Amoi seg ma uns wieder!- Trauerbewältigung von Andreas Gabalier

Dies ist eine Friedhofsandacht anläßlich des Ewigkeitssonntags,
die sich mit dem Lied und Text von Andreas Gabalier "Amoi seg ma uns wieder" als Trauertext auseinander setzt.

Liebe Schwestern und Brüder!
Nichts kann die Gemütsverfassung der Seele so tief ausloten und nichts kann die Liebe zu einem Menschen so stark spiegeln und universal ausdrücken wie es Musik kann. Musik erreicht die Seele. Musik, Gesang, Lied und die dazugehörende Lyrik treffen unser Innerstes. Viel tiefer und elementarer als es Worte jemals könnten, kommt Musik an unsere Psyche ran. Das gilt für das Leben und zu Lebzeiten mit wunderbaren, einmaligen Liebesliedern, und für sehr viele Menschen auch in der Trauer bei einem Todesfall und schmerzlichen Verlust in der Familie.
Musik hilft bei der Trauerbewältigung, löst den Schmerz auf der Seele und hat psychologisch gesprochen – reinigende, kathartische Wirkung bei Trauer und Verlust.
Trauer, Traurigkeit, endgültiger Verlust, Abschiedsschmerz und das Weinen, Schreien, Jammern, Seufzen, Klagen Verzweifeln und psychisches Leiden sind die Folge von einem seelischen Trauma, das sich durch den Tod und Verlust eines geliebten Menschen manifestiert und uns in Trauer hält.

Und so ist es gut, hilfreich und schön, wenn ein Lied und oder Musik der Kanal für den Schmerz der Seele sind.
Ein solches einzigartiges und wunderbares Abschiedslied, auch in seiner heilenden Wirkung und therapeutischen Tiefendimension, singt Andreas Gabalier, der österreichische Volksmusiker in seinem steirischen Dialekt. Es heißt: „Amoi seg’ ma uns wieder“
Das Lied hat seine überragende Stärke in der Trauerarbeit darin, dass Gabalier besingt, was er auf dramatischer Weise persönlich erlebte. Sein Vater und seine geliebte und jüngere Schwester haben sich kurz hintereinander das Leben genommen. Welch ein Familien- und Lebensdrama?!
Aber mit diesem Lied, das er häufig auf seinen Konzerten singt, und bei dem es im Publikum Mucksmäuschen still ist, hilft er sich nicht nur selbst über den Verlust von Vater und Schwester weg. Und singt sich den Schmerz von der Seele. Er hilft damit auch Tausenden, die den gleichen Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen in sich spüren und damit leben müssen. Ich persönlich finde, dass das Lied „Amoi seg‘ ma uns wieder“ ein wunderschönes Lied ist, um endgültig Abschied zu nehmen und dass es ein fantastischer Seelentröster und Seelsorge für die Trauerenden ist.

Aber jetzt hören wir den Liedtext.

Ein ganz besonderes Abschiedslied
„Amoi seg’ ma uns wieder“ von Andreas Gabalier

Uns oin is die Zeit zu gehen bestimmt
Wie a Blattl trogn vom Wind geht’s zum Ursprung zruck als Kind
Wenn des Bluat in deine Adern gfriert
Wie dei Herz aufhört zum Schlogn und du aufi zu die Engerl fliagst
Dann hob ka Angst und loss di anfoch trogn
Weil es gibt was nach dem Lebm, du wirst scho segn

Amoi seg ma uns wieder
Amoi schau i a von obm zua
Auf meine oitn Tag leg i mi dankend nieder
Und moch für olle Zeitn meine Augen zua

Ois wos bleibt ist die Erinnerung
Und schön langsam wird da kloar, dass nix mehr is wias woar
Dann soll die Hoffnung auf a Wiedesehn
Mir die Kroft in mein Herzschlog legn, um weiter zu lebm

Amoi seg ma uns wieder
Amoi schau i a von obm zua
Auf meine oitn Tag leg i mi dankend nieder
Und moch für olle Zeitn meine Augen zua

A Liacht sui da leichtn bis in die Ewigkeit
Zur Erinnerung an die Lebenszeit.

Amoi seg ma uns wieder
Amoi schau i a von obm zua
Auf meine oitn Tag leg i mi dankend nieder
Und moch für olle Zeitn meine Augen zua

Auf meine oitn Tag leg i mi dankend nieder
Und moch für olle Zeitn meine Augen zua
Text und Lied: Andreas Gabalier

Übersetzung:

Einmal sehen wir uns wieder

Uns allen ist die Zeit zum Gehen bestimmt
Wie ein Blatt getragen vom Wind geht es zum Ursprung zurück als Kind
Wenn das Blut in deinen Adern gefriert
Wenn dein Herz aufhört zu Schlagen und du hinauf zu den Engeln fliegst
Dann hab keine Angst und lass dich einfach tragen
Weil es gibt etwas nach dem Leben, du wirst es schon sehen

Einmal da sehen wir uns wieder
Einmal schau ich euch von oben zu
Auf meine alten Tage leg ich mich dankend nieder
Und mache für alle Zeiten meine Augen zu

Alles was bleibt ist die Erinnerung
Und schön langsam wir da klar, da nichts mehr ist wie es mal war
Dann soll die Hoffnung auf ein Wiedersehen
Mir die Kraft in meinen Herzschlag legen, um weiter zu leben

Einmal da sehen wir uns wieder
Einmal schau ich euch von oben zu
Auf meine alten Tage leg ich mich dankend nieder
Und mache für alle Zeiten meine Augen zu

Ein Licht soll da leuchten bis in die Ewigkeit
Zur Erinnerung an die Lebenszeit.

Einmal da sehen wir uns wieder
Einmal schau ich euch von oben zu
Auf meine alten Tage leg ich mich dankend nieder
Und mache für alle Zeiten meine Augen zu

Auf meine alten Tage leg ich mich dankend nieder
Und mache für alle Zeiten meine Augen zu

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir glauben, hoffen und wissen in unserem Innersten, dass wir sie wieder sehen, unsere Angehörigen. Amoi seg ma uns wieder!
Es ist unser sehnlichster Wunsch.
Irgendwann, wenn die Zeit kommt, wenn wir von dieser Welt in die andere hinüber müssen. Und wir werden sie dort wieder treffen. Da , wo sie jetzt unsichtbar für uns weiterleben in Gottes Nähe. Da, wo er sie in seine Nähe geholt hat. In der Ewigkeit Gottes, im religiösen Himmel, dort werden wir eines Tages sie wieder sehen. Im Leben der der neuen Welt
Das ist wahrlich kein geringer Trost bei aller Trauer, seelischer Erschöpfung und allem unwiederbringlichem Verlust von Liebe und menschlicher Nähe.
Wir sehen sie wieder, denn Sie sind jetzt in der Nähe Gottes, er hat sie geholt in seine Nähe; dort, wo der himmlische Friede ist, die Erlösung und das neue, ganz andere Leben. Dort, wo das Leben der kommenden Welt ist, wie es am Ende des Nicänischen Glaubensbekenntnisses so verheißungsvoll heißt.
Amoi seg ma uns wieder!
Das IST KEIN GERINGER Trost und auch im Verständnis unserer Religion, dem Christentum, keine billige Vertröstung auf ein besseres und schöneres Leben im Jenseits bei aller Trauer, Ohnmacht, Angst, Sorge und Verzweiflung, die viele heute hier und jetzt plagen und innerlich unruhig machen.
Wir sehen sie wieder. Wir sehen uns wieder. Das ist unsere starrköpfige Hoffnung und unser unbändiger Halt und Anker der Hoffnung gegen die Sinnlosigkeit und Absurdität des Todes und die Ohnmacht, die der Tod ins uns durch den Verlust eines geliebten Menschen erzeugt. Amoi seg ma uns wieder!
Denn es ist eben ein Merkmal der Trauer und des Verlusts;
Ohnmacht, Verzweiflung und die Absurdität des Lebens auszuhalten und aushalten zu müssen. Das ist traurig, bitter und manchmal schwer zu ertragen. Am Meisten schmerzt der Verlust: Kein Gespräch mehr, kein Hallo mehr, kein „Ich liebe dich“ oder „pass auf dich auf“, „sei behütet und komm wieder!
Nichts dergleichen. Das geht an die innere Substanz und raubt einem, wenn es nach dem Trauerschock sich langsam ins Bewusstsein setzt, manchmal vor Trauer, Ohnmacht und Wut fast den Verstand.
Diese Leere und Einsamkeit über den unwiederbringlichen Verlust lähmt die Lebensenergie. Wieso das alles, warum muss ich das aushalten, was soll das. O könnte ich Sie oder Ihn nur wieder einmal im Arm halten, mit ihm oder ihr sprechen: Ich würde viele dafür geben. Amoi seg ma uns wieder! singt Gabalier.
Doch sie sind tot und sie sind weg. Weg aus unserem mit den Augen erfassbaren Leben. Sie sind gegangen in die andere Welt, ins Jenseits und wir bleiben zurück im Hier und Jetzt, im Diesseits.

Doch Gabalier singt:
Dann hab keine Angst und lass dich einfach tragen
Weil es gibt was nach dem Leben, du wirst schon sehen!

Alles was bleibt ist die Erinnerung
Und schön langsam wir da klar, da nichts mehr ist wie es mal war
Dann soll die Hoffnung auf ein Wiedersehen
Mir die Kraft in meinen Herzschlag legen, um weiter zu leben

Von der Hoffnung auf ein Wiedersehen wünsche ich allen, die heute hier und jetzt um Verstorbene trauern und damit zum Grab gehen, ganz viel. Auch von der Kraft, die in den Herzschlag gelegt wird, um weiter zu leben.
Jesus Christus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Leben. Johannes 8,12
Ja, sie leben unsere Angehörigen und einmal sehen wir sie wieder.

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