Wie rede ich von Ostern?

Jedes Jahr feiern wir Ostern mit Eiern, Lämmern, Gans und allem Möglichem – und doch bleibt uns die Frage erhalten: Was feiern wir da eigentlich und warum feiern wir?

Erst einmal gibt es die Erinnerung an Frauen, denen am Ostermorgen nicht zum Feiern zumute war, obwohl ihnen die Osterbotschaft gesagt worden ist. Sie müssen die Nachricht erst verarbeiten. Und die Wirklichkeit sich im Leben erarbeiten.

Sie tun das, was kurz nach Tod und Beerdigung eines lieben Menschen vielen am Herzen liegt. Sie gehen zum Grab. Sie wollen den Leichnam versorgen, des Verstorbenen gedenken, ihre Gefühle ordnen. Das war nicht einfacher dadurch, dass der Sabbat, der Tag, an dem die Arbeit ruhte, sie erst einmal gebremst hatte. Nun gehen sie los und erst auf dem Wege kommen ihnen die ganz praktischen Hürden in den Sinn.

Davon erzählt das Evangelium nach Markus – und bevor ich es vorlese, will ich Ihnen noch sagen: Mit diesem Text endete es ursprünglich auch. Erst Spätere haben einen weiteren Schluss hinzugefügt.

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So kann die Geschichte doch eigentlich nicht enden. Mit Zittern und Entsetzen. Da erzählen unsere Traditionen von Osterjubel und Osterlachen, und dann lesen wir so etwas.

Aber so wurde sie Ostergeschichte überliefert als Ende des Evangeliums nach Markus. Wohl auch, weil die Menschen, an die das Evangelium gerichtet war, jeden Sonntag feierten, dass es doch gegen alle Vernunft weiterging. Und die Menschen spürten, dass sie sich erst einmal auf einen Weg machen müssen, auf den Weg zu einem eigenen Glauben, der aus der Botschaft mehr macht, eine Gewissheit, ein Vertrauen, dass Gott auch aus dem Tod noch Leben machen kann.

Und da hilft unsere Geschichte: Die Frauen werden benannt mit Namen. Der Jüngling hat keinen Namen. Als verwertbares Zeugnis taugt das alles nicht nach damaligem Recht. Frauen hatten kein Zeugnisrecht und ein namenloser Jüngling ließ sich schlecht zitieren. Unsere Geschichte bezeugt: Die Auferstehung kann nicht belegt werden. Und das ist wichtig, wenn auch manchmal zum Verzweifeln: Allein das Wissen um das, was nach Ostern geschehen ist, hilft uns zu glauben. Die Geschichte vom leeren Grab ist da nur ein Baustein.

Dem Glauben ist das Grab nicht leer, es ist voller Verheißung. Aber das ist schwer zu begreifen. Es kann nur mit dem Herzen ergriffen werden. Und das macht erst einmal Angst. Davon erzählt Markus.

Ostern ist beginnt mit Erschrecken. Das Unerwartete macht Angst. Und auch die seelsorgerliche Haltung des Engels nimmt zumindest kurzfristig davon nichts weg. Aber vielleicht hilft sie die Verkrampfung lösen; denn aus dem ‚sie sagten niemandem etwas‘ ist ja dann wohl doch nichts geworden.

Von der Botschaft ‚der Herr ist auferstanden‘ allein wird niemand froh. Ich muss lernen, dass diese Botschaft erst wirklich ans Ziel gekommen ist, wenn sie in mir angekommen ist, in meinem Herzen, meiner Seele, wenn ich an den Sieg des Lebens über den Tod glaube.

Aber was erzählt Markus uns wirklich?

Frauen wollen dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen, einen Akt der Pietät, an dem sie der Sabbat gehindert hat, nun nachholen. Indem sie ihn balsamieren, wollen sie ihn bei sich behalten, im Herzen, in der Seele.

Erst unterwegs wird ihnen das Problem bewusst mit dem Stein vor dem Grab. Dass sich dieses Problem löst, macht sie nicht gerade froh. Das Entsetzen von Karfreitag nimmt neu Fahrt auf – in ihnen. Das offene Grab, der Jüngling, sie sind Verunsicherungen auf dem Weg den Toten zu besuchen und den Lebenden zu finden. Sie könne n die Chance, dass bei ihnen Ostern wird nicht annehmen. Die Frauen sind Realistinnen. Sie sind geblieben, wo die Jünger fortgelaufen sind. Sie verharrten in Solidarität und Liebe und wollen nun den Tod zu Ende bringen, das Begräbnis vollenden, den Menschen Jesus zurückgeben in Gottes Hände.

Und dann kommen sie ans offene Grab, sehen und hören den Jüngling, der ihnen ein Engel ist, empfangen seine Botschaft, die sie aber erst einmal nur akustisch hören. Sie kommt nicht an bei ihnen.

Erst später löst sie umso nachhaltiger Osterjubel aus, begründet Glauben.

Bei Markus endet Ostern mit dem Verstummen. Wie rede ich von Ostern im Alltag? Bleibt bei mir das Grab zu, der Mund verschlossen oder wird das Zeugnis vom auferstandenen Herrn, von der begeisterten Kirche auch mit den Mund öffnen zu bekennen: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

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