Der Glaube ist mein Ding!

Liebe Gemeinde,
zwei Mädchen steigen in einen Linienbus. Eines trägt einen Button an der Jacke mit der Aufschrift: „Jesus lebt“. Jemand spottet: „Mit dem Quatsch bin ich fertig“. Der Nachbar antwortet dem Spötter: „Sie denken, Sie brauchen das nicht. Ich brauche es.“ Der Erste fühlte sich im Oberwasser und setzt eins drauf: „Man muss eben Halt in sich selbst haben.“ Darauf antwortete der Zweite: „Das können sie gleich mal zeigen. In der nächsten Kurve halten Sie sich dann an Ihrer Krawatte fest.“

2„Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ Wir wissen das nur zu genau, wir erfahren es täglich! Hören wir dazu das heutige Predigtwort aus dem 2. Thessalonicherbrief 3, 1-5.

Seltsam verschlungen klingt dieses Wort in unseren Ohren. 2„Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“, wieso eigentlich nicht? Das Beispiel aus dem Bus macht es offensichtlich. Wer sich nicht an etwas „von außen“, hier die Haltestange oder Gott, festhält, wird stürzen. Ist doch einleuchtend, oder? Auch wir Glaubenden fallen oft. Tod und Krankheit, Ängste und Versagen treffen uns genauso, wie den Atheisten. Warum dann also glauben?

Neulich las ich in einer regionalen Tageszeitung ein Interview. Ein Verfechter des „neuen Humanismus“ stellte dar, das christlicher Glaube als veraltet und überholt anzusehen sei. Wir seien nur ein Zufallsprodukt der Evolution, nichts weiter als „nackte Affen“. Ist das der Ausweg? Sollten wir uns befreien von all dem Glaubensballast und der reinen Wahrheit ins Gesicht sehen?

Gedankenwechsel:
Ein Junge von acht Jahren fiel beim Spielen in einen tiefen Schacht. Dieser war nur sechzig Zentimeter breit. Verwirrung, Panik, Menschen die hin- und her rannten. Geschrei, Rufe, Männer kamen mit Leitern, Schaufeln und Stricken. Einer wollte einen Bagger holen, um direkt neben dem Schacht einen neuen Schacht zu graben. Sie horchten in das Loch, ob das Kind noch lebte.

Die einzigen, die bei all diesem Geschrei und Gerenne ruhig blieben, waren die Eltern des Jungen. Als sie zum Schacht kamen, wurde es ganz still. Alle sahen, wie der Vater sich über die Öffnung beugte. Im selben Augenblick ertönte von unten ein herzzerreißendes Geschrei. Sein Sohn lebte also noch. Als der Vater sich über den Schacht beugt, wurde es dunkel im Loch. Dadurch geriet der Junge in große Panik.

Da sagte der Vater: „Keine Angst! Wenn es dunkel wird, bin ich es!“ Das Geschrei verstummte und der Vater gab seinem Sohn sorgfältig Anweisungen. Er lies ein langes Seil hinunter und erklärte seinem Sohn wie er es um den Brustkorb und unter den Achseln befestigen sollte. Dann begann er behutsam zu ziehen. Wenig später war sein Sohn gerettet!

Später erzählte der Junge: „Er hatte keinen Augenblick mehr Angst. Auch nicht, als es noch mehrmals dunkel wurde im Schacht. Jedes Mal wenn das passierte, fiel ihm ein was sein Vater sagte. „Wenn es dunkel wird, bin ich es.“

Liebe Gemeinde, ich bin absolut überzeugt. In dieser Geschichte liegt eine Antwort auf das Wirken Gottes in unserer Welt. Festhalten und beharrlich bleiben wenn es „dunkel“ wird. Gerade wir wissen, dass es unser Vater ist. Er beugt sich über uns. 3„Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ heißt es im Text.

Martin Luther sagte: „das ist eigentlich des Glaubens Natur, dass er seine Kraft in Furcht, im Tode, in Sünden und allem, was einen Menschen blöde und verzagt machet, beweiset.“ Der Glaube ist ein Geschenk GOTTES! Nichts kann ihn machen oder herstellen.

5„Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.“ Wie soll ich eine solch komplizierte Aussage erklären? Ein Abgrenzen von Ursache und Wirkung ist hier unmöglich. Den „neuen Humanisten“ wird missfallen, so zu denken. Sie werden darüber lachen, wie die erste Person im Linienbus.

Wir haben keine Wege, es ihnen zu erklären. Wir haben keine Möglichkeiten, es ihnen zu beweisen. Gott darzustellen ist uns unmöglich. Die Fähigkeiten unseres Verstandes sind dafür unzureichend.

Ein weiterer, im Predigttext angerissener, Aspekt kommt hinzu. 1„Betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde.“ Nochmals äußert sich Martin Luther: „Was ist der Glaube anders als eitel Gebet? Denn er versiehet sich göttlicher Gnaden ohne Unterlass. Versiehet er sich aber ihrer, so begehrt er ihrer von ganzem Herzen. Und das Begehren ist das eigentliche Gebet.“

Hierzu eine nachdenkliche Geschichte: Ein Priester besuchte einen Kranken in seiner Wohnung. An der Seite des Bettes bemerkte er einen leeren Stuhl und fragte, warum er dort stünde. Der Kranke antwortete: „Ich hatte Jesus eingeladen, auf diesem Stuhl Platz zu nehmen. Ich sprach mit ihm, bevor Sie kamen.

Jahrelang fiel es mir schwer zu beten. Ein Freund erklärte mir, dass das Gebet ein Gespräch mit Jesus sei. Er riet mir, einen leeren Stuhl neben mich zu stellen. Dann sollte ich mir vorzustellen Jesus säße darauf. Ich sollte mit Jesus sprechen und seinen Worten zuhören. Seitdem habe ich keine Schwierigkeiten mehr beim Gebet."

Einige Tage später kam die Tochter des Kranken zum Priester. Sie berichtete, dass ihr Vater gestorben sei. Sie sagte: „Ich ließ ihn ein paar Stunden allein. Er schien so friedlich zu sein. Als ich zurückkehrte, war er tot. Nach dem ersten Moment bemerkte ich etwas Eigentümliches: Sein Kopf lag nicht auf dem Bett, sondern auf dem Stuhl neben seinem Bett.“

So kommt beides zusammen, ist beides miteinander verknüpft: der Glaube und das Gebet. Wie ein Merksatz zwischen diesen beiden Teilen steht die Zusage, dass GOTT treu ist. Dass GOTT stärken und bewahren wird vor dem Bösen.

Luther betonte es ganz individuell: „Der Glaube soll so gestaltet sein, dass ein jeglicher die Auferstehung des Herrn Jesu Christi sich zu eigen mache; nämlich dass es nicht genug sei allein zu glauben, dass er von den Toten auferstanden sei; denn davon folgt weder Friede noch Freude, weder Kraft noch Macht. Darum musst du also glauben, dass er auferstanden sei um deinetwillen, dir zugute und nicht um seiner selbst willen in die Ehre gesetzt sei, sondern dass er dir und allen, so an ihn glauben, helfe und dass durch seine Auferstehung Sünde, Tod und Hölle überwunden und solcher Sieg dir geschenkt sei.“

Dies ist die Bewahrung zum ewigen Leben. Die Zusage, dass dein eigenes Leben heil werden wird vor diesem Gott. Alles, was sich dir selbst entfremdet wird dich verlassen. Deine dunklen Seiten, dein Leid, deine Krankheit, dein Versagen, deine Sünde. Dass du vor Gott trittst als vollwertiger Mensch. So, wie du einst von ihm erdacht warst. Dadurch hat dein Leben einen Sinn, du bist geliebt.

Wir sind Sonntag für Sonntag hier, um uns daran zu erinnern. Unseren Glauben zu stärken. Die Geschichte von Christus Jesus zu hören und daraus Mut zu schöpfen. Uns zu motivieren weiter zu machen, beharrlich zu bleiben. Wir stellen uns gegen die Widrigkeiten des Bösen und der falschen Menschen.

Ein Pfarrer hat mit seinen Konfirmanden eine Umfrage gemacht. Die Gottesdienstbesucher wurden gefragt, warum sie in den Gottesdienst kämen. Ein älterer Mann antwortete: „Ja, warum komme ich eigentlich her? Vieles bekomme ich nicht mehr mit. Ich bin nämlich schwerhörig. Warum ich komme?… Wenn ihr es genau wissen wollt: Ich gehe euretwegen in die Kirche!“

„Unseretwegen?“, fragten die Konfirmanden verdutzt zurück. „Wieso unseretwegen? Wollen sie aufpassen, dass wir keinen Quatsch machen?“ „Nein, deshalb nicht, sondern ihr sollt nicht in einer leeren Kirche sitzen. Ich bin Teil der Gemeinde und die sollte auch da sein, wenn ihr hier her kommt.

Ihr sollt mit unserer Gemeinde vertrauter und in ihr heimisch werden. Wer würde den sonst mit euch die Lieder singen? Wer spräche mit euch das Glaubensbekenntnis. Und wer würde mit euch beten und glauben?“ Dieser Antwort war für die Konfirmanden völlig unerwartet. Jemand kommt ihretwegen zum Gottesdienst! Sie berichteten: „Letzten Sonntag saß er wieder da, Unseretwegen!“

Und so lautete der Text vorhin:
„Weiter, liebe Geschwister, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.“

Der Friede Gottes, der allein diese Welt zu retten vermag; sowie der Glaube, der unser Dings ist; bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Mark Meinhard in Hiltpoltstein.)

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