Reden – Hören – Düngen

Die Mannschaft von Hertha BSC hört nicht mehr auf seinen Trainer. Jos Luhukay erreicht seine Profis nicht mehr.
Er redet und spricht.
Und vielleicht predigt er sogar.
Aber ohne sichtbaren Erfolg.
Ohne messbare Ergebnisse.
Und wenn einer redet und viel hören nicht mehr auf ihn, liebe Gemeinde, dann ist es leichter, den Einen zu entlassen als die Vielen zu feuern.

Und dann redet der von mir hoch geschätzte Papst Franziskus über die Erziehung im Allgemeinen und über die wichtige Rolle des Vaters im Besonderen.
Und bei dem meisten von dem, was er so gesagt hat, da hört man irgendwie höchstens nur mit einem Ohr hin. Denn das ist ja alles richtig und gut und wichtig – aber irgendwie nicht neu.
Und dann kommt dieser Teil, wo er von einem Vater erzählt, der aus Überzeugung auch mal seine Kinder schlägt. Allerdings nie ins Gesicht, um ihnen nicht die Würde zu nehmen.
Und der Papst war so zu verstehen, dass er dieses Vorgehen gut heißt.

Aufregend!

Zwei kleine Beispiele, liebe Gemeinde.
Einer sagt etwas – und die anderen hören nicht zu. Es kommt nichts bei ihnen an. Es fruchtet nichts.

Und ein anderer sagt etwas – und die gespannte Aufmerksamkeit ist ihm sicher.
Und eine ordentliche Portion Empörung kommt noch dazu und sorgt dafür, dass seine Worte – wie in einer Endlosschleife – angehört und nachgelesen werden können.

Dass es sich hier um zwei Prominente handelt, trägt natürlich dazu bei, dass Viele von uns das Nicht-Hören und Ganz-genau-Hören aufmerksam verfolgen.

Aber es könnten genauso gut Menschen wie Du und ich sein.
Wir sagen etwas – und was dann passiert oder eben auch nicht geschieht, das liegt nicht mehr in unseren Händen.

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat sich intensiv damit beschäftigt, was alles mitschwingt, wenn wir etwas sagen. Schulz von Thun bezeichnet dieses Geschehen als die „vier Seiten einer Nachricht“.
Seine Bezeichnungen für diese vier Seiten sind: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell.

Und diese vier Seiten existieren nicht nur bei dem Menschen, der etwas sagt oder sendet.
Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell sind ebenso auszumachen bei demjenigen, der hört, der die Nachricht empfängt.

Dass es darum auch sehr leicht zu Missverständnissen kommen kann, das liegt auf der Hand.
Das folgende Beispiel ist da ein richtiger Klassiker. Es stammt von Friedemann Schulz von Thun selber.

Er beschreibt die folgende Situation: Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen. Der Mann sieht Kapern in der Soße und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Er meint damit auf den verschiedenen Ebenen:
Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht, was es ist.
Beziehung: Du wirst es wissen.
Appell: Sag mir, was es ist!
Die Frau versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen folgendermaßen:
Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Mir schmeckt das nicht.
Beziehung: Du bist eine miese Köchin!
Appell: Lass nächstes Mal das Grüne weg!
Die Frau antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“

Aus: Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander Reden. 1: Störungen und Klärungen. Reinbek bei Hamburg 1981, S. 62 f.

Dieses Buch verdeutlicht, was alles mit dranhängt, wenn einer etwas sagt und ein anderer es hört.
Und dass wir keine Garantie dafür haben, dass etwas exakt so ankommt, wie wir es gemeint haben. Wie wir es gerne hätten.
Oder einfach genauso, wie es uns wichtig ist.

Was kann ich denn tun, damit meine Botschaft ankommt?

Einfache Worte, bildreiche Reden sind da sicherlich ein gutes rhetorisches Mittel.
Jesus beispielsweise hat das exzellent beherrscht.

Und vor allem liegt die Stärke seiner Predigten darin, dass er mit seinen Bildern etwas von dem aufnahm, was aus der Lebenswelt seiner Zuhörerinnen und Zuhörer stammte.

Und Menschen aus der Landwirtschaft verstehen ohne weiteres eine bildhafte Rede, in der es um das Säen geht.

Was Jesus da predigt, das kennen sie.
Und zwar nur zu gut.
Es wäre ja zu schön, wenn alle Samen, die in reichen Schwüngen und mit vollen Händen verteilt werden, eine reiche Ernte bringen würden.
Das wäre zu schön.
Aber so ist es eben nicht.

Da sind die Vögel und der felsige Boden und die Dornen.
Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts – denn da wächst nichts.

Und ich sehe die Menschen, die ihm damals zugehört haben, zustimmend nicken. „Ja, genau so ist es. Es wächst eben nicht überall. So ist das bei uns. Kann man nichts bei machen.“

Nur bei dem guten Land gibt es auch eine gute Ernte.
„Und trug hundertfach Frucht.“, sagt Jesus.

Hundertfache Frucht! Was für ein Ertrag! Ach was – was für ein Wunder!

Eine Ernte wurde damals „gut“ genannt, wenn sie in etwa das Siebeneinhalbfache an Ertrag brachte. Das war gut – und oft genug der Standard.
Sollte es das Zehnfache geben, war das eine sehr gute Ernte, an die man sich noch lange erinnern würde.
Aber hundertfach?!

Das kann nicht sein.
Vielleicht redet dieser Jesus gar nicht von dem normalen Säen und Wachsen und Ernten, wie wir es so kennen?

Die Jünger sind – wie so oft – schon auf der richtigen Spur.
„Was bedeutet das denn?“ fragen sie Jesus.
Und erfüllen damit eine ganz wichtige Voraussetzungen für gelingende Kommunikation. Schulz von Thun (und nicht nur der) hätte daran seine wahre Freude gehabt.
Nachfragen!
Ehe ich für mich rumexperimentiere mit meinen vier verschiedenen Ohren, frage ich nach.
Das verringert die Zahl der Missverständnisse erheblich.

„Was bedeutet das denn?“
Sehr gut!

Und ihr Herr und Meister höchstpersönlich legt es aus.
Gottes Wort ist der Same. Er fällt zunächst einmal auf jeden Boden. Denn das Wort gilt für alle Menschen. Und niemand – und Gott schon gar nicht – entscheidet, wer es hören darf und wer es nicht zu hören kriegt.

Die pickenden Vögel stehen für das Böse, das die guten Worten wieder vergessen lässt.

Einem felsigen Boden gleichen diejenigen, bei denen Gottes Wort keine Wurzeln schlagen kann. Es lässt sich nicht verankern und hält darum nicht lange.

Und die Dornen, die zusammen mit dem Wort Gottes wachsen, sind ein Bild für all die Sorgen und anderen Dinge, die uns davon abhalten, unseren Glauben zu leben und mit Nahrung zu versorgen durch Gebet und Bibellese und Besuch der Gottesdienste.

Liebe Gemeinde!
Es wird Zeit, den Sack zuzumachen.

Ich denke zurück an den Fußballtrainer und das Oberhaupt der katholischen Kirche und den Kommunikationspsychologen:

Nicht alles, was gesagt wird, wird gehört.
Nicht alles, was gesagt wird, kommt auch so an, wie es gemeint war.

Das sind Wahrheiten aus unserem täglichen Miteinander.
Und Gottes Wort?
Es hat zum einen ebenso mit diesen Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen.
Auch jetzt in meiner Predigt.
Was will ich sagen? – und was kommt bei Euch an?
Was habe ich gar nicht so gemeint=? – Und Sie hören es trotzdem?

Und – und das ist ja die Hauptfrage – wie gehen wir mit Gottes Wort um?

Was kann ich tun, damit ich ein guter Boden bin?
Und Frucht trage?

Einige Beispiele, wie wir unseren Boden düngen können, habe ich vorhin schon genannt.
Was ist Euer Weg?

Der Sämann sortiert nicht vor.
Manchmal sind wir ungeeigneter Boden.
Das passiert.
Immer wieder.

Aber der Sämann kommt ebenfalls wieder. Und immer wieder.
Und – Gott sei Dank! – nicht nur einmal im Jahr.
Amen.

Gemeindelied EG 197 [3] – Herr, öffne mir die Herzenstür

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