Jetzt geht’s los! WM 2014 und Trinität

Liebe Schwestern und Brüder!
Jetzt geht’s los bzw. seit zwei Tagen läuft sie, die Fußball WM 2014 in Brasilien.
Und über kein Thema kann man, neben dem Wetter, so gut Small-Talk halten oder hitzige Debatten führen wie über Fußball.
Wenn die Nationalmannschaft spielt, dann gibt es fast 80 Millionen Nationaltrainer, die fast alles besser wissen als Jogi Löw, der mit aller „högschder“ Konzentration auf den Endspielsieg des deutschen Teams hinarbeitet. Deutschland ist eine Turniermannschaft. Deutschland gewann dreimal die Fußballweltmeisterschaft: 1954, 1974 und 1990. Deutschland ist eine Macht im Weltfußball. Und wir erwarten viel von unseren Spielern, den Besten der Besten und fußballerischen Elite unseres fußballverrückten Landes.
Wenn es gut läuft bzw. laufen sollte, dann sind sie alle Fußballgötter oder Titanen, die sich beim Spielbeginn in einem christlichen Ritual bekreuzigen oder mit der muslimischen Gebetsgeste der offenen Hände zu Gott um Beistand und den Sieg beten.
Wenn sie verlieren, dann sind sie "Loser" oder die armen Opfer dämonischer Gegner, die mit teuflischen Tricks und Fouls regelwidrig gewannen. Beim Tor und Sieg himmelhoch jauchzend und bei der Niederlage zu Tode betrübt.
Kaum ein Mannschaftspiel fasziniert die Massen weltweit so extrem wie Fußball. Kaum ein Spiel provoziert so viel Emotionen und Reaktionen wie dieses von den Engländern erfundene Ballspiel sowohl bei Spielern als auch bei Zuschauern.
Kaum ein Spiel hat so viele quasi-religiöse Elemente bei der öffentlichen Ausübung im Stadium wie die feierliche Ausübung von Gottesdiensten in Kirchen oder Kathedralen.
Fußball und Religion haben sehr viel gemeinsam.
In Stadien werden Lieder, Schlachtgesänge gesungen. Menschen identifizieren sich bis in Mark und Bein und mit Haut und Haaren mit ihren Mannschaften. Es werden inbrünstig Nationalhymnen und Vereinsgesänge von den im Alltag manchmal schlechtesten Sängern geschmettert. Ähnlich wie der Gesang zum Kirchenlied. Es gibt gut und böse und den Wettkampf um den Sieg gegenüber dem Gegner. Und natürlich ist meine Mannschaft besser als deine oder reicher oder wichtiger oder erfolgreicher oder mit den besseren Spielern ausgestattet. Hier bei mir und in meiner Mannschaft sind die besseren Panini-Bilder des Lebens.
Die Fußballwelt wird mit Geld regiert (allein die FIFA soll 4 Milliarden Euro mit der weltweiten Übertragung der Spiele verdient haben) und es werden horrende Summen für Top-Spieler, Fußballgötter und internationale Ikonen wie Christiano Ronaldo (CR7) bezahlt, um sie spielen zu sehen.
Und obwohl die FIFA ist eine teilweise hochrangig korrupte Funktionärskaste ist, die sich bestechen lässt und Geld annimmt, um Rechte und Spiele zu verkaufen, wird fanatisch geschaut.
Das alles wissen wir. Und wir lieben das Spiel trotzdem. In dieser Zeit und momentan ist es eine der schönsten und wichtigsten Nebensachen der Welt, die uns zur inneren und emotionalen Hauptsache des Lebens und Alltags wird.
Wir freuen uns auf die Spiele und fiebern mit den Kroaten, die sich respektabel in ihrer Niederlage gegen den Gastgeber Brasilien zur Wehr setzten und auch durch extrem schlechte Schiedsrichterentscheidungen das Spiel 1:3 verloren.
Respekteinflößend und neidlos anerkennend war auch der grandiose Sieg der Holländer mit 5:1 gegen die Spanier. Alle Achtung!
Die sind richtig gut und schwer zu schlagen in dieser Form, die Holländer.

Doch auf was kommt es im wirklichen Leben und auch beim Fußballspiel an?!

Drei Worte stehen im trinitarischen Kanzelgruß:
Gnade Jesu Christi –Liebe Gottes – Gemeinschaft des Hl. Geistes.

Manches hat der alte Kanzelgruß, den Paulus vor 2000 Jahren der Gemeinde in Korinth schrieb, mit der Realität und Wirklichkeit eines modernen Fußballspiels und dessen Attraktivität gemeinsam und manches unterscheidet sich auch davon:

Stichwort Gnade:
Es ist eine Gnade und außergewöhnliche Begabung und fast schon Charisma, wenn ich vom lieben Gott solch eine Begabung mitbekommen habe, dass ich davon jahrelang und mit dem nötigen Trainingseifer und der professionellen Einstellung zum Gefallen vieler ein Spiel ausüben darf. Nur ein Spiel, das so viel Freude, Ablenkung vom Alltag und Emotionen quer durch alle soziale Schichten und familiäre Herkunft schafft wie Fußball.
Es ist eine Gnade und ich kann dankbar dafür sein, dass ich in meinem persönlichen Leben und in meiner religiösen Praxis diese segnende Gnade erlebe und spüre: In Freude, in Gesundheit, mit materiellem Wohlstand, in Dankbarkeit für die Liebe und Gemeinschaft, die mich trägt. Dankbarkeit, Demut und Toleranz Bescheidenheit können als Ergebnisse dieser Gnade angenommen werden.
Auch ist es Gnade, dass ich meine persönlichen und beruflichen Lebensumstände, nicht den professionellen, gnadenlosen und kommerziellen Mechanismen des Fußballs unterordnen muss, sondern auch einfach so spielen darf. So wie es meine Begabung oder Gnadengabe mit sich bringt. Jeder an seinem Ort.

Stichwort Liebe:
So wie ich dieses Spiel liebe und diese Liebe mit Milliarden Menschen auf der ganzen Erde und auf allen Kontinenten teile, so wie wir unsere Familien und Freunde lieben, so fühle ich mich von Gott geliebt.
Als sein Geschöpf, geschaffen um Liebe zu geben und zu empfangen. Auf dieser Welt lebend, um zu teilen, nicht nur Freude und Interessen, sondern auch das Leben und Solidarität zu üben.
Die Liebe Gottes ist universal und grenzenlos. Und sie gilt für alle Menschen, für die ganze Schöpfung, für Mensch und Tier und Natur.
Und daraus resultiert für mich auch Verantwortung für Gerechtigkeit, Toleranz und lebenswerte gesellschaftliche Bedingungen für meinen Nächsten, auch für die Fernen der Nächsten.
Auch Fußball, das Spiel des Lebens hat etwas Universales und Grenzenloses in seiner Einmaligkeit.

Stichwort Gemeinschaft:
Elf Freunde sollt ihr sein. Ein Team. Eine Mannschaft, in der jeder für jeden alles gibt. Ihr braucht Team-Spirit und Team-Geist, um die Höhen und Tiefen, des Spiels und des Lebens zu verkraften.
Brüder und Schwestern, nicht im biologischen Sinn, sondern im geistig-geistlichen Sinn sollt ihr sein, inspiriert vom Geist Gottes Gutes zu tun und das Leben und die Gemeinschaft zu fördern.
Mit innerlichem Einsatz, Engagement, Hilfe, Unterstützung, auch der Fähigkeit zur Solidarität und mit der tiefen Gewissheit und Gelassenheit ausgestattet, dass wer so agiert und lebt, eine große Saat der Freude und Gemeinschaftserfahrung unter und mit den Mitmenschen erlebt, ob als Christ in der Gesellschaft oder auch ganz weltlich und quasi-religiös als Fußballfan im und für den Sportverein.

Und was passiert dann?!

Das , was Paulus sagt:
[11] Zuletzt, liebe Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
[12] Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen.
[13] Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Also auf geht’s und los geht’s.
Amen.

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