Erlöse uns vom Bösen!

Liebe Schwestern und Brüder!
Im ersten Moment hört es sich grausig an, schrecklich und mit einem großen Weltuntergangsszenario begleitet, wenn der Menschensohn kommen wird.
"Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond", "den Völker auf Erden wird bange sein", "die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen" und "die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen" so, liebe Schwestern und Brüder, beschreibt der Evangelist Lukas die Wiederkunft des Herrn.
Wie gesagt, bedrohlich und Angst einflößend, mit der Stimmung des Weltuntergangs wird beschrieben, was passiert.
Aber, was passiert eigentlich? Am Ende dieses Textabschnittes heißt es:
"Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!"
Eure Erlösung naht! Das Ende ist nicht der Untergang, das Ende ist nicht das Weltgericht, das Ende ist nicht die Verzweiflung, das Ende ist nicht das Ende aller Dinge, das Ende ist nicht der Tod, nein, das Ende ist die Erlösung.
Gott verspricht uns seine Erlösung.

Was heißt das "eure Erlösung naht"?
Vieles in unserem Leben braucht Erlösung und Befreiung.
Und manches ist dann auch die endlich statt findende Loslösung und Befreiung vom Übel, brutalen Schicksal oder den schlimmen Verhältnissen und ungerechten Zuständen.

Im Vaterunser beten wir z.B. "sondern erlöse uns vom Bösen".
Das Böse in der Welt hat unterschiedliche Gesichter.
Da gibt es die böse und tödlich verlaufende Krankheit, von deren Schmerzen und Leid man erlöst werden will.
Da gibt es gesellschaftliche Strukturen, die bis ins Detail ungerecht und böse genannt werden können. Gesellschaftliche Verhältnisse, wo nur einige Wenige und korrupte Oberschichten fast alles besitzen und kontrollieren, während die Masse der Gesellschaft unterdrückt und ausgebeutet wird.
Kein Wunder das so viele Afrikaner versuchen diesen fast schon für die Ewigkeit zementierten bösen und schlimmen Zuständen zu entfliehen und sich nach Europa aufmachen.
Da gibt es den ungerechten und destruktiven Zug in der Wirtschaft, dass alle große Unternehmen heutzutage weltweit produzieren und große Gewinne und Profite einfahren, aber ihren Arbeitnehmern die Arbeitsplätze vernichten, wenn diese unprofitabel erscheinen. Produktionen und Standorte werden kurzerhand in andere Länder verlegt, wo es sich billiger produzieren lässt.
Oder da gibt es den bösen Nachbarn, mit dem der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wie der Dichter sagt.
Oder da werden Menschen, die Zivilcourage zeigen und anderen helfen wollten, wie die junge Frau Tugçe zusammen geschlagen und kommen um. Traurig ist das und zu beklagen.
Da gibt es die Arbeitskollegen, die einem das Leben schwer machen, die Mobbing betreiben, ein Wort das aus der englischen Sprache in unseren Wortschatz gekommen ist.
Da gibt es Drogen- und Waffenkriminalität mit der man viel Geld verdienen kann, auch wenn andere Menschen dadurch umkommen. Das ist böse.
Da gibt es einen schlimmen und bösen Terrorismus, der für vermeintlich höhere Ziele eine religion missbraucht und Menschen, unschuldige Menschen gnadenlos und auf brutalste mögliche Art und Weise ermordet, wie der islamistische Terror der IS-Horden es zeigt.

Es gibt viel Böses und noch mehr Erlösungsbedürftiges.
Und erlöse und vom Bösen! Herr

Der Mensch ist des Menschen Wolf, soll der Philosoph Platon gesagt haben.
Böses und Wölfe all überall?!
Und Jesus sagt:
"Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!"
Ich weiß nicht, wer von ihnen schon einmal einen Schwer- und Sterbenskranken beim Sterben begleitete. Gläubige Menschen haben bisweilen etwas weniger Angst vor auf sie zu kommenden Tod, weil sie den Tod als eine Erlösung vom Leid und Schmerz empfinden. Und weil sie mit der Gewissheit von dieser Welt gehen, dass die nächste Welt voller Erlösung und Befreiung ist.
Und nicht ohne Sinn sagt man: es war eine Erlösung für ihn oder sie. Und tatsächlich ist der Tod für viele schwerkranke Menschen eine Erlösung, weil er sie von ihren unsäglichen Leiden erlöst. Schmerzen, Verbitterung und Verzweiflung haben ein Ende. Mir erzählte vor Jahren ein erfahrener Krankenhaus- und Altenheimseelsorger, der häufig dort mit ansehen musste, wie die Menschen starben und sie im und beim Sterben begleitete und sie dann anschließend aussegnete.
Er sagte, die Menschen erheben zwar nicht ihre Häupter, aber sie starben mit der Gewissheit, dass ihre Erlösung nahte. Und die Erlösung vom Tod sähe man dann anschließend in den entspannten Gesichtszügen
Gott richtet sie aber innerlich im Sterben auf. Gott ist bei ihnen und führt sie durch das dunkle Tal des Todes zum ewigen Leben. Gott erlöst diese Menschen. Gott in Jesus Christus wird uns dereinst alle erlösen.
Ich denke, dass ist die Hoffnung und gläubige Gewissheit, die wir Christen alle haben. Unsere Erlösung naht. Und das ist die Botschaft für den heutigen Sonntag. Dies ist kein schwacher Trost oder das Greifen nach einem Strohhalm, sondern eine ganz starke Hoffnung, die unser irdisches Leben begleitet.
Nichts anderes will uns das Gleichnis vom Feigenbaum sagen. Bäume werden wieder ausschlagen, der nächste Sommer kommt bestimmt, auch wenn es momentan dunkel, kalt und düster draußen ist. Gottes Reich bricht an, manchmal schon jetzt in dieser Welt.
Bruchstückhaft ist unsere Erkenntnis und bruchstückhaft ist auch manchmal unsere Erkenntnis des Reichs Gottes. Aber so bruchstückhaft unser Leben ist, so bruchstückhaft gelingt unser Leben auch. Bruchstückhaft und ganz klein fängt das Reich Gottes an.
In meinem Herzen beginnt es und wird nach außen gekehrt.
Da gibt es so viele sog. kleine und bescheidene Menschen, die im Laufe ihres Lebens mehr für ihre Familie oder Mitmenschen tun, als manche einmalige große Tat, die einer vollbracht hat und alle bewundern.
Ich nenne diese Menschen die kleinen Wundertäter in unserem Leben. Menschen, die Taten vollbringen, die wir alle selbstverständlich hinnehmen, aber leider selten honorieren. Dazu gehören das Kochen und Reinigen unserer Mütter und Ehefrauen. dazu gehören der Trost und das liebevolle Streicheln durch unsere Mütter und Großmütter.
Dazu gehört das große und weise Herz des Großvaters.
Es gibt tausende kleine Beispiele für gelingendes und gelungenes Leben. Jeder von uns kennt solche Beispiele. Leider vergessen wir sie allzu häufig, weil wir sie zu sehr als Selbstverständlichkeiten ansehen.

Gott verspricht uns in dieser Zeit dass er bei uns ist. Er erlöst uns und seine Worte bleiben selbst dann noch, wenn Himmel und Erde vergehen.

Liebe Schwestern und Brüder, welche Zusage, welche Verheißung!
Und gerade in diesen Tagen, in der Adventszeit, warten wir auf unseren Heiland, wir warten auf unsere Erlösung, die naht.
Viele Menschen sind in dieser Zeit ja auch wirklich empfänglich für das Wort Gottes. Und es ist doch nicht nur ein Zufall, dass an Heiligabend alle Kirchen aus ihren Nähten platzen. Das liegt doch nicht nur daran, dass die Leute nichts anders zu tun hätten. Das liegt doch auch nicht nur daran, dass es traditionelle Gründe gibt, die einen in die Kirche treiben.
Tief im Inneren haben diese Menschen eine Sehnsucht nach Verständnis und Erlösung. Jeder Mensch hat die Sehnsucht nach gelingendem Leben, nach Liebe und Geborgenheit, nach Annahme ohne Vorleistung.
Und deswegen ist das Licht, auf das wir in der Adventszeit warten, Jesus Christus, in die Welt gekommen. Der Auftrag an uns lautet: Mach dich auf und werde Licht, weil das Licht kommen wird.
Und noch eines möchte ich Ihnen sagen, weil es ein Trost sein kann in Anfechtung, Trauer und Verzweiflung.
Die Herren dieser Welt kommen und gehen, und mit ihnen kommt die Verbesserung oder Verschlechterung der Verhältnisse. Mit ihnen kommt Arbeitsplatzmangel oder Weiterbeschäftigung, mit ihnen kommt eine stetige Verbesserung der persönlichen Verhältnisse oder ein kontinuierlicher Abstieg. Aber im Gegensatz zu den Herren dieser Welt und ihrem kommen und gehen, wird unser Herr kommen. Die Erlösung ist uns im Glauben gewiss, sein Reich kommt.
Und deswegen wünsche ich uns, dass wir in dieser Zeit, trotz manchem persönlichem Schicksal, unsere Häupter erheben können, weil unsere Erlösung naht.
Gott erlöse uns von dem Bösen, Ängstigenden und Verzweifelnden und mache uns frei und offen für seine Botschaft in und durch Jesus Christus, unserem Erlöser.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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