Emmaus: Weiter!, Anders! und Neu!

Liebe Schwestern und Brüder!
In Jerusalem, nur zwei Stunden vom Dorf Emmaus entfernt, hatten sie kurzen Prozess mit Jesus aus Nazareth gemacht. Verraten, gefangen genommen im Garten Gethsemane, kurzer, schneller und tödlicher Prozess vor dem Hohen Rat und dem Prokurator Pontius Pilatus, geleugnet ihn zu kennen, Verurteilung zum Tod am Kreuz durch Pontius Pilatus und Hinrichtung mit zwei Kriminellen auf Golgatha.
Das alles ging rasend schnell, unter Billigung der politischen Klasse und der wütenden Forderung des wendehälsischen Mobs von Volk und seinem Geschrei: Kreuzigt Ihn!
Nun war es aus mit der Herrlichkeit des Jesus von Nazareth, der der Messias sein sollte. Alles endete tödlich für den vermeintlichen König der Juden und Erlöser der Welt, der sich selbst den Menschensohn nannte und vom kommenden Reich Gottes gepredigt hatte.
Allen Glauben an ihn als denjenigen, von dem Erlösung ausgehen sollte, geriet in Zweifel und Angst machte sich unter seinen Jüngern, Anhängern und Freunden breit. Er war tot, seine Ideen, Prophezeiungen und die Geschichten von ihm und über ihn schienen auch zu sterben.
So war die Situation. Und die beiden Wanderer, die nach Emmaus gingen, erzählten sich eben die traurige Geschichte vom Untergang des tragischen Helden.
Die Erzählung vom schrecklichen Ende Jesu, die Geschichte von seinem Kreuzestod und seiner qualvollen Hinrichtung hatte aber reinigende und kathartische Wirkung für die beiden Jünger, die in Richtung des Dorfes Emmaus gingen.
Wir kennen es auch. Es ist ein universales Gefühl. Durch die Erzählung von Erlebnissen und Geschichten über einen verstorbenen Freund oder Angehörigen werden er und sein Leben vor unseren Augen quasi wieder lebendig. Die Erinnerung, Freundschaft und vor allem Liebe sind mächtige Instrumente und Emotionen gegen die endgültige Akzeptanz von Sterben und Tod.
Trauer löst sich und das Unfassbare, der Tod verliert durch die Erzählung seinen absoluten Schrecken. Aber zugleich werden die Augen und der Verstand klar, die Wucht der tödlichen Realität kommt zurück in den Geist der Wanderer und die Zweifel an der Göttlichkeit von Jesus beschlichen ihren Verstand.
Schluss!, Aus!, Vorbei!, kein Jesus mit messianischem Anspruch mehr, und schon gar nicht der Sohn Gottes.
Eher die Geschichte eines Verlierers und Untergangs von Träumen.
So war die Situation der beiden, eher traurig und von Zweifeln geplagt, ohne einen Blick nach links und rechts schlichen die beiden mit hängenden Köpfen nebeneinander ihres Weges nach Emmaus.

Und dann passiert unter Zuhilfenahme des Evangelisten Lukas eine langsame und stufenweise Offenbarung Gottes an den beiden. Gott in Jesus Christus zeigt und offenbart sich als der Auferstandene den beiden beim Brotbrechen, beim Abendmahl. Lukas, der Evangelist schickt den auferstandenen Christus unerkannt zu den beiden traurigen Männern.
Am Wegesrand gesellt sich einer zu den beiden Wandern.
Wir als Zuhörer und Leser wissen es, aber die beiden Männer wissen nicht, wen sie treffen und wer sie nun begleitet.
Langsam, behutsam, und sukzessive, Stück für Stück offenbart sich der auferstandene Christus im ach so traurigen und niedergeschlagenen Leben der beiden Männer.
Der unerkannte Begleiter auf dem Weg, der Herr Jesus selbst gibt sich den beiden ganz langsam zu erkennen.
Und die Schönheit, Tiefe und Einprägsamkeit für den Geist, die von dieser Erzählung ausgeht ist, dass Jesus sich beim Brechen des Brotes –mag man das als symbolischen Hinweis auf das Abendmahl oder auf seine körperlich-reale Anwesenheit interpretieren- offenbart.
Er ist als der Auferstandene bei den Beiden und kündigt davon, dass das Leben Christi nach seinem Kreuzestod weiterging. Damit will der Evangelist gegen allen Zweifel bezeugen. Jesus Christus lebt und du wirst auch leben.
Durch diese dramatische Wende:
Weiter!, Vorwärts!, Neuanfang! das ist die Botschaft von Ostern!!
Jesus Christus ist von den Toten auferstanden und schenkt den an ihn glaubenden Menschen, Jüngern und Nachfolgern auch die Auferstehung von den Toten.
Das ist die fantastische Botschaft von Ostern.
Gott hat durch und in Jesus Christus den Tod besiegt und uns die Auferstehung vom Tod und das ewige Leben geschenkt.
Der endgültig scheinende Tod ist besiegt durch die Auferstehung Jesu Christi.
Das ist Dogmatik und tiefsinniger Glaubensinhalt, aber trockene Materie, wenn sie nicht mit Leben gefüllt wird. Doch die Botschaft von der Auferstehung ist verkündigtes Leben in seiner ganzen Pracht und Fülle.
Nicht Schluss!, Aus ! Vorbei! und ewiger Dunkelheit, sondern es geht
Weiter!, Anders! und Neu! im Licht des neuen, kommenden Tages.
Das ist dann wie Licht in der Dunkelheit. Das ist wie ein Neuanfang.
Da kommen die Fülle und das neue Leben zurück in meine Lebenswirklichkeit.
Das bedeutet Ostern.
Und wenn ich dieser verschwenderischen Fülle an göttlicher Liebe, an göttlichem Heil und Sinn und Licht durch und in Jesus Christus für mich vertraue.
Wenn ich also dem Licht Christus, das in die Welt kam, um uns aus der Dunkelheit und Finsternis zu führen folge, so wie der Morgen das Licht des Tages erhellt und bringt, dann ist die Botschaft von der Auferstehung und dem ewigen Leben Balsam für meine Seele und Lebensgewissheit.

Und so brauche ich hoffentlich nicht den endgültigen Beweis eines ungläubigen Thomas für mich , dessen innere Seligkeit doch nur im Sehen lag, sondern spüre, empfinde, nehme die Seligkeit des Glaubens wahr, der keine Beweise braucht, um das Licht des Herrn zu erkennen.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, heißt es.
Und im umgekehrten Fall macht Glaube ja nicht blind für die Wirklichkeit oder lässt uns die Welt mit der rosaroten Glaubensbrille betrachten und schön reden.

Nochmals und etwas anders über Ostern!
Gegen alle Resignation, Lethargie, Angst, Trauer und die dunkle Macht des Todes singen wir am Ostermorgen das fröhliche afrikanische Lied: „Er ist erstanden, Halleluja!“ (Ev.Gesangbuch, Nr. 116)
Gegen den Wahnsinn der Welt und die Feindseligkeit unter den Menschen hören wir aus Jesu Mund folgende Botschaft und Frage:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;
und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nicht sterben.
Glaubst du das? (Joh. 11,25-26)
Auferstehung und Osterglaube schenken die fröhliche Motivation und lebensspendende Kraft, mit größerer Leidenschaft, Intensität, Liebe, Freude und Engagement zu leben.
Es lohnt sich, Gott zu suchen und ihm zu vertrauen. Er lässt sich finden. Und nichts Geringeres als der große Neuanfang des Lebens wird uns geschenkt. Ist das nicht wunderbar! Dadurch zeigt sich dann Leben in seiner ganzen Fülle und Schönheit für uns. Im eigenen Ostererlebnis – durch den Besuch eines Osternachtgottesdienstes untermauert- können wir bekennen:
Jesus Christus nimmt uns die Angst vor der Macht des Todes und der inneren Dunkelheit.
Das Licht des Ostermorgens bricht für uns an. Gottes helles Licht leuchtet in meinen und ihren Alltag und erneuert mich ganz tief in meinem Inneren.
Das glaube ich. Das geschieht auch beim Brotbrechen nachher.

Ja, das glaube ich und mein Leben ist keine Irrfahrt, sondern eine Heimfahrt.
Ja, das glaube ich und mein Leben liegt in Gottes Hand, der mich beschützt und segnet.
Ja, das glaube, denn die göttliche Liebe und menschliche Erinnerung sind stärker als der allgegenwärtige Tod.
Ja, das glaube ich, denn Glaube hält mein Leben hier und jetzt und trägt mich mit seiner Hoffnung in die Zukunft.
Denn wir singen und glauben: Er ist erstanden, Halleluja! Freut euch und singet, Halleluja! (EG 116)

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