Erweckliche Kurzpredigt

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. (Lk 2,1)
Das sind alte Worte. So hat Martin Luther die Weihnachtsgeschichte ins Deutsche übersetzt und auch wenn seine Bibelübersetzung in den letzten Jahrhunderten immer wieder überarbeitet und modernisiert und dem jeweils aktuellen Sprachgebrauch – immer behutsam – angepasst wurde, so ist doch der Text der Weihnachtsgeschichte fast unverändert geblieben in den letzten 500 Jahren.
Diese Worte sind alt und die Geschichte dahinter hat eine fast magische Wirkung. Sie verzaubert Menschen und weckt Gefühle und Erinnerungen. Sie nimmt mich mit in eine andere Zeit und in eine andere Welt. Eine Welt voller Gefühle und Wunder, die ich sonst in meinem modernen Alltag im 21. Jahrhundert nicht so erlebe. Eine Welt voller Sehnsucht nach heilen Kindertagen, nach einer heilen Welt. Danach, dass Gott sich unserer Welt und meinem Leben auch so ganz anders zuwenden kann, als das sonst so ist.

Denn dieses eine Mal damals in Bethlehem hat Gott in unsere Welt so direkt und so wunderbar und so dramatisch eingegriffen, wie er das sonst selten tut.
Gottes Wirken in unserer Welt, in meinem Leben – das ist spürbar und erlebbar und ich entdecke es immer wieder, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich sehr danach suchen muss.
Aber dieses eine Mal, da war Gottes Wirken nicht zu übersehen und nicht zu ignorieren. Die Hirten kamen von den Feldern und die Weisen aus der Ferne. Das Volk, das im Finstern wandelt sieht ein großes Licht (Jes 9,1). Gott ist als Mensch auf die Erde gekommen!

Ja, liebe Gemeinde, daran besteht für mich kein Zweifel. Zweifele wer will und lehne es ab wer will, aber ich weiß, dass dieses Kind damals mehr war, als ein Kind. In dieser Nacht in Bethlehem, da hat der Himmel die Erde geküsst und zwar ganz wahrhaftig.
Ich weiß nicht, ob wirklich ein großer Stern am Himmel stand und welche Wunder in dieser Nacht geschehen sind und welche nicht. Aber die Geburt dieses Kindes im Stall von Bethlehem ist eigentlich schon Wunder genug. Übertroffen wurde es nur noch vom Wunder der Auferstehung am Ostermorgen.
Es mag Leute geben, die als das als Märchen abtun und es mag Leute geben, die fragen, wie wir so etwas heute noch ernsthaft predigen können. Ich kann dazu nur sagen, dass ich nichts anderes predigen kann.
Es mag Leute geben… Es gibt aber auch Menschen, die gerne wieder an einen solchen wunderbaren Glauben glauben möchten. Die Sehnsucht haben nach etwas, was zauberhaft ist und was sich der Vernunft entzieht. Haben wir doch den Mut in Glaubensdingen auch ein bisschen Unvernunft und kindliche Naivität zu wagen. Es ist manchmal ganz heilsam.

Und es ist gut und es tut gut! Denn wer glauben kann oder glauben will, dass Gott in unserer Welt wirkt – im Kleinen und manchmal auch im richtig Großen…. Wer daran glauben will, dass Gott nicht nur ein ferner Gott im Himmel ist… Wer an einen Gott glauben will, der das Leben eines Menschen am eigenen Leib erfahren hat…
…der kann auch daran glauben, dass sich unsere Welt zum Guten ändern kann und – was ja fast noch verrückter ist – dass wir Menschen, das bewerkstelligen können.
Wer als das glauben will…
…der wird immer Wege finden, wie Menschen auf einander zugehen können.
…der wird keinen anderen Menschen aufgeben und abschreiben.
…der braucht die Hoffnung nicht aufgeben.

Lasst es Weihnachten werden – in Euren Häusern und noch viel mehr in Euren Herzen. Und nicht nur heute, sondern das ganze Jahr lang.

Und Gott lasse seinen Segen in Euch wirken, auf dass der weihnachtliche Friede bei Euch einziehe.

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