Euer Erlöser ist nahe

Liebe Gemeinde,
noch 17 Tage, dann ist Weihnachten. Dann feiern wir die Geburt Jesu in unseren Gottesdiensten. Mit Krippenspielen wird die Zeit vor unseren Augen lebendig. Wir erfahren, wie Joseph mit Maria nach Bethlehem ziehen, weil Kaiser Augustus eine Volkszählung angeordnet hat. Wir hören von der schwierigen Suche nach einer Unterkunft und dass die beiden zum Schluss nur in einem Stall unterkommen. Und wir wissen, dass Jesus dort geboren wird: In der Krippe zwischen Ochse und Esel.

Noch 17 Tage: Dann ist es wieder soweit. Bis dahin allerdings ist die Zeit gut ausgefüllt: Diverse Weihnachtsfeiern stehen auf dem Programm, Geschenke müssen gekauft werden, ich muss Weihnachtsplätzchen backen, das Haus muss geputzt und weihnachtlich geschmückt werden, ein Christbaum gekauft. So viele Aufgaben erwarten uns, dass wir darüber fast vergessen: Wir sind mitten in der Buss- und Besinnungszeit.
Wie bitte? Büßen sollen wir? In einer Zeit der Advents- und Weihnachtsmärkte, in einer Zeit von Jinglebells und Lebkuchen, von Freude und froher Erwartung?

Ja, die Adventszeit ist eine Busszeit. Da passt, was wir aus der Bibel gerade gehört haben. Das hört sich nämlich nicht freudig, sondern ganz schön schlimm an:
– Es werden böse Zeichen geschehen
– es wird den Menschen bange sein
– die Menschen werden verzagen
– die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
Das hört sich für mich wie ein Weltuntergang an. Ich komme mir vor wie bei den Zeugen Jehovas, die schon unzählige Male den Zeitpunkt des Weltuntergangs errechnet haben. Eigentlich wäre es doch zum Verzweifeln. Doch was hat das mit Advent, mit Weihnachten zu tun?

Wer derzeit die Nachrichten verfolgt, dem kann wirklich angst und bange werden: Kriege in der Ukraine und in Syrien, Unruhen in einem Großteil der arabischen Welt, Angst vor Anschlägen durch Fundamentalisten und Extremisten. Dazu kommt die Angst vor der Klimaerwärmung, bei der jetzt ein Expertenrat konstatiert hat, dass sie nicht mehr zu verhindern sei. Die Weltwirtschaft und die europäische Wirtschaft will auch nicht so, wie wir gerne wollen. Naturkatastrophen und von Menschen gemachte Unglücke nehmen zu: Steht der Weltuntergang kurz bevor? Ist unser Adventstreiben nur der Versuch, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen und stattdessen uns mit einer frohen Stimmung abzulenken?

Nein, ganz so schlimm schätze ich die Lage nicht ein. Jesus redet nicht vom Weltuntergang. Er sagt vielmehr: „Wenn das alles geschieht, dann wird der Menschensohn kommen mit Kraft und Herrlichkeit.“ Mit diesem Satz katapultiert Jesus uns mitten in die quirlige und umtriebige Adventszeit. Denn wir erwarten ja Jesus. Wir erwarten den Menschensohn, den Erlöser. Wir warten darauf, dass er endlich kommen wird. Denn er wird uns erlösen.
Sicher, wenn wir auf Jesus warten, dann warten wir auf den wiederkommenden Herrn. Wir warten nicht auf ein Baby, auf die Geburt eines Kindes, sondern vielmehr auf den, der gepredigt hat und Wunder gewirkt, der unsere Sünden trägt, der uns retten kann. Dieser Erlöser wird bestimmt kommen. Wir ahnen es. Jesus vergleicht unsere Ahnung mit Bäumen: Wie die Bäume, die bald, am Ende des Winters, anfangen werden, zu treiben und auszuschlagen, weil sie spüren, dass der Sommer im Kommen ist, so ahnen wir, dass der Herr nahe ist. Wir ahnen und erwarten den gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu unserer Rettung, auch und gerade jetzt im Advent. Denn jetzt erinnern wir uns an die Geschichte, die damals ihren Anfang genommen hat. Alles, die Predigt, die Wunder, die Rettung durch den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, wäre ja nicht möglich, wenn nicht vorher Jesus geboren wäre. Mit der Geburt Jesu nimmt also unsere unglaubliche und märchenhafte Rettung ihren Lauf. Es ist der gleiche Herr, das an Weihnachten geborene Kind, und der Auferstandene.

Darum lässt mich das, was ich in den Nachrichten höre, nicht verzweifeln. Denn ich weiß: Jesus wird kommen. Doch zugleich mache ich mir meine Gedanken.
– Ich denke darüber nach, ob mein Leben richtig verläuft.
– Ich denke darüber nach, wie ich meine Welt ein Stück weiterbringen kann.
– Ich denke darüber nach, was ich besser machen kann.
Ich warte und hoffe auf Jesus. Es ist eine Vorfreude auf Weihnachten zu spüren, gerade jetzt im Advent. Wenn ich auf Adventsmärkte oder Weihnachtsfeiern gehe, dann freue ich mich. Zugleich besinne ich mich, zünde eine Kerze an, gehe in mich. Ich weiß: Jesu Worte werden nicht vergehen. Sie bleiben bis in Ewigkeit. Die Welt wird jetzt nicht untergehen. Doch Jesus wird kommen.

Noch 17 Tage: Dann ist Weihnachten. Wir feiern die Geburt von Jesu Christi. Mit ihm hat unsere Rettung ihren Anfang genommen, er ist unser Erlöser. Darum seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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