Danken und teilen

Predigt am Erntedankfest, dem 5.10.2014
Text: Hebräer 13, 15.16

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Liebe Gemeinde!
Kindern das Erntedankfest nahe zu bringen ist nicht so schwer. In den Kindergartengottesdiensten in den letzten Wochen habe ich den Kindern etwas vom Apfelkern erzählt, aus dem ein Apfelbaum wächst. Im Moment nach den Sommerferien sind ja viele sehr kleine Kinder im Kindergarten. Da musste es ganz schlicht sein. Es wurden einfach nur Bilder vom Apfel-kern gezeigt, von Sonne, Wind und Regen, vom kleinen Keimling, vom größer werdenden Baum mit starken Zweigen, von den Früchten und von der Ernte. Das haben selbst die Kleinsten schon verstanden. Und man merkte wieder mal, dass wir uns hier auf dem Land befinden. Viele der Kinder haben einen Apfelbaum im eigenen Garten, oder die Großeltern haben einen Apfelbaum. Und es gab sogar Kinder, die stolz sagten: Wir haben mehrere Apfelbäume. Hier kennen sich die Kinder aus.

In dieser Woche habe ich mit einem Stadtpastor gesprochen. Der hielt es nicht für so wichtig, Kinder an das Erntedankfest heranzuführen. Er sagte: Das ist doch mehr oder weniger Brauchtum. Ob das den Kindern etwas für`s Leben mitgibt? Daran zweifelte er.
Ich habe da überhaupt keine Zweifel! Denn auch das Brauchtum hat einen guten Sinn. Und gerade über das Brauchtum geschieht etwas in unseren Köpfen und in unseren Herzen. Wir werden auf das Danken gestoßen.
Das ist wohl gut so. Denn wer von uns vergisst es nicht immer wieder, für alles Gute, das wir haben, Gott zu danken?

Unser Predigttext aus dem Hebräerbrief Kapitel 13 sagt:
So lasst uns nun durch Jesus Christus Gott allezeit das Lobopfer darbrin-gen. Das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Die Predigttexte sind ja von einer Kommission in den 50er Jahren festge-legt worden. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass diese Kommission rich-tig Spaß daran hatte, ausgerechnet diesen Predigttext für Erntedank zu wählen. Ist das nicht ein wunderbares Wortspiel, dieser Satz: Das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Wir sehen die Früchte im Altarraum vor uns und stellen den Bezug her zu den Früchten unserer Lip-pen. Ich glaube, die Konfirmanden würden das gerne in Bildern malen: Die Früchte unserer Lippen. Und gerade das sind die Früchte: Wenn wir Gottes Namen bekennen, wenn wir danken und ihn loben.
Das tun wir ja heute im Gottesdienst: Wir bekennen Gottes Namen. Wir haben eben das Glaubensbekenntnis gesprochen. Wir haben Gott schon im Gebet gedankt. Der Ev. Singkreis hat bereits Gott sein Loblied gesungen. Und auch wir haben gesungen und im Psalm 104 Gottes Lob ausgespro-chen. Im Tun wächst unser Glaube. Sie spüren es vielleicht auch in Ihren Herzen: Den Dank und die Freude , dass Gott hier bei uns ist. Mir ging das Herz auf, als wir feierlich in die Kirche eingezogen sind und die Krone aufgehängt wurde, als der Singkreis gesungen hat und wir im wunderbar geschmückten Altarraum standen und eben gerade bei dem Lied „Wir pflügen und wir streuen“. Da kommt das Danken von ganz allein.

Heute danken wir für die gute Ernte. In den Statistiken, die man über Ern-teerträge lesen kann, steht, dass die Zahlen für Deutschland immer mehr in die Höhe gehen. Noch mehr und noch mehr. Beim Weizen gäbe es schon das Problem, dass die Qualität auf Kosten der Quantität gehen würde. Und natürlich leiden die Preise. Unsere Landwirte müssen mit Rahmenbedingungen zurecht kommen, die ihnen oft genug das Leben schwer machen. Können wir eigentlich unbefangen danken, wenn wir diese Probleme sehen?

Ich denke, diese Frage beschäftigt uns für unser Leben insgesamt. Ja, für manches würden wir wohl danken, aber …..Ich danke, aber….Da gibt es so vieles, das dem Danken entgegen steht. Es ist eben nicht alles gut. Ist das Danken nicht zu naiv? Sind Menschen, die danken, unrealistisch?
Nein, das sind sie nicht. Vielleicht kann man sagen: Sie sind gläubig. Sie sehen Gott in allen Dingen, im Guten wie im Schweren. Sie nehmen wahr, dass ihr ganzes Leben nicht vom eigenen Tun und Willen abhängig ist, sondern dass es in Gottes Hand liegt.

Im Internet gibt es eine Seite der EKD, der Evangelischen Kirche Deutschlands. Dort steht zu Erntedank zu lesen: Das Fest soll deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Denn der Mensch ist der Bibel zufolge selbst Teil der Schöpfung.
Wir sind Teil der Schöpfung. Wir verdanken unser Leben Gott.

Im Predigttext heißt es: So lasst uns durch Jesus Christus allezeit das Lob-opfer darbringen. Durch Jesus Christus. Er ist einen schweren Weg gegan-gen, einen Leidensweg bis ans Kreuz. Wenn wir das nachvollziehen, durch Jesus Christus das Lobopfer zu bringen. Dann heißt das eben auch: in al-lem, was uns belastet, auch im Leidvollen das Danken zu üben. Allezeit, sagt der Predigttext.

Und noch etwas gibt uns der Predigttext mit auf den Weg: Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. Am Ausgang sammeln wir die Kollekte für „Brot für die Welt“. Das ist unser Weg heute, mit anderen zu teilen. Im Advent machen wir mit Kon-firmanden die deutschlandweite Aktion „5000 Brote“. Zusammen mit den Wiefelsteder Bäckern backen Konfirmanden Brote und verkaufen sie bei „Us dörp vor wienachten“ zugunsten von „Brot für die Welt“. Danken und teilen gehört zusammen.

Diese Einstellung „Danken und teilen“- das ist wirklich eine Lebensein-stellung. Die hängt nicht unbedingt davon ab, ob jemand ganz viel Geld hat oder ob jemand nach von außen gesehen nur Glück hat, ob er oder sie mit der großen Liebe zusammen lebt, gesund ist, ohne Sorgen, in guter Arbeit, mit zufriedenen Kindern, in Freiheit. Das allein ist es auf keinen Fall! Danken und teilen- das können Menschen in jeder Lebenssituation.
Die Helfer, die jetzt nach Afrika gehen und die Ebola-Kranken versorgen, die gehören wohl zu denjenigen, die danken und teilen. Jetzt bei den Fei-ern zur Deutschen Einheit hört man Geschichten von Menschen, die nach dem Motto „Danken und teilen“ gelebt haben.

Vom Materiellen gesehen klagen wir manchmal auf hohem Niveau: die Landwirtschaft und die Kirche auch. Und trotzdem müssen wir auch gut wirtschaften. Es wäre sicher unklug, nicht auch für die eigene Zukunft zu sorgen.

Danken und teilen: Das ist kein naives Rezept. Jeder muss es für sich selbst deuten und umsetzen.
Der Weg beginnt mit dem Danken. Amen.

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