Kein Märchen oder Legende

Wie kann ein Stern über Menschen hergeht und über einer Stelle stehen bleibt?
So etwas gibt es doch nicht.
Und doch erzählt es uns Matthäus in seinem Evangelium.

Wie können wir damit umgehen?

Methode 1: Damit du glauben kannst, musst Du den Verstand an der Garderobe abgeben. Und dumm sein hilft beim Glauben.
Diese Methode ist weit verbreitet, aber ich finde, sie ist nicht nur völlig unbefriedigend, sondern auch völlig falsch.

Methode 2: Alles ganz kritisch prüfen.
Viele Theologen an der Uni machen das so und kommen dann zu Aussagen wie:
„Dem Evangelisten geht es jedoch weder mit der Schilderung seines Wundersterns noch mit seiner knapp erzählten, wenig ausgestatteten Legende um historische Wahrheiten.“
„Ein historischer Kern ist nicht greifbar.“
Ihre Argumentation geht ungefähr so:
So einen Stern habe ich noch nie gesehen – also kann es so etwas nicht geben.
Matthäus schrieb für Judenchristen und es war ihm immer sehr wichtig zu zeigen, wie sich Weissagungen des Alten Testamentes erfüllen.
Im 4. Buch Mose 24,15 wird über den Messias geschrieben, dass ein Stern aus dem Haus Jakob aufgehen wird und beim Propheten Jesaja 60,1-6 steht etwas über Heiden und Könige, die kommen werden, um die Herrlichkeit des Herrn anzubeten.
Also denkt sich Matthäus halt eine Geschichte aus, in der ein Stern vorkommt und Heiden, die den Messias anbeten.
Leute, die so etwas sagen, werden oft Wissenschaftler genannt.
Denn oft sind sie einfach Dummschwätzer und Irrlehrer.
Ich möchte euch ans Herz legen:
Glaubt nicht alles, was euch erzählt wird, nur weil es „wissenschaftlich“ genannt wird.
Und glaubt nicht alles, was euch Theologen und Pfarrer erzählen.

Denn es gibt eine sehr eingebildete Wissenschaft, die meint, alles kritisieren, beurteilen und zerreden zu können.
Und es gibt eine demütige Wissenschaft, die bereit ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich belehren zu lassen.

Diesen Unterschied kann man an der Geschichte des Sterns von Bethlehem gut sehen.
Denn es ist keine erfundene Geschichte.
Ich will versuchen, das zu erklären.

Früher waren die Leute auch nicht dümmer als wir heute.
Und sie haben auch gewusst: Die Sterne bewegen sich relativ zueinander nicht.
Die Sternbilder sind fest, fixiert. Darum heißen die Sterne ja auch Fixsterne.
Sterne, die sich bewegen, gibt es nicht.

Aber es gibt schon Lichter am Nachthimmel, die sich bewegen:
Kometen. Schweifsterne (gr.: Fadensterne)
Der Kirchenvater Origenes hat im 3. Jhdt. gemeint:
Ein Komet kommt als Stern von Bethlehem in Frage.
So einer wie der Halleysche Komet
Auch der Künstler Giotto hat 1301 Komet gesehen
Aber: Kometen wurden für Unglücksboten gehalten – das passt nicht.
Und noch was passt nicht:
Kometen sind auffällige Erscheinungen – das steht im Widerspruch zu dem Nachfragen des Herodes.
Das, was die Sterndeuter gesehen hatten, war offensichtlich nur Experten erkennbar.
Und: Damals gab es weit und breit keinen Kometen.
Zeitfenster: 8 v.Chr. Volkszählung des Augustus – 4 v.Chr. Tod des Herodes

Aber: in diesem Zeitfenster gab es ein Himmelsereignis, das genau passt.
Johannes Keppler hat es als erster in Europa beachtet.
Aufzeichnungen haben gezeigt: Es wurde von Chinesischen und Babylonischen Sterndeutern beobachtet.
Damals war Astrologie (Deutung der Sterne) und Astronomie (Beobachtung der Sterne) nicht getrennt.
Denn sie war wichtig
Die sich damit beschäftigten, waren zugleich Priester – Wissenschaftler – Astrologen. Und sie konnten damit reich werden.
Sie beobachteten vor allem die Bewegungen der Planeten (planetomai: Wandern)
Planeten wurden auch Sterne genannt, und sie wurden mit Göttern gleichgesetzt.
Wir kennen das noch aus der Schule: Jupiter ist der höchste Gott der Römer.
Und damals wurde geglaubt:
Im Himmel wird gezeigt, was auch auf der Erde passieren wird.
Wie oben, so unten.

Und im Jahr 7 v.Chr. konnte man beobachten, dass 3 mal die Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild Fische einander ganz nahe kamen. Das nennt man eine Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische.
Übersetzt mit dem damaligen astrologischen Deutungsmuster heißt das:
Im Volk der Juden gibt es einen neuen, großen König, dessen Herrschaft auch für Babylon von großer Bedeutung sein wird.

In Jerusalem war aber kein neugeborener König, sondern der alte König Herodes der Große (73 – 4 v.Chr, seit 37 „König der Juden“).
Und der hatte Angst vor einem Putsch.
Aus diesem Grund hatte er schon 3 seiner eigenen Söhne umbringen lassen.
Kein Wunder, dass ganz Jerusalem einen Schreck bekam, als da Fremde kamen und nach einem neuen Königssohn fragten.

Ende November 7 v. Chr. War dann die dritte Konjunktion der beiden Planeten, genau an der Spitze des so genannten Zodiakallichts: Sonnenlicht, das am Asteroidengürtel gestreut wird und ein ganz schwaches, kegelförmiges Licht erzeugt. Man kann es nur sehen, wenn es ganz dunkel ist.

Damals gab es noch kein künstliches Licht, und so konnten die Sterndeuter auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem am Abend sehen: Jupiter und Saturn ganz nahe beieinander und von ihnen geht anscheinend Licht aus, kegelförmig, wie ein Scheinwerfer und leuchtet auf Bethlehem. Und auf dem Weg nach Bethlehem gehen diese Sterne weiter auf und aus ihrer Sicht schaut das genau so aus: Die Sterne gehen vor ihnen her und zeigen auf Bethlehem.

Mir sind drei Dinge wichtig geworden bei der Beschäftigung mit diesem Bibeltext und mit dem Stern von Bethlehem.

1. Wir müssen damit rechnen und dürfen darauf vertrauen, dass hinter Geschichten aus der Bibel, die uns auf den ersten Blick wie ein Märchen erscheinen, mehr historische Wirklichkeit steckt, als wir für möglich halten. Die Bibel ist ein sehr, sehr zuverlässiges Buch, das uns nicht in die Irre führen will.
2. Vielleicht wird jetzt jemand denken: Also ist an der Astrologie doch etwas dran. Schließlich haben die Sterne ja wirklich diese Magier zu Jesus Christus geführt. Aber das stimmt nicht. Die Sterne haben die Magier nach Jerusalem geführt, zu Herodes. Die Heilige Schrift hat sie dann nach Bethlehem geführt. Und außerdem: Das war ein Zufallstreffer. Wie oft ihre Sterndeutung nur in die Irre geführt haben, erfahren wir nicht. In der Presse werden ja jedes Jahr Vorhersagen von Astrologen damit verglichen, was wirklich passiert ist. Und das Ergebnis ist Jahr für Jahr gleich: Was die Astrologen vorhersagen, ist völliger Quatsch. Dass diese Sterndeuter damals durch ihre abergläubische Irrlehre der Astrologie auf Jesus aufmerksam wurden und ihn schließlich auch gefunden haben ist für mich kein Hinweis darauf, „dass da doch etwas dran ist“, sondern ein Zeichen der unbegreiflichen Güte Gottes, der sogar unsere Irrwege segnen will.
Bonhoeffer: . Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Gebet eines, der sich unendlich geliebt weiß

Oh du unendliche Liebe,
die nie aufhört,
allzeit liebreich auszuhalten mit mir.
Während ich schlafe, wachst Du,
und wenn ich wachend mich irre,
so machst Du selbst den Irrtum zu dem noch Besseren,
als das Richtige gewesen wäre.
Und ich – ich habe bloß mich zu verwundern
Über dich, unendliche Liebe.

Sören Kierkegaard

3. Am wichtigsten:
Die Schriftgelehrten bei Herodes.
Sie wissen alles. Sie wissen, dass der Messias in Bethlehem geboren werden soll. Sie haben es gerade haarklein diesen Sterndeutern erklärt, die ihnen wiederum erklärt haben, dass der Messias jetzt geboren worden ist.
Und sie schicken die Sterndeuter nach Bethlehem und zeigen ihnen den Weg.
Und sie selber packen ihre Bibeln zusammen, machen Feierabend, gehen nach Hause, machen Brotzeit und machen sich auf dem Sofa einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher.
Sie wissen alles – und tun nichts.
Sie glauben alles, aber ihr Glaube hat absolut keine Konsequenz.

Gott bewahre uns davor, dass auch wir solche Gläubigen sind.
Die viel wissen, aber keine Konsequenzen ziehen.
Die viel Glauben haben, aber nichts tun.
Denn dann nützt uns weder der Stern von Bethlehem etwas, noch das Kind in der Krippe.

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