Innehalten und losgehen, hinhören und reden

Was ist, was war Weihnachten? Ist das jetzt alles gelaufen? Kommt bald der Alltag wieder, der so gar nichts zu tun hat mit dem Hochgefühl von Weihnachten, mit dicken roten Kerzen und Tannenzweigenduft?

Und wenn denn dieser Alltag wieder beginnt, bleibt da irgendetwas, außer altbackenen Plätzchen und Halb abgebrannten Kerzen? Bin ich dann froh, alles wegräumen zu dürfen oder bleibt etwas?

Ich will noch einmal hinhören:

[TEXT]

Bethlehem ist zu diesen Zeiten ein Provinznest, das nur wenigen bekannt ist. Es lebt von einer großen Vergangenheit. Heimat des Königs David. Und einer seiner verarmten Verwandten muss nun hierhin, weil der Kaiser August in Rom die Einwohner seiner Provinz Palästina zählen wollte, damit er auch genug Steuern einnehmen kann.

Und hier in Bethlehem hier in der Ecke eines Stalls passiert das Wesentliche und nur wenige lassen sich derart hinab, dort hinzugehen. Und die, die kommen sind nicht gerade die Spitzen der Gesellschaft. Hirten – Außenseiter der Gesellschaft. Und die Weisen die später vorbeikommen sind Fremde, Ausländer, die mehr wissen als die Frommen und Weisen im Land. Und obwohl sie den Palast informieren, macht sich dort keiner von den Weisen und Frommen auf den Weg. Und der Herrscher auch nur um zu morden, beiseite zu räumen das Neugeborene.

Im Zentrum der Geschichte stehen Engel, die Menschen in Bewegung versetzen. Engel sind in der Bibel vor allem Menschen, die den Willen Gottes kennen. Und die ihn weitersagen. Ich glaube, dass könnte nach Weihnachten bei mir hängen bleiben: Weihnachten findet nur statt, wenn wir weiter sagen, was Christi Geburt für uns bedeutet. Und Das Fest selber kann mir immer neu helfen, die Kraft zu gewinnen, von diesem Gott zu erzählen, der Mensch wird um uns mit seiner Liebe zu begegnen.

In unserer Geschichte wundern sich Menschen. Selig, die sich noch wundern können, auch am x-ten Mal in ihrem Leben, das sie die Krippe aufbauen, die Weihnachtsgeschichte hören, den Kitsch atmen sich die Zuwendung Gottes gefallen lassen.

Da wundern sich Menschen, weil das Heil noch in Windeln liegt, in Armut lebt. Könnte ich mich doch genauso wundern nachdem ich die Geschichte schon unzählige Male gehört und gelesen habe. Das ist mir manchmal alles zu geläufig, zu glatt. An Weihnachten kann man sich gewöhnen. Nicht nur an das gute Essen und die Geschenke. Nicht nur an die viele Zeit, die man plötzlich in Familie verbringt und die guten Wünsche – auch an die Tatsache, dass Gott Mensch wird, dass er kommt, sein Volk zu besuchen. Und wie das Essen, die Geschenke, die viele Zeit und die viele Familie dann auch mal lästig, störend werden könne, so auch diese Krippe, in der Gott liegt, dieses Kind, das der Welten Heil ist.

Ich will mich immer wieder neu anstecken lassen von der Begeisterung der Hirten, die die Botschaft hören und sich aufmachen zu sehen, was da geschehen ist. Ob sie gezweifelt haben? Wahrscheinlich. Vielleicht sogar auf dem Weg noch diskutiert Was, wenn es nun nur Einbildung war, das mit den Engeln. Ist ja auch Blödsinn. Warum sollten die Boten Gottes zu uns Randfiguren, zu uns Abschaum kommen? Aber sie gingen weiter. Vielleicht aus Neugierde, aber sicher auch, weil sie die Verheißung gehört haben ‚Euch ist heute der Heiland geboren‘.

Und sie finden ihren Heiland und bleiben doch nicht bei ihm. Sie bringen die Nachricht unter das Volk. Es wird nicht gesagt, was aus den Hirten geworden ist, auch nicht, wie die reagiert haben, denen die Hirten erzählt haben. Mich würde das ja interessieren. Das alles ist aber für das Evangelium unwichtig. Wichtig ist, dass dieses Kind in der Krippe zum Aufbruch einlädt. Es ist keine Idylle, an der man länger verweilt, wo man sich ausruht. Das Kind bringt in Bewegung. Und wo immer Weihnachten gefeiert wird, entsteht Bewegung. Menschen gehen aufeinander zu und Menschen erzählen, was dieses Kind in der Krippe für sie bedeutet.

Was auffällt: Maria spricht kein Wort – sie bewegt Worte in ihrem Herzen. Das könnte sie zum Beispiel für uns machen. Wir müssen immer neu bewahren und bewegen – nicht nur Worte, auch Inhalte. Ich muss lernen hinzuschauen: was geschieht, was bedeutet dieses Kind in der Krippe für mich und für die anderen Menschen. Und dann kann ich mit den Hirten losgehen und erzählen: Euch ist heute der Heiland geboren.

An Weihnachten gehört das zusammen: Innehalten und losgehen, hinhören und reden. Vor Allem aber gehört dazu, dass ich mir diesen wundersamen Herrn gefallen lasse, der in meinen Alltag kommt, mich zu besuchen.

Ist der Engel erst weg, geht die Sache richtig los. Menschen müssen sich auf den Weg bringen lassen – zur Krippe – und in den Alltag. Den Engel in meinem Leben muss ich ausreden lassen – und dann entscheiden wie ich damit umgehe.

drucken