Kleider machen Leute

‚Kleider machen Leute‘ Das wissen wir und kleiden uns entsprechend, wenn es zum Bewerbungsgespräch geht oder zu einer Hochzeit. Auch wenn wir im Urlaub sind, ist uns das anzusehen. Kleider machen Leute – und Gefühle. Ich fühle mich, und darum kleide ich mich. Oder manchmal kleide ich mich besonders, um meine Stimmung zu heben.

Früher haben sich Menschen zum Kirchgang dunkel und festlich angezogen, weil Kirche für sie viel mit traurigem Ernst, mit Feierlichkeit und Besonderheit zu tun hat. Das sehen wir heute teilweise anders und kleiden uns farbenfroher, auch legerer ohne in absolute Stillosigkeit zu verfallen. Gottesdienst gehört mitten ins Leben, so können wir aus der veränderten Kleiderordnung argumentieren. Er ist etwas Besonderes, aber doch eng am Alltag orientiert.

Für den Epheserbrief ist das Bild der angemessenen Kleidung eines von vielen Bildern, um die Christenmenschen seiner Zeit zu ermutigen, ihren Glauben auch zu leben. Darum schreibt er nicht nur in Kapitel 4: ‚zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit‘, sondern auch in Kapitel 5:

[Text]

Die Kleidung ist ein möglicher Anfang für ein neues Leben, aber sie bleibt nur ein Signal. Wichtiger ist mein Inneres, meine Einstellung und die Frage, welches Ziel ich im Leben habe. Die Kernfrage: Wovon ist dein Leben erfüllt – wofür ist Raum in deiner Existenz?

Da verfällt der Epheserbrief in Schwarz-Weiß-Malerei. Er stellt auf der einen Seite die Leute dar, die saufen, die ihre Erfüllung im kurzfristigen Rausch suchen, vielleicht dabei auch an bestimmten Kulten, zu denen der Rausch gehört, teilnehmen.

Auf der anderen Seite stehen die frommen Menschen die fröhlich singen und beten.

Dazu passt die Warnung: kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Oft missbraucht. Speziell dieses warnende: Es ist böse Zeit.

Dabei wissen wir doch Zeit ist wertfrei. Frage ist bleibt: was mache ich mit meiner Zeit? Wie lebe ich in meiner Zeit?

Klar: Es gibt Zeitläufe, die sind freundlicher und andere sind feindlicher. Im Moment ist die Zeit böse Zeit für Menschen in Syrien, im Irak. Aber das Zeit an sich böse sein soll?

Ich glaube, der Schreiber weiß auch ganz genau, dass jede Zeit böse Zeit sein kann. Aber er weiß auch, dass wir alle daran arbeiten können, dass auch schwere Zeiten ertragen werden und auch gute Zeiten besser werden können.

Und aus diesem Grund lädt er die Menschen ein, bewusst zu leben. Es geht nicht um das Trinken, nicht einmal um die Teilnahmen an fremden Kulten, die wahrscheinlich bei dieser Mahnung im Hintergrund steht. All das macht den Glauben schwach, wenn ich immer wieder darüber nachdenke, was ich nicht darf. All das macht böse Zeit, wenn ich nur noch Angst habe, dass mein Tun falsch und verwerflich ist.

Darum will dieser unbekannte Schreiber wohl in Nachfolge von Paulus mir Mut machen. Dass ich den Geist und sein Wirken in mir zulasse, dass ich mit den Schwestern und Brüdern höre, bete und glaube und fröhlich diesen Glauben lebe.

Lamentieren ist in jedem Fall die falsche Idee: singen, danken und loben ist dagegen die gute, richtige Idee. Ich darf mit den Geschwistern fröhlich meinen Glauben leben. Ich darf sogar fröhlich Fehler machen, mich falsch verhalten. Ich darf ich sein, solange ich nur dem Heiligen in mir Raum gebe.

Der Text beginnt mit dem Schauen: Schaut, wie ihr euer Leben gestaltet. Der Blick in den Spiegel wird gepriesen. Der Blick in den Spiegel dient nicht der eigenen Eitelkeit. Er öffnet mir vielleicht den Blick für die Wirklichkeit. Ich sehe, wer ich bin und entwickele Ehrgeiz immer schöner, immer besser zu werden. Eine Böse Zeit beginnt immer dann, wenn ich mir den klaren Blick vernebele lasse, wenn ich mir die Wirklichkeit schön saufe.

Unsere Zeit bietet ja vielerlei Patentrezepte, Gurus, die mir sagen, wie ich zur inneren Mitte finde, wie ich zur Ruhe finde. Hier werden Wege aufgezeigt, wie ich zu Gott und dem wirklichen Ziel meines Lebens finde: Indem ich mit Schwestern und Brüdern Gemeinde lebe, fröhlich feiere und mir nicht die Sicht auf das wahre Leben benebeln lasse.

Leben beginnt dort, wo ich nicht allen selbstgemachten Ideologien und Weisheiten, die die Gesellschaft dauern produziert verfalle, sondern mich auf das besinne, was Gott gemeint hat als er in Jesus Christus Mensch wurde.

Wochenspruch: ‚Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seine Schwester oder seinen Bruder liebe.

Genau darum geht es, dass wir nicht in tollen Kleidern rumlaufen, die eigentlich nur Fassade sind, sondern dass wir so leben, dass die Menschen spüren, dass wir auch in bösen Zeiten Grund haben voller Vertrauen fröhlich unser Leben zu gestalten.

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