Wegbereiter

Johannes, der Täufer ist ruhig gestellt, im Gefängnis. Herodes hatte ihn festnehmen lassen, weil er Kritik geäußert hat.

Er hat aber Verbindung zur Außenwelt und erfährt von dem Jesus, den er getauft hat und seinem Wirken. Er erfährt auch von seiner Niedrigkeit und Bescheidenheit Das interessiert ihn und er schickt BotInnen. Vielleicht ist er unsicher geworden an seiner einstigen Zuversicht. Vielleicht hatte er stärkere (politische?) Signale erwartet von diesem Messias. Vielleicht sucht er auch nur eine neue Bestätigung seiner alten Erwartung.

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Johannes der Täufer ist Leitgestalt des 3. Adventssonntag: Er ist der Wegbereiter Jesu. Er hat ihn getauft. Und nun kann er ihn nur von Weitem, vom Hörensagen begleiten.

Umso begieriger ist er interessiert, zu erfahren, was er mit den Gerüchten, die an sein Ohr dringen, machen soll. Was das alles zu bedeuten hat. Er hört Geschichten von diesem Jesus, die Mut machen, die seine Hoffnungen auf den Messias untermauern. Aber er hört auch Geschichten, die ihn irritieren, die mich – ehrlich gesagt – auch heute noch irritieren. Da ist so wenig Durchsetzungskraft, so wenig Power bei diesem Jesus. Nicht nur, dass er ohne Waffen, friedfertig auftritt, er ist auch noch stolz darauf, dass er kein Dach über dem Kopf hat und es ist insgesamt so wenig davon zu erkennen, dass mit ihm Gott seine neues Reich aufrichten will. Wie soll das funktionieren, wenn er den Herrschenden nicht endlich einmal wirklich weh tut.

Johannes wird unsicher und hakt nach: Bist Du wirklich der Verheißene, oder müssen wir weiter warten?

Ich glaube, auch Johannes hatte seine festen Vorstellungen, wie der Messias sein sollte. Und dazu gehörte auch die politische Seite. Ein Auftreten, dass die Herrschenden und das Unrecht in die Schranken wies. Eine Befreiung ohne Waffen, konnte er sich nicht vorstellen. Vielleicht auch, weil er gerade an der eigenen Person erlebte, wie hilflos der war, der Unrecht beim Namen nennt und dann der Gewalt der Mächtigeren hilflos ausgeliefert war.

Aber genau darum gehört Johannes in den Advent. Weil er nicht nur Vorläufer Jesu mit seiner Bußpredigt war. Sondern auch weil er unser Vorläufer ist mit seinen Gedanken. Uns begegnet er mit seinen Fragen in dem Advent, den wir feiern. Mitten auf unseren Märkten, bei Glühwein und Zimtwaffeln stellt er uns vor die Fragen: Worauf lohnt sich zu Warten? Und: Was erwarte ich eigentlich?

In gewissem Sinne geht es Johannes wie uns. Er sieht nicht viel, er hört Gerüchte über diesen Jesus, sein Auftreten, seine Predigten, seine Handlungen. Wir haben diese Aufzeichnungen verschriftlicht als Evangelien vorliegen. Johannes hört die Ausschnitte, die zu der Zeit schon zu hören war (also ohne Passion etc.) und ist verunsichert. Ist es nun wirklich der Sohn Gottes oder wieder so ein Scharlatan, wie es damals wohl mehrere gab. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Schau hin, hör hin und überlege, wie du mit den Gerüchten umgehst, was sie für dich bedeuten.

Ob die Antwort Jesu wirklich erhellend ist? Die Antwort ist weder Ja noch Nein. Sie ist konkret: Schau hin und beurteile, was das für dich bedeutet. Jesus legt das Urteil über ihn in die Hand derer, die nach ihm fragen. Glauben findet bei mir statt. Dass ich frage, ist der erste Schritt; aber weitere Schritte müssen folgen. Der Advent ist so eine Zeit zum Fragen und zum Schritte tun. Es ist seit alters eine Zeit des gespannten Wartens.

Natürlich gehören Zweifel zum Glauben dazu – und darum fragt Johannes. Und darum müssen wir auch immer wieder neu fragen, immer wieder die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern suchen, Gottesdienste miteinander feiern und auf sein Wort hören.

Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Das ist das, was Jesus zu sagen hat. Jesus kennen, heißt sich ärgern können. Vielleicht spürt das auch Johannes der Täufer. Er hatte sich vorgestellt, dass Jesus die Weltordnung verändert, dass er Römer und auch die israelische Oberschicht wegjagt und das Reich Gottes nur mit den Guten und Frommen errichtet, mit denen, die bereit sind Buße zu tun, und ihr Leben zu verändern.

Aber das war nicht Jesus. Und wir heute können uns auch über Jesus ärgern. Nicht weil er uns kritisiert, aber weil er mit seinem Sein unsere Gegenwart in Frage stellt. Insgesamt wird sich die Wahrheit christlichen Lebens und christlicher Gemeinde daran messen lassen müssen was Jesus von seiner Gegenwart erzählt: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.

Ich glaube tatsächlich, dass Jesus dort in seiner Gemeinde zu Hause ist, wo alles eingesetzt wird, dass Leiden gemindert wird, dass Kranken und Behinderten geholfen wird, dass Trauernde getröstet werden, dass Flüchtlinge aufgenommen werden und dass allen Menschen das Evangelium verkündet wird.

Leben im Advent ist Leben in Erwartung, aber es ist nicht einfach Leben im Wartezimmer. Es ist Leben im Hier und Jetzt und Leben in Bewegung. Ich muss die Zeichen der Zeit beachten und bedenken, was Gottes Wille mit mir ist – jetzt. Ich will genauer in meine Welt sehen und versuchen zu erkennen, was Gottes Wille in meinem Leben ist.

Wo wäre ich, wenn der Herr kommt? Beim Glühwein oder bei den Menschen, die mich brauchen?

Glaube ließ sich noch nie belegen. Es gilt darum darauf zu achten. Wie wird er gelebt und was kann mich daran bewegen.

Erzählungen können Glauben wecken, Glauben stärken und stützen. Darum bleibt es wichtig, dass wir das Evangelium erzählen in dieser Gesellschaft auch und gerade in dieser gottfernen Gesellschaft, vielleicht auch auf den Advents- und Weihnachtsmärkten, die normalerweise alles sind, aber keine Stätten christlicher Verkündigung oder gelebten Glaubens (wenn man von manchen Ständen caritativer Organisationen absieht). Ich will von dem erzählen, was mich bewegt und Gott wird seinen Segen darauf legen, dass es auch Andere bewegt.

Unsere Kerzen sind ein Zeichen adventlicher Erwartung. Aber ist es unser Leben auch?

Vielleicht gibt es ja auch ein Warten gegen den Trend. Weder warten, dass endlich Frieden wird, noch warten, dass die Politik eine Bessere wird. Aber warten, dass der Herr wiederkommt und das Meine tun, dass er eine Gemeinde vorfindet, die Glauben miteinander lebt, die manchmal vielleicht wie Johannes fragt, weil sie unsicher ist, aber dabei nie das Bewusstsein verliert, dass der Herr kommt, sein Volk zu besuchen.

Warten, dass er die Himmel aufreißt und auf Erden ein Apfelbäumchen pflanzen, ‚dass Berg und Tal grün alles werd.‘

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