Weihnachtsmann und Christkind

Liebe Gemeinde, ich habe Ihnen heute jemanden in die Kirche geschmuggelt, der eigentlich hier so gar nicht hergehört.
Ganz unbemerkt in meinem Talar habe ich ihn bis hin zum Altar und auf die Kanzel gebracht.

Diesen kleinen roten Wichtel. Das hat jetzt nicht mit der politischen Einstellung vieler Brandenburger zu tun, es hätte auch ein Lila Weihnachtsmann sein können.

Der Weihnachtsmann hat in der Kirche eigentlich nichts verloren.
Wir feiern schließlich nicht Geschenkefest, sondern die Geburt eines Kindes.

Und doch habe ich ihn mitgebracht. Zum einen, weil ich selbst von Kindesbeinen an mich jedes Jahr neu auf den Weihnachtsmann freue und zum anderen, weil mir dieser Schokoweihnachtsmann in dieser Nacht etwas zu sagen hat.

Er flüstert mir ins Ohr: Ich gehöre hier her. Ich will auch an die Krippe. Ich gehöre dazu.
Ja, ich bin Fremd, ja, ich komme nicht aus Deutschland.

Und ich frage mich: Warum habe ich keine Angst vor dir? Du bist ein Fremder, du schimpfst, ein Sozialschmarotzer bist du auch – du arbeitest schließlich nur einen Tag im Jahr. Und von dir gibt es Millionen Exemplare.

Aber nein – jeder hat dich gern. Wir machen uns lieber Sorgen, weil 200.000 Flüchtlinge bei uns Schutz suchen. Und von denen kenn ich nur 100 von Angesicht zu Angesicht – wie viel sie von diesen kennen, weiß ich gar nicht. Wenn jeder von den 15.000 Demonstranten in Dresden, die Angst vor dem Islam haben und die Grenzen sichern wollen… wenn jeder einzelne von denen auch nur einmal in der Woche ein Gebet sprechen würde – dann müssten wir uns keine Sorge über den Untergang des christlichen Abendlandes machen.

Wir feiern Heilig Abend – das Fest der Liebe, der Familie, der Freude, des Schenkens. Besinnung und Herzschmerz. Und wir freuen uns darauf die alte Geschichte zu hören und sie dann im Krippenspiel zu sehen.

Maria und Joseph, dazu das Kind. Ochs und Esel. Schön ist es. Anheimelich. Und das ist gut so! Ich brauche immer wieder die Geschichten der Bibel- denn sie spiegeln mein Leben und meine Sehnsucht.

Sie zeigen meine Hoffnung und mein Vertrauen.

Ein Kind wird geboren – das ist doch etwas Großartiges! Auch für den, der keine Kinder hat.

Und dann hören wir die Worte: Da machte sich auf auch Joseph..
.. Wie? Der machte sich auf? Ja hat der denn kein Zuhause?

..denn sie hatten keinen anderen Platz in der Herberge …
Wie? Kein Platz? Wären sie doch einfach dort geblieben wo sie herkamen.

… und die Hirten sprachen: lasst uns gehen nach Bethlehem..
Wie? Hirten? Dieses asoziale Pack. Hirten zu biblische Zeiten waren die armen, die Säufer, die Zerlumpten. Mit sowas geben sich Maria und Joseph ab?

Wir hören heute Abend nur einen kleinen Teil der Geschichte- den scheinbar romantischen- aber sie geht weiter. Die heilige Familie muss fliehen. Sie wird vom König Herodes bedroht. Sie fliehen über die Grenze nach Ägypten. So die biblische Geschichte. Und heute denke ich mir: Gott sei Dank wurden sie dort aufgenommen. Denn sonst würden wir heute nicht hier sitzen.

Die Heilige Familie – eine Flüchtlingsfamilie, die sich mit Pack umgibt, nicht mal nen richtiges Bett hat, und dann auch noch die kostbaren Geschenke der Regierung, der Könige, mit einheimst.

Zu dieser heiligen Familie passt heute abend der Weihnachtsmann.
Ein Fremder. Einer, der in der Kirche eigentlich nichts zu suchen hat. Von mir hier rein geschmuggelt.

Und er flüstert mir zu: Fürchte dich nicht, denn dir ist der Heiland geboren.
Er flüstert mir die Worte der Engel zu. Oft hat er sie gehört. Und nun sind es seine Worte.
Fürchte dich nicht, dir ist der Heiland geboren.
Und er spricht diese Worte heute Nacht in den Sprachen der Welt.

Amen.

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