin unser einmalige Lebensraum zerstört und wertvolle Tier – und Pflanzenwelt aus Gewinnsucht vernichtet. Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Wir wissen, dass wir irgendwann herunterfallen werden, aber sägen munter darauf los. Dies ist eine Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten uns des Bösen. Von diesen Früchten dürfen wir nicht essen. Sie werden verboten zu unserem eigenen Wohl.

Wir brauchen eine kraftvolle Entscheidung der Politik und den mutigen Protest der Bürger. "Wir wollen dies nicht!" Wir hören den Willen Gottes, diese unsere Erde zu behüten und zu beschützen. Wer diese Schöpfung zerstört, hält nichts von Gott, sondern pfeift auf ihn und setzt sich auf einen Thron, der keinen langen Bestand hat.

Wie aber können wir Gottes Stimme hören? Wie kommen wir zu solchen Einsichten?
Wir brauchen dazu Zeit
des Schweigens
des Zuhörens
des Hinhörens
und die Offenheit für Wege, die meinem eigenen Denken widersprechen.
Wir brauchen dafür viel Zeit. Wir müssen zu Gott nicht wie Thomas Gottschalk reden, der einen ganzen Abend lang viele Worte machte. Diese unterhalten, bringen die Menschen zum Lachen, aber am Ende weiß keiner mehr, was eigentlich gesagt wurde. Wer so mit Gott redet, redet eigentlich mit sich selber. Er hört seine eigenen Worte immer wieder und weiß am Ende nicht viel mehr.

Alles, was wir Gott sagen wollen, weiss er bereits. Jesus sagt in der Bergpredigt: "Euer Vater im Himmel weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet." (Matthäus 6, 8) Gott müssen wir nicht informieren. Dagegen nimmt uns das viele Reden die Chance, Gott zu hören. Auf Gott hören geschieht in der Stille und im Schweigen.

Und Schweigen ist äußere und innere Ruhe.
Im Schweigen ist das Herz still.
Die Gedanken produzieren nicht Argumente und Erwiderungen.
Sie sind hör- und empfangsbereit.
Schweigen heißt: Ich bin auf Empfang eingestellt.

Doch Schweigen ist nicht immer leicht. Da sind noch soviele Gedanken im Kopf, die ablenken. Auf einen Zettel geschrieben sind sie abgelegt und aus dem Kopf heraus. Nach und nach kommen die Gedanken zur Ruhe. Der Körper entspannt sich, die Hände sind still. Wir sind nun empfangsbereit, schweigen und lauschen. Dafür braucht es manchmal viel Zeit. Die dürfen wir uns nehmen, fest einplanen und einhalten.

Mancher findet diese Zeit
bei sich zu Hause,
eine andere im Garten
oder beim Spaziergang im Wald
beim Fahrradfahren …
Dann hören sie Gott und finden die Kraft und den Willensentschluß, Gottes Willen zu tun. Dieses wird ihnen geschenkt.

Ihr Lieben,
woher wissen wir, dass Gott zu uns sprach? Woran erkennen wir Gottes Stimme?

Ich glaube Zum Beispiel, dass Gott durch das Bedenken des Predigttextes zu mir spricht und durch mich zu Ihnen.

Samuel betete auf das Geheiß des Eli: "Rede, denn dein Knecht hört." Mit dieser inneren Einstellung öffnete er sein Herz, um auf Gott zu hören.
Was ich höre, ist kein neues Wissen, dass meine Ohren und mein Geist erreicht, sondern eine Botschaft, die mich im Inneren berührt. Sie öffnet meinen Geist für Gottes Geist. Als Predigthörer hören wir auf, die Predigt mit dem Verstand aufzunehmen. Satzbau, Betonung und Logik werden unwichtig. Selbst die Person des Predigers verschwindet hinter der Botschaft Gottes. Wir werden aufmerksam auf das, was Gott in, mit und durch diese Predigt sagen will. Und im Stillen beten wir vielleicht: "Gott, himmlischer Vater, fülle mein Herz mit deinem Heiligen Geist." Die Stimme Gottes erkennen wir daran, ob sie unser Herz in seinem Geist prägt. So gewinnen wir die Sicherheit, dass wir Gottes Stimme gehört haben.

Und: Gottes Stimme ist leise, sanft und bestimmt. Darum, wenn wir stille werden, können wir sie hören. Es ist, als ob Gott mit einem kleinen, silbernen Hämmerchen an die Herzenstür klopft. Und wir öffnen und hören ihm zu. Seine Stimme ist dann wie eine feine, silberne Glocke.

Ob Gott leise mit uns spricht oder Schicksalschläge dröhnen – wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns mit Liebe begegnet und wir auf seine Gnade vertrauen dürfen. Seine Worte wollen uns auf den rechten Weg bringen oder halten. Wir sollen das Ziel unseres Lebens, die ewige Gemeinschaft mit Gott, erreichen.

Ob wir Gottes Stimme hören, erkennen wir auch daran, dass Gott uns nicht nach dem Mund redet. Gott sagt die Wahrheit, ob es uns passt oder nicht. Sie tut manchmal weh. Gott sagt zu Samuel: "Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden."

Auch Jesus weist in seinen Reden immer wieder seine Zuhörer zurecht. Selten nur hat er gesagt:
"Prima, das hast du gut gemacht"
"Macht immer weiter so wie bisher."
"Bleib bei Deiner Meinung!"

Im Gegenteil berichtigt und korrigiert er oft Lebenseinstellungen, weist Menschen zurecht und ruft sie zur Umkehr von alten eingefahrenen Wegen auf.
Gottes Wahrheiten und Wege sind nicht immer angenehm, aber hilfreich und gut.
Wir erkennen Gottes Stimme an diesen drei Merkmalen:
Sie spricht zu Deinem Geist.
Sie ist meistens leise und sanft.
Sie sagt die Wahrheit.

Liebe Gemeinde!
Wir müssen uns täglich neu entscheiden:
Wollen wir die Stimme Gottes hören?
Wollen wir ihm eine Chance in der Stille einräumen?
Wollen wir das Gehörte in unser Leben hereinlassen?

Im Schweigen hören wir Gottes leise, sanfte Stimme. Sein Heiliger Geist legt uns seine Wege des Friedens, der Gerechtigkeit und der Gande ans Herz.
Wollen wir das zulassen? Heute und jetzt?
Wo dies geschieht, wird sein Friede unser Begleiter sein.

Und der Friede Gottes segne unsere Herzen und Sinne im Geiste seines Sohnes Jesus Christus. Amen.

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