Je suis chrétien avec plaisir!

Liebe Schwestern und Brüder!
Eine Taufgeschichte hat uns der Evangelist Matthäus erzählt. Nicht irgendeine Taufgeschichte. Die Geschichte handelt von der Taufe Jesu. Vielleicht denkt mancher jetzt:
Hat nicht Jesus selbst getauft? Nein Jesus hat nicht selbst getauft. Jesus ist -wie die Geschichte erzählt- von Johannes dem Täufer getauft worden, und zwar am Fluss Jordan.
War die Taufe des Johannes ursprünglich eine Buß- und Umkehrtaufe, so ist sie durch die Taufe Jesu zu einem eindeutigen Akt Gottes geworden. Der Heilige Geist soll in der Gestalt einer Taube vom Himmel herabgekommen sein. Und als Steigerung hat Gott den Täufling zu seinem Sohn proklamiert:
"Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen und Freude habe!"
Gott spricht hier direkt und nennt Jesus liebevoll seinen Sohn.

Zwei Dinge sind an dieser Erzählung sehr interessant:
1. Jesus wird getauft und mit dem Heiligen Geist beschenkt.
2. Gott sagt zu ihm: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich meine Freude.

1. Jesus wurde getauft und mit dem Heiligen Geist beschenkt.
Was bedeutet das für uns?
Das bedeutet zum einen, dass Jesus wie jeder andere Mensch, der später und auch heute getauft wird, mit Wasser getauft wurde. Jesus war ein Mensch wie Sie und ich. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein Mensch mit Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen. Ein Mann, der schimpfte und stritt. Ein Mensch, der leiden musste und starb.
Der Unterschied zu uns besteht aber darin, dass dieser Mensch zugleich etwas Außergewöhnliches und Einzigartiges war. Er war göttlich und er ist der einzig geborene Sohn Gottes. Die historische Person Jesus von Nazareth wird als der geglaubte Christus zugleich der fleischgewordene, besser menschgewordene Sohn Gottes und damit zu Gott. Oder anders: Gott ist in einem Menschen erschienen, erst im kleinen Kind, dann im Erwachsenen, der gekreuzigt wurde, um uns zu erlösen.
Heute werden Täuflinge mit Wasser auf Gottes Dreieinigkeit, auf seine und in seine Trinität getauft. Sie werden im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Durch die Taufe wurden wir alle mit Gottes Geist und dessen Kraft bedacht und gleichzeitig in die Gemeinschaft aller Christen aufgenommen. Und fast alle christlichen Konfessionen erkennen untereinander die Taufe als wirksames Zeichen der Anwesenheit Gottes, besser Sakrament der Christenheit an. Wer getauft ist und wurde, der ist und bleibt ein Christ und gehört ab diesem Zeitpunkt zur weltweiten Gemeinschaft der Christen.
Interessanterweise wurden und werden alle Täuflinge fast alle als Kleinkinder getauft. Die Taufbereitschaft lässt nicht nach. Und selbst Agnostiker, Atheisten und bisweilen Konfessionslose lassen häufig ihre Kinder taufen, obwohl sie es gar nicht müssten. Man weiß ja nie, für was es gut ist.
Obwohl wir natürlich als religiöse Menschen wissen, für was es gut ist.
Denn es geht ums Heil, um die Lebensbewältigung, um die Erfahrung von Sinn und Kontingenz im Leben.
Wir sind nämlich nach theologischer Sicht der Dinge Ebenbilder Gottes und seine Kinder, und empfangen dadurch seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit.
Wir sind nicht bloß eine besonders interessante Variante und Spielart der Evolution, dem puren Schicksal oder der Sinnlosigkeit des Lebens ausgesetzt oder als Menschen zu Anfang des 21.Jahrhundert unserer eigenen menschlichen Phantasie, Machbarkeit, Machtgier oder dem religiösem Wahnsinn unterworfen.
Auch sind wir mit einem kritischen, aufklärerischen Geist in religiösen Dingen unterrichtet worden und müssen nicht Andersdenkende und Andershandelnde, auch mit Karikaturen Provozierende im Namen Allahs sinnlos töten, um vermeintlich den Propheten Mohammed zu rächen.
Unsere Religion das Christentum ist moderner und weiter im Diskurs, denn die Theologie musste sich seit der Aufklärung mit dem Atheismus auseinandersetzen. Exklusive Glaubenssysteme und starre Dogmen sind nicht per se für jedermann evident oder nachvollziehbar.
Auch ein Leben ohne Gott ist möglich, wenn auch nicht aus der Sicht des religiösen Menschen, des homo religiosus, nützlich für die Lebensbewältigung.
Und somit haben die feigen islamistischen Attentate und Morde der Kouachi-Brüder in Frankreich noch der Terror des IS in Syrien oder im Irak, selbst gegen Angehörige der eigenen Religion, überhaupt nichts mit dem Islam zu tun.
Islam bedeutet Friede und Barmherzigkeit.
Und diejenigen, die im Namen Allahs morden und töten, pervertieren die eigene Religion und schüren nur Angst, Hass und Wut gegen die Millionen friedlich in Europa lebenden Muslime.
Und deswegen ist es jetzt auch an der Zeit und gut so, dass die muslimische community, Gemeinschaft sich von diesem mörderischen Wahnsinn distanziert und diesen verteufelt.
Die islamkritischen Menschen wollen ein Zeichen sehen und Bekenntnisse zur freiheitlichen Demokratie.

Der eigene feste Glauben und Toleranz gegenüber Anders- oder womöglich Nichtgläubigen schließen sich nicht aus.
Im Gegenteil sind für ein friedliches Zusammenleben nötiger denn je.
Und zur Erziehung in unserem eignen Glauben, dem Christentum, gehört auch das Patenamt, mit dem wir die religiöse Erziehung eines Menschen wecken, fördern und unterstützen.
Und viele nehmen Paten ihr Patenamt ja auch sehr ernst.
Und wenn man religiöse Eltern fragt, warum sie denn ihr Kind taufen lassen wollen, dann antworten sie meistens:
Gott soll unser Kind schützen und bewahren. Vielleicht sogar in dem magischen Sinn, dass sie sich wünschen, dass ihrem Kind nie etwas passieren sollte. Ein verständlicher Wunsch, aber leider unrealistisch. Durch die Taufe gehöre ich in Gottes Einflussbereich und sein Schutz und Segen sind mir zugesprochen. Ich glaube und hoffe dereinst auf die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben, aber mein irdisches Leben wird nicht ohne Trauer, Verlust, Sorge, Schmerz und Angst vergehen. Denn die Taufe bietet keinen magischen Schutz vor allem Übel dieser Welt. Auch ist sie keine Vollkasko-Versicherung, mit der ich alle Risiken minimieren und sämtliche Schäden erstattet bekomme. Das wäre ja schön, wenn wir durch die Taufe kein Leid oder Schmerz mehr erleben müssten!
Jesus ist durch seine Taufe auch nicht von irdischem Leid unberührt geblieben. Auch er wollte, dass der Kelch der Bitternis an ihm vorüberginge.
Aber durch die Taufe werden wir in die Solidarität Gottes hineingenommen. Gott verspricht uns durch die Taufe, dass er auf allen Lebenswegen mit uns geht. Auf den schönen und den schweren Wegen. Gottes Beistand ist uns im Glauben gewiss. Gottes Gerechtigkeit und Gnade ist uns im Leben und im Tod gewiss. Das ist die befreiende Zusage Gottes in und bei der Taufe. Und selbst in Situationen, wo wir eine Abwesenheit Gottes kaum noch vermuten, ist Gott auch noch gegenwärtig. Gläubige Menschen wissen das. Für die Ungläubigen, von Skepsis regierten und Verzweifelten wünsche ich mir, dass sie es dann erfahren.
Durch die Taufe gelange ich in den Herrschaftsbereich Gottes. Ich werde quasi wiedergeboren und zu einem neuen
Menschen. Insofern sollten wir uns hin und wieder an unsere Taufe erinnern, denn durch die Taufe herrscht Gott über mich. Nicht mit Willkür und Despotie, sondern durch Liebe und Barmherzigkeit. Leid und Schicksal werden mir im Leben nicht erspart bleiben. Und auch die Frage, warum die einen so viel mehr tragen müssen als andere, wird dadurch leider nicht beantwortet. Die Tragik des Lebens lässt sich durch die Taufe nicht wegwaschen.
Aber in der Taufe und durch die Taufe auf den dreieinigen Gott gewährt Gott mir immer so viel Widerstandskraft wie ich sie für die Notlagen meines Lebens benötige.
Durch die Taufe werden mir im Glauben meine Sünden vergeben, um Christi willen. Jesus hat mich von meinen Sünden und Fehlern erlöst. D.h. aber nicht, dass ich ab sofort keine Sünden mehr tun werde. Martin Luther hat einmal gesagt, dass man den alten sündigen Adam jeden Tag neu ersäufen müsste.
Und auch die weitverbreitete Meinung, dass kleine Kinder und Säuglinge sündlos wären, ist barer Unsinn. Natürlich können kleine Kinder und Babys noch keine Schuld begehen, aber die Anlage zur Sünde und zur Schuld ist genauso in ihnen vorhanden wie bei uns Erwachsenen. Weil sie Menschen sind, sind sie Sünder bzw. werden sie Sünder werden. Soweit zu diesem Thema!

2. Gott sagt zu Jesus: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. An dir habe ich Freude, dich liebe ich, du bist etwas ganz Besonderes für mich.

Und das Gleiche spricht Gott uns in der Taufe ebenfalls zu.
Du bist auch mein geliebter Sohn bzw. meine geliebte Tochter, an dem oder der ich Freude habe. Für die oder den ich Liebe, Gnade oder Barmherzigkeit empfinde. Gott freut sich über uns Menschen, wenn wir seinen Willen tun und seine Gebote befolgen. Und ähnlich wie eine liebevolle Mutter oder ein gütiger Vater, vergibt uns Gott selbst dann noch, wenn die anderen längst nichts mehr mit uns zu tun haben wollen. Er stellt den Zähler auf null zurück.

Aber wann haben Sie das letzte Mal zu ihren Kindern oder ihren Ehepartnern gesagt, dass sie sie lieben und sich über sie freuen? Oder gesagt: schön, dass es dich gibt!
Wahrscheinlich ist dies viel zu lange her.
Nun ja Liebe ist ein Geschenk und kein Sonderangebot im Supermarkt oder ein monatlich ausgezahlter Gehaltsscheck.
Liebe ist immer ein Geschenk und niemals selbstverständlich und immer verfügbar. Aber viel zu selten bedanken wir uns für dieses Geschenk, obwohl wir uns für alle möglichen weniger wichtigen Sachen bedanken.
Warum fällt es manchen Vätern zum Beispiel so schwer, sich mit ihren Söhnen über erbrachte Leistungen oder einfach über ihr bloßes Dasein zu freuen?
Warum erzählen sich trennende und auseiender gehende Paare immer erst, wenn es zu spät ist, wie sehr sie ihre Frau oder ihren Mann einmal geleibt hätten?
Warum nicht einmal Dank oder ein gutes Wort im ehelichen Alltag?
Warum nicht ab und zu einmal eine Blume als Zeichen der Liebe für die Ehefrau, Partnerin oder Freundin? Einfach so und ohne Hintergedanken.
Am schlimmsten wird es im Leben, wenn einem ein Mensch verlässt und ich nicht die Chance oder Gelegenheit hatte, mich bei ihm zu bedanken oder mich über ihn oder mit ihm zu freuen!
Da bleibt das Gefühl von Schuld und mangelnder Wieder-gutmachung. Ein schreckliches Gefühl.
Gute Worte und Lob zur richtigen Zeit haben noch keinem von uns geschadet.

Im Gegensatz zu uns Menschen ist Gott nicht so vergesslich und mundfaul.
Seine Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sind uns gewiss. Darauf können wir vertrauen und uns darüber freuen.
Auf Gott können wir vertrauen und hoffen und er ruft uns im Leben immer wieder zu:
Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen und Freude habe. Mein Schutz und Segen, meine Liebe und Barmherzigkeit schenke ich dir Zeit deines Lebens, in guten und schlechten Tagen, in Angst und Freude, in Trauer, Verzweiflung und in den glücklichen Momenten des Lebens.
Denn durch die Taufe gilt:
Gott liebt seine Kinder, und wir sind seine Kinder. Dafür sind wir dankbar und darüber können wir uns freuen.
Amen.

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