Das Ende ist der Anfang neuen Lebens

Liebe Schwestern und Brüder!
Ein einzelnes Weizenkorn, ein winziges Getreidekorn bringt an dem daraus wachsenden Halm und der dann sich entwickelnden Ähre viele Körner und viel Frucht hervor.
Aus dem leblos in die Ackererde gesäten, dann biologisch sich zersetzenden Samen, der äußerlich zerfällt und abstirbt, wächst ein kleiner grüner Halm, an dessen Spitze dann zur Ernte eine Ähre mit vielen Körnern reift. Aus dieser Ähre und mit ihren Körnern reift neues Leben. Es klingt paradox und phantastisch zugleich: Ein Wunder des Lebens. Der Tod und scheinbar tote Materie bringt neues, vitales Leben hervor. Neues Leben entsteht aus der Vergänglichkeit des alten Lebens.

Auch aus Jesu Verkündigung des kommenden Gottesreiches, durch die Ankündigung seines bevorstehenden Todes, durch seine Hilfe, Nähe und Zuwendung zu den Armen, Schwachen und Außenseitern, aus der Botschaft, dass das Leben nach dem irdischen Tod weitergeht und neues, auferwecktes Leben in und durch Gott geschieht,
aus diesem Evangelium sind die Früchte und der Samen des Glaubens gewachsen. Dieser Glaube brachte vielfache Frucht.
Viel Frucht und viel Segen von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie, von einer Generation zu nächsten Generation. All dies geschah und all dies geschieht seit fast 2000 Jahren.
Das Weizenkorn Jesus Christus, das symbolisch in die Erde fiel, brachte und bringt im Glauben viel Frucht und viel Segen für die Menschen.
Einer stirbt und alle werden erlöst. Einer gibt sich hin und alle, die seiner Hingabe und seinen Tod im Glauben an ihn folgen, werden frei von dem ewigen Tod.

Durch den Tod, das Leid, die Passion, die Hingabe, die Stellvertretung des Jesus von Nazareth gewinnen wir neues, ewiges Leben, gerade dann, wenn wir unser Leben dereinst verlieren.
Das hiesige, irdische Leben, das Hier und Jetzt wird dann vorbei sein, aber im und durch den Glauben an den Erlöser empfangen wir neues Leben. Der Tod endet nicht mit dem Tod, sondern aus dem Tod entsteht neues, verwandeltes Leben.

Und schon immer und nicht nur durch Jesu Worte und Bilder, schon immer haben sich die Menschen und Gläubigen überlegt wie dieses neue Leben nach dem Tod aussieht?!
Das Ende ist der Anfang und nicht das Ende aller Dinge.
Der Glauben, zumal der Glaube an ein Leben nach dem Tod durch den Erlöser Jesus Christus, hat schon immer die Möglichkeit besessenen und hat sich in seiner unbändigen Kraft darin gezeigt, dass es in den Vorstellungen vom Leben nach dem Tod keine gedankliche Begrenzung gibt.
Wir müssen keine Angst haben vor dem Tod, auch wenn uns das Sterben im Hier und Jetzt häufig ängstigt, denn Jesus Christus verspricht uns neues, ewiges Leben bei Gott.
Mit dem Tod ist nicht alles aus, wie wir gemeinhin denken.
Und auch, wenn wir unser hiesiges, altes und gewohntes Leben verlieren, so haben wir die unbändige Hoffnung, dass aus dem Tod neues Leben wächst.
So wie jetzt im Frühjahr das Leben in seiner ganzen Pracht und Fülle wieder aus dem abgestorbenen Winterboden kommt, durch Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse, so wächst aus einem gesäten Weizenkorn eine Frucht, die nicht nur ernähren und satt machen wird, sondern im übertragenen Sinn auch den Sinn des Lebens beantwortet. Auch emotional und psychisch werde ich davon satt.

Und somit ist das vermeintliche Ende nicht das Ende oder ein enden im Nichts, sondern der Anfang von neuem Leben und einem neuen, anderen Leben mit und durch Gott.
Wir glauben: Alles Leben kommt aus der von Gott in seiner Schöpfung geschaffenen Welt, alles kommt aus seiner gnädigen „Schöpferhand“. Und alles führt wieder zurück in Gottes Erde, aber nur um äußerlich zu vergehen.
Innerlich und im religiösen, geistig-seelischen Bereich geht das Leben weiter.

Denn:
Es wird gesät verweslich und
es wird auferstehen unverweslich,
es wird gesät in Niedrigkeit und
wird auferstehen in Herrlichkeit,
es wird gesät in Armseligkeit und
wird auferstehen in Kraft.
es wird gesät ein natürlicher Leib und
wird auferstehen ein geistlicher Leib (1.Korinther 15,42ff.), schreibt der Apostel Paulus.

Und dann kurz drauf die endgültige Antwort Paulus‘ (1.Korinther 15,54-55.57):
„Der Tod ist verschlungen vom Sieg.
TOD, WO IST DEIN SIEG?
TOD, WO IST DEIN STACHEL?

GOTT ABER SEI DANK, DER UNS DEN SIEG GIBT DURCH UNSEREN HERRN JESUS CHRISTUS!

Alles wird neu und anders bei Gott. Der Tod ist tot, es lebe das Leben durch Jesus Christus.
Darüber können wir uns freuen und daraus können wir unsere Kraft zum Leben und auch die innerliche Hoffnung und seelische Gewissheit im und beim Sterben schöpfen.
Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das klingt paradox, ist aber nicht absurd, sondern die wundervolle Frucht des Glaubens. Die Frucht des sterbenden Weizenkorns..
Das alles wusste Jesus, der über seine zukünftige Verherrlichung in der Version des Evangelisten Johannes spricht und deswegen das kleine Gleichnis vom sterbenden und viel Frucht bringenden Korn erzählt.

Doch bevor wir die Ernte einfahren bzw. im Glauben zum Ziel kommen, müssen wir im Hier und Jetzt leben. Im Hier und Jetzt in Raum und Zeit sind wir von Gott umgeben und werden mit ihm leben, jetzt und in alle Ewigkeit. (EG 533).
Und wenn ich im eignen Leben versuche von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu säen, wenn ich seiner göttlichen Kraft auf Veränderung vertraue, dann kann diese Saat, wenn sie an die nächste Generation weiter gegeben wird, auch viel Frucht bringen.

Die Mühe der Nachfolge im Glauben und die Anstrengung durch Dienst und Arbeit auf dem Acker des Herrn lohnen sich, denn ich esse dann auch aus dem viel Frucht bringenden Weizen das gebackene Brot des Lebens.
Ein himmlisches Brot, das sättigt und mit allem stärkt, was ich zum Leben und Sterben brauche.
Dieses Weizenbrot macht satt und gibt mir alle religiösen Nährstoffe fürs Leben.
Glaube, der weiß, dass das Leben begrenzt, aber wunderschön und von Gott geschenkt.
Liebe, die weiß, dass wir aus der Gnade und Liebe Gottes leben, auch in und durch die Liebe, die wir von unseren Mitmenschen empfangen.
Hoffnung, die scheinbar als letztes mit dem Weizenkorn stirbt,
aber durch ihre unbändige Lebenskraft, den Lebensmut und das Wagnis des neuen Leben mit Christus ihr volle Pracht hervorbringt.
Eine starke, nie auszulöschende und über alles siegende Hoffnung des Glaubens, die durch Jesus Christus, unseren Herrn, unser Leben immer wieder neu zum Blühen und Grünen bringt.

Denn: In und durch und mit Jesus Christus ist das Ende nicht das Ende, schon gar nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende ist der Anfang des neuen Lebens.
Und darin, dadurch, damit und in diesem Glauben – wie aus einem kleinen Weizenkorn- wachsen das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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