Keine lebenslange Strafe

Es gibt Sprichwörter und Vorstellungen, die halten sich hartnäckig. Das war schon im alten Israel so. Und das wird kritisiert vom Propheten Ezechiel. Trotzdem hat sich der Gedanke dieses Sprichwortes bis heute gehalten. Der Gedanke; dass Kinder und Nachkommen für die Fehler ihrer Vorfahren büßen müssen.
Aber hören sie selbst:

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Relativ oft müssen Kinder ausbaden, was die Eltern verbockt haben oder nicht verbockt haben. Sie bleiben auf den Altlasten hocken. Egal ob es um Giftmüll in Heinitz geht oder um den schlechten Ruf einer Familie oder den geerbten Streit.

Eine uralte Menschheitserfahrung wird hier vom Propheten Ezechiel zitiert. Das, was wir heute tun, hat Folgen für die Menschen, die nach uns kommen. Der Zusammenhang ist uns aus der Ökologie bekannt, aber auch aus dem Umgang mit unseren Kindern. Wir prägen unsere Kinder – wir müssen sie prägen, weil wir ihnen ja auch zum Leben helfen sollen und ahnen manchmal: An manchem Erbe werden sie schwer zu tragen haben.

Und Gott spricht durch den Propheten: es gibt keine lebenslange Strafe. Mag sein, dass Menschen da etwas nachtragender sind. Aber Gott gibt den Menschen immer wieder eine neue Chance zum Neuanfang. Er sieht in jedem Menschen die Chancen zum Guten. Es ist wie im Gleichnis von dem Vater mit den beiden Söhnen: Gottes Güte ist genauso ungerecht. Darum ist sie auch manchmal schwer zu ertragen. Wenn ich mich fühle wie der Mensch, der das getan hat, was zu tun war, seinem Vater immer geholfen hat – und der dann plötzlich miterlebt, wenn der Andere wieder heimkommt und darum ein Fest gefeiert wird.

Aber wenn ich die Perspektive wechsle und daran denke, wie oft ich nur meinen Vorteil gesucht habe, meinen Spaß und meine Events. Und mir vorstelle, das spielt alles keine Rolle mehr. Gott sieht in mir das Gute, die Möglichkeiten, die ich habe zu lieben und zu helfen. Er feiert ein fest, weil ich mit ihm rede. Das tut gut.

Davon redet Ezechiel.

Kernsatz: ‚Bekehrt euch und ihr werdet leben.‘ Das ist das Ziel der Verkündigung der Propheten von Johannes dem Täufer und von Jesus, dass die Menschen ihren Weg finden, das Leben zu meistern mit allen seinen Klippen und Hindernissen. Und dass sie ihren Weg im Vertrauen auf Gott gehen.

Umkehr heißt, dass ich damit rechne auf dem falschen Weg zu sein, die falsche Meinung zu vertreten. Umkehr heißt, dass ich zugebe, dass mein Weg nicht zum Ziel führt, sondern in die Irre.

Weil Gott der Herr des Lebens ist und weil er eine Geschichte mit den Seinen hat, kann ich zugeben, dass ich nicht immer Recht habe und nicht immer auf gutem Wege bin. Trotzdem darf ich mit der Liebe rechnen.

Gott hat eben kein Wohlgefallen, wenn Menschen verderben. Das gilt auch für die, die wir als Abschaum empfinden. Er hat Gefallen dort, wo Menschen umkehren zu einem neuen Herzen und einem neuen Geist.

Gerechtigkeit ist nichts, was Menschen schaffen können. Wir versuchen es immer wieder und müssen dann realisieren, dass wir grandios scheitern. Schon bei dem Versuch zwei Kindern in allen Lebenslagen gerecht zu werden.

Wir werden es nie schaffen Gerechtigkeit zu machen, die wirklich befriedigend ist. Aber wir dürfen hoffen auf den Gott, der uns Gerechtigkeit schenken will und dürfen so tun, als könnten wir sie schaffen, um uns ihr anzunähern.

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