Ein Lichtblick auf Gottes Wirklichkeit

Liebe Gemeinde,
das soeben gehörte Evangelium ist heute auch der Predigttext.

Ja, Bergwanderungen! Für meine Frau und mich sind sie eine sehr beglückende Unternehmung. Wir haben dabei schon so manch schöne Erfahrungen gemacht. Die Aufstiege waren lang, dauerten über Stunden. Bei solch beschwerlichen und schweißtreibenden Anstiegen kamen und kommen wir immer wieder an unsere Grenzen. Berauschend ist der Erfolg, das Ziel erreicht zu haben. Wir stehen auf dem Gipfel, am Kreuz, und die ganze Welt liegt uns zu Füßen.

Ich bin kein Hochalpinist, trotzdem packt mich die Faszination des Wunders „Bergwelt“ immer wieder. Ich kann von oben das Erlebte überschauen. Sehe den Weg, die verschlungenen Pfade. Den Ausgangspunkt der Wanderung, die Hindernisse, wie Weiden, Bäche, Geröllhalden. Auch das Wegstück das durch den dunklen Wald führte, ehe es wieder ans Licht kam.

Mit dem schweifenden Blick halte ich Rückschau. Welch schöne Analogie – der Blick auf das Leben. Auf der Höhe der Zeit angekommen, einmal zurückschauen und den Lebensweg betrachten.

Ich sehe auch den Ausblick, den Weg vor mir. Ein größeres oder kleines Stück geht es auf der gleichen Höhe weiter. Dann langsam und stetig wieder abwärts. Aber Achtung, der Abstieg ist keinesfalls leichter als der Aufstieg. Auch das ist ein Bild für das Leben. Wo befinde ich mich gerade? Auf der Höhe der Zeit, in der Mitte meines Lebens? Oder schon auf dem Abstieg?

Matthäus berichtete uns nicht von einer Bergwanderung und malte kein Alpenpanorama. Aber er versetzt uns in eine Welt der inneren Bilder.

Jesus war auf der Höhe seiner Zeit angekommen. Petrus konnte nach der gemeinsamen Wegstrecke nur noch feststellen: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“.

Er hatte so viel gesehen und gehört. Ihm waren Menschen begegnet, die an Leib und Seele heil wurden. Ja, sie waren wie neu geboren. Er hatte Worte gehört, die ihn tief berührt haben. In ihnen leuchtete eine andere, starke Wirklichkeit auf. Die Hoffnung auf Gottes neue Welt sprach aus ihnen. In ihm war Glauben, tiefe Gewissheit, innere Einsicht gewachsen. Zutiefst beglückt hielt er dieses Geschenk fest.

„Du bist Christus“. In diesem „Du“ schwang all die Vertrautheit und die Nähe mit, die einen Glauben ausmacht. Er wusste sich ganz und auch bedingungslos, geborgen und gehalten. Das war mehr als gute Bekanntschaft oder Freundschaft. Da war ein großes Vertrauen. Im Zweifel konnte er sich fallen lassen, in die Hände unseres Herren. Er vertraute ihm ganz und gar.

Eigentlich sprach Petrus für uns alle: „Du bist unser Christus. Wer sich auf dich verlässt, der ist nie mehr verlassen“. Das ist doch einleuchtend. Jesus hat aber auch angekündigt: „der Weg ist noch nicht zu Ende“. Dem Aufstieg folgt der Abstieg. Der Weg führte ihn nicht an Jerusalem vorbei, sondern direkt hinein. Das Kreuz warf seine Schatten voraus. Und gerade da wo das Licht am stärksten ist, sind auch die Schatten am dunkelsten.

Die Weihnachtszeit reicht von der Geburt Jesu in Bethlehem bis zum Berg der Verklärung. Gefolgt von der Passions- und Osterzeit. In diese folgende Zeit drängt menschliches Leid und Elend in den Vordergrund. Doch dann siegt die Hoffnung und Gewissheit. Gott spricht das Wort des Lebens.

Klar möchte ich die schönsten und anrührenden Momente festhalten, den Augenblick verewigen. Aber die Zeit schreitet fort. Je mehr ich sie festhalten möchte, desto schneller enteilt sie mir. Warum vergehen die leuchtenden und glücklichen Momente nur so schnell? Wieso halten die dunklen und tragischen Augenblicke so lange?

Wir müssen vom Berg wieder herunter. Kann es sein, das damit der Glaube verfliegt und das Vertrauen schwindet? Wir steigen hinab in die Tiefen der Wirklichkeit, in das reale Leben. Wenn wir nur mit Augen und Ohren wahrnehmen, was wir die Wirklichkeit nennen, kann das sicher passieren.

Was hatte Petrus gesehen? Einen wundertätigen Wanderprediger! Er lebte in einer leichtgläubigen Zeit. Zu den frühen Christen hätte gut der Liedtext gepasst: „Wunder gibt es immer wieder, nur manchmal muss man warten, um sie zu verstehen“.

Messias, Christus nannten sich schon viele. Retter und Erlöser sind bis heute gefragte Persönlichkeiten. Wenn ich nur auf meine Wirklichkeit setze, dann schwindet der Glaube. Und am Ende passiert mir vielleicht so etwas wie Petrus. Er hätte von sich auch nie geglaubt, das er sagen würde: „Ich-kenne-ihn-nicht“. In dieser Wirklichkeit, inmitten all der menschlichen Unbelehrbarkeit, kann man den Glauben schon mal verlieren.

Die Themen, die unser Leben bestimmen, sind ja seit Wochen die gleichen. Die einen versuchen mit einem Finanzpacket nach dem anderen die Wirtschaft zu retten. Andere sind gelähmt von der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Während sie hier um das Weltklima ringen, kämpfen die dort, in den Hunger- und Elendszonen, um das tägliche Überleben.

Auch der Friede in Palästina und Israel wird immer wieder im Keim durch Gewalt und Krieg erstickt. Korruption und Machtmissbrauch in den Afrikanischen Ländern hemmen jede Hoffnung auf positive Wirtschafts- und Lebensentwicklung. Wieder andere Menschen verzweifeln an Schicksalsschlägen. Vielleicht bedroht Krankheit ihr Leben oder der Tod eines geliebten Menschen stürzt sie in Abgründe und Hader.

Solche Bilder, solche Erfahrungen können alles negativ überdecken. All die Schönheit, das Glück, die Zufriedenheit und der Reichtum des Lebens verblassen. Wenn wir nur auf das setzen, was wir mit eigenen Augen sehen…

Auf dem Berg der Verklärung passierte etwas ganz anderes! Gott setzte Jesus in sein rechtes Licht. Die drei Jünger trauten ihren Augen nicht. Nur in diesem Fall, durften sie es wirklich! Sie durften dem Licht vertrauen, das in Jesu Angesicht aufleuchtete. Es war ein unbeschreibliches Licht, es schien durch ihn hindurch zu leuchten. Ein Licht, das aus einer anderen Wirklichkeit kam. Mose und Elia, die beiden Gottesstreiter unterstützten Gottes Sache. Gottes Wirklichkeit leuchtete auf und in unsere unruhige Realität hinein. Es war wohl dasselbe Licht, das am Ostermorgen Jesus umstrahlte.

Was Petrus, Jakobus und Johannes sahen und was sie ergriff, war ein Lichtstrahl aus Gottes Wirklichkeit. Und plötzlich erschien diese Welt in einem anderen Licht.

Es wird offensichtlich, dass es mehr gibt als Elend, Krieg, Gewalt, Schuld, Krankheit und Tod. Aus Gottes Ewigkeit erscheint ein heller Strahl des Lebens. In ihm zeichnen sich Vergebung und Frieden in einer neuen Welt ab. Sie ist frei von Angst, Hass, Tränen und Einsamkeit. Und dieses Licht trifft schon heute, verwandelt schon heute, schafft Vertrauen und Mut.

Die drei Apostel hatten Gewissheit. Gott bekannte sich zu seinem Sohn. Die Worte haben wir gehört: „Dies ist mein lieber Sohn an dem ich Wohlgefallen habe, auf ihn sollt ihr hören.“ Mit ihm brach Gottes Welt damals schon an.

Unser Glaube wird durch Gottes Licht erhellt und genährt. So ein Glaube kann in der Welt bestehen. Er weiß um Gottes Nähe und Treue, auch wenn der Weg vom Berg hinunterführt.

Auch Jesu Weg machte nicht Halt vor den Toren Jerusalems. Die Schreie: „Kreuziget ihn!“ waren unüberhörbar. Aber Jesu Weg war und ist für uns wichtig, damals wie heute. Durch ihn sehen wir den Glanz der Ewigkeit, das Licht unvergänglichen Lebens. Dieses Wissen trägt auch uns durch die enteilende und verrinnende Zeit.

Ich versuche nur auf Christus zuschauen, egal ob in den Höhen oder Tiefen meines Lebens. Dann sehe ich dieses Licht, dann wird er mir zum vertrauten Du. Das bestärkt mich, mein Leben ganz in seine Hand zu geben.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, erleuchte unsere Herzen und Leben durch sein göttliches Licht in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Superintendent Uwe Simon, KK Oberes Havelland.)

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