Sympathy for the devil?

Liebe Gemeinde,
endlich mal eine Entscheidungsgeschichte, die gut ausgeht. Endlich mal jemand der standhaft ist. Tugendsam und fest und klar in seinen Aussagen und, beinahe wichtiger als jedes Wort, endlich jemand der in seinen Taten deutlich ist. Keine Korruption, keine Vetternwirtschaft, kein noch so verlockendes und lukratives Angebot aus der Wirtschaft vermag diesem Jesus ernsthaft etwas anzuhaben. Er straft sein vorheriges Handeln nicht lügen. Solche Typen wünscht man sich. Gerade, klar, fest!

„Mach was!“, sagt der Teufel zu Jesus und fordert ihn heraus. Aber der Menschensohn missbraucht seine Macht nicht. Allein diese Haltung ist schon eine Erwähnung wert.
So ein Verhalten wünsche ich mir an vielerlei Stellen und Orten. Eine einem Menschen irgendwie anvertraute Macht oder Befugnis wird nicht missbraucht. Und schon gar nicht um sich selber damit ins rechte Licht zu rücken oder zu bereichern oder um andere Menschen zu kontrollieren oder um sie klein zu halten. Beispiele, die anderes erzählen gibt es genug. Im Großen wie im Kleinen. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Im heutigen Predigttext jedoch wird der Teufel ungewöhnlich deutlich benannt. Der Teufel ist in dieser Geschichte nicht bloß eine mythische Figur, die nach Schwefel stinkt, er wird sogar handelnd aktiv. Er ist existent und er fordert Jesus heraus.

In einer Konfirmandenstunde haben sich die Konfis eine Folge der Simpsons angeschaut. Es ging darin um die Taufe. Und Ned Flanders, dieser absolut perfekte, absolut unerschütterliche Christ, erklärt den ungetauften Simpsons Kindern Bart, Lisa und Maggie, das sie sich taufen lassen und so Satan abschwören sollen.
Gefragt, was die Konfis denn unter dem „Satan“ oder dem Teufel verstehen, kam lange gar keine Antwort. Schließlich stellten sich einige diese Figur mit Pferdefuß vor, der in der Hölle lebt. Alles an seinem Platz, wenn auch alles sehr archaisch. Mit uns heute hat das scheinbar nicht viel zu tun.
Man kann es den jungen Leuten nicht vorwerfen. Über den Teufel reden wir in unseren Zeiten kaum noch und wenn dann verharmlosen wir diese Figur als Fleckenteufel oder degradieren ihn zum Schrecken dieser Staubdinger, die wir zuhause Wollmäuse nennen, und so wird der Teufel als Staubsauger zum Dirt Devil. Unsere Gesellschaft hat scheinbar keinen und wenn nur einen kleinen Platz für den Satan. Nicht zu groß. Aber niedlich.

Bei Matthäus wird der Teufel beim Namen genannt. Er wird nicht versteckt hinter irgendwelchen seltsam klingenden Bezeichnungen oder unnötigerweise klein gemacht. Und dieses Vorgehen lohnt sich. Es lohnt sich darüber hinaus grundsätzlich den Teufel beim Namen zu nennen. Allen Verharmlosungen, allen Verniedlichungen zum Trotz. Sicherlich, manche Verlockungen sind teuflisch gut und die Kunst hat den Teufel schön gemacht und wenn Udo Jürgens, Gott hab ihn selig, gesungen hat, dass der Teufel den Schnaps gemacht hat dann ist das nur ein Schlager und der Teufel damit wieder nicht ernst genommen. Allerdings wird man dem Teufel mit diesen verharmlosenden Bezeichnungen niemals ganz gerecht.

In der Geschichte um die Versuchung Jesu hat erkennbar kein Fleckenteufel, kein Dirt Devil und auch kein schnapsbrennender Waldschrat die männliche Nebenrolle bekommen, sondern der Versucher höchst selbst. Er ist es, der Jesus wirklich gute Angebote macht. Die Geschichte macht deutlich: Der Teufel ist nichts Unpersönliches oder etwas Philosophisches oder etwas Gedachtes, das verführt. Die Versuchung hier ist ganz konkret persönlich und hat ein Gesicht.
Der Teufel in unserer Geschichte ist ein beredter Mann; und er ist auch ein mächtiger Mann. Er begegnet Jesus ganz offen und versteckt sein Gesicht nicht. Und viele Möglichkeiten, die einem aufstrebenden jungen Menschen gut zu Gesucht stünden, hat er noch dazu im Gepäck. „Pleased to meet you“, „Schön, dich zu treffen“ hatte Mick Jagger damals gesungen. Und er singt darüber, dass es verwirrend ist, den Teufel zu treffen, denn der hat die Macht zur Verführung. Die hat er, weil er instinktiv weiß, dass Menschen an sich verführbar sind. Bei den Rolling Stones heißt das „All the sinners are saints“ Alle Sünder sind Heilige und umgekehrt. Es braucht eine Menge Rückgrat, es braucht eine Menge von dem was wir allgemeinhin Haltung nennen, es braucht ein Menge Vertrauen um diesem Teufel und seinen Verführungskünsten nicht zu erliegen

Wie das gelingen könnte zeigt uns Jesus. Trotz aller Verlockungen – und der Teufel gibt sich bei ihm wirklich alle Mühe – schafft der es NEIN zu sagen. Sicher kennt er das erste Gebot, das ja unter anderem die Frage stellt: Wo liegen Sinn und Ziel meines Lebens? Und er hat die richtige Antwort. Diese eine Antwort, die aus dem Bewusstsein kommt, dass es wenig hilft, wenn man die ganze Welt gewönne ,aber die eigene Seele daran Schaden nimmt. Das passiert immer dann, wenn die Gier zu groß wird, wenn ich mich verliere, obwohl ich scheinbar so viel anders gewonnen habe.

Der Teufel versucht es trotzdem. Die Versuchungen sind groß; und umso weiter Jesus und der Teufel auf dem Berg nach oben steigen, desto größer, desto verlockender, werden die Möglichkeiten der Versuchung. Macht haben z.B. ist wahrscheinlich leichter, als diese Macht auch sinnvoll zu nutzen. Es ist bloß eine Frage der Entscheidung, ob man sich einer Allmachtsphantasie hingibt oder weiterhin der einzig wahren Gewissheit anhängt, dass nicht alle und jede Macht Gott ist.
Natürlich, Macht ist nicht an sich schlecht. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht. Nehmen Sie facebook, apple, google und amazon. Ich glaube nicht, dass die Macher hinter diesen Unternehmen anfangs wirklich erkannt haben, welches Potential der Datensammlung in ihren Unternehmen steckt. Aber mit der fortschreitenden Technik kam auch die Machtfülle. Heute bekommen Sie bei einer Shoppingtour im Internet gleich mehrere passende andere Artikel angeboten, die auch zu Ihnen passen könnten. Sie finden das nicht beängstigend?
Die Versuchung zur allumfassenden Kontrolle ist groß, das gilt für Menschen, wie für Unternehmen. Und es braucht eine Menge Disziplin, die eigenen Datenschutzrichtlinien einzuhalten.

Der Gehorsam, den Jesus hier zeigt, ist beispielhaft. Die Versuchung ist jedes Mal ein konkretes Angebot. Bekommt man an eine solche Offerte, gibt es eine einfache Möglichkeit, um zu kontrollieren, ob man schon verführt wurde: Martin Luther hat diese Lösungsschablone formuliert: „Wenn man Gott nicht allein dient, so dient man mit Sicherheit dem Teufel.“

Der Teufel ist nicht bloß ein Fehlerteufel, der Grundschüler durch ihr erstes Grammatikheft begleitet, nein, der Teufel ist in vielerlei Bezügen und Gestalt gegenwärtig. Das „führe uns nicht in Versuchung!“ aus den Vater Unser fasst diese Erkenntnisse zusammen. Mit Versuchungen ist zu rechnen.
Mindestens mit der „zartesten Versuchung, seit es Schokolade gibt.“ Zwar hat diese sympathische, lila angemalte Kuh auch Hörner, aber mit dem Versucher, mit dem Jesus es zu tun hat, hat dieses Tier so viel gemeinsam, wie das christliche Abendland mit Pegida. Also gar nichts!

Aber so sind sie manchmal die Versuchungen, harmlos und amüsant. So kommen sie daher und ich muss entscheiden. Nicht immer dagegen. Schließlich ist nicht automatisch all das was Spaß macht immer schon schlecht, aber nur Spaß ist manchmal einfach zu wenig. Und es ist wahr, kein Lebensbereich ist hier ausgenommen. Eine solche Lesart würde nur bedeuten, dass einige Bereiche meines Lebens dem Anspruch Gottes vorenthalten sind. Aber das ist gefährlich, denn die Versuchung betrifft meine ganze Person, nicht nur Teile davon.

„Mach was!“, sagt der Teufel zu Jesus als dieser auf der Zinne des Tempels steht und fordert ihn auf diese Weise heraus. Unübertroffen Luthers Analyse zu dieser Stelle. „Warum herabstürzen, wenn da eine Treppe ist, auf der man ohne Gefahr herunter gehen kann?“

Der Satan mag versuchen, was er will. Unsere Sympathie sollte dennoch nicht ihm gelten. Keiner braucht zu springen, wenn da eine Treppe ist, ein anderer Weg, ein Geländer, an dem ich einen anderen Weg sicher zurücklegen kann. Sie entscheiden. AMEN!

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