Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, das man lässt

Heute ist Parkfest, das zentrale Fest hier im Ort. Der Sinn von Festen besteht ja nicht einfach nur darin, Geld einzunehmen. Der vielleicht höhere Sinn ist Begegnung. Vielleicht noch mehr das Wie von Begegnungen zu gestalten. Dass Menschen sich begegnen, dass Menschen miteinander reden und auf einander zugehen. Dass sie im Umgang miteinander erfahren, was hilft.

Davon redet auch der Apostel Paulus:

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Eigentlich will er die Gemeinde in Rom nur daran erinnern, dass sie getauft sind. Und ihnen sagen, dass damit eine wesentliche Entscheidung in ihrem Leben gefallen ist. Gott hat bei ihnen bereits gegen das Böse gewonnen. Aber dieser Satz muss auch etwas mit ihrem Leben zu tun haben. Und es ist ihre Entscheidung, diesen Sieg täglich neu zu bestätigen.

Es ist auch unsere Entscheidung, ob unsere Taufe Bedeutung hat für unser Leben, unsere Entscheidung, was im Leben wichtig ist – unsere ganz eigene Entscheidung, für die wir Verantwortung tragen. Das ist manchmal anstrengend.

Es fällt uns schwer, Böses nicht mit Bösem zu vergelten. Still zu halten, wenn ich gekränkt werde, die andere Backe hinzuhalten wo mich jemand schlägt. Es ist schwer auszusteigen aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt nicht nur in Israel oder im Irak. Im alltäglichen Umgang miteinander, im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz in der Schule und in der Nachbarschaft gilt die Regel ‚Nichts gefallen lassen‘.

Aber bevor ich meine Entscheidungen treffe gilt: Ich muss zugeben, dass ich Feinde habe, Menschen, die mir Böses wünschen und denen ich Böses wünsche. Erst dann kann ich lernen, damit umzugehen. Kann ich lernen auf das Ausleben dieser Gefühle zu verzichten, um Frieden zu leben. Vielleicht muss ich ein Leben lang dran arbeiten. Immer wieder neu trainieren, wenn Andere mich kränken, mich beleidigen, nicht hinhören, aushalten.

Ethik ist gefragt in unserer Gesellschaft. Die Frage ‚Wie verhalte ich mich richtig?‘ stellen Menschen immer wieder. Allerdings so habe ich den Eindruck nur theoretisch. Da wird dann auch gerne nach Weisungen vom Dalai Lama oder vom Papst gefragt. Aber wirklich wissen und beachten – wer will das schon?

Es gibt das Böse – und ich muss meine Entscheidung finden, wie ich damit umgehen will. Ich muss lernen, das Böse ernst zu nehmen, auch als eine Macht in mir, als einen Teil von mir. Erst wenn ich zugebe, dass ich auch nicht immer so bin, wie ich mir das vorstelle, kann ich in die Offensive gehen, das Böse bei mir und Anderen bekämpfen. Das Böse sind dann nämlich nicht nur die Anderen.

‚Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.‘ Was heißt das konkret, wenn ich an Isis, Boko Haram und all die anderen Terrorgruppen denke? Was bedeutet es, wenn ich an NSU oder NSA denke, zwei westliche Terrorgruppen. Ist es wirklich immer so einfach, das Böse zu brandmarken? Oder wie oft möchte ich gewaltvoll dreinschlagen, auch wenn die Bibel immer wieder sagt ‚Mein ist die Rache, spricht der Herr‘. Würde ich das dem Herrn nicht viel lieber abnehmen, weil ich doch weiß, was Böse ist und wie man es bekämpft.

Wilhelm Busch hat dazu gesagt: ‚Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, das man lässt.‘ (die fromme Helene). Vielleicht ein neuer Ansatz, dass ich hinschaue, wo ich sein lasse, was nicht in Ordnung ist, dass ich lerne mit Menschen gut umzugehen.

Und dass ich von Jesus lerne, Feindinnen und Feinde zu lieben. Denn auch dieser Satz steht fest: Wer Feindesliebe als Spinnerei abtut, sollte wenigstens so ehrlich sein, zuzugeben, dass er damit auch Jesus als Spinner abtut.

Mit meinem Leben kann ich den Herrn preisen, mit meinem Leben ihn als Spinner abtun. Er bleibt bei mir.

Darum darf ich im Frieden Gottes meine Wege gehen.

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