Die drei Aggregatzustände Gottes

[Anmerkung: Zur Vorbereitung muss man oder frau sich eine Eisplatte einfrieren, und am besten einen Campingkocher bereitstellen, um das Wasser im Kessel oder in einer Glaskanne zum Kochen zu bringen. Ich benutze einen Pfeifkessel.]

Liebe Gemeinde,

heute nun geht die Geschichte von Pfingsten weiter. Nicht nur, weil heute der zweite Pfingstfeiertag ist, der Pfingstmontag, nein, die Geschichte von Pfingsten geht heute weiter, weil auch der für heute vorgeschlagene Predigttext direkt an den Teil aus der Apostelgeschichte anschließt, der gestern von der Pfingstgeschichte gelesen worden ist.

Gestern wurde davon berichtet, dass die Jünger am ersten Pfingsttag beisammen waren. Sie saßen zusammen und ließen die Köpfe hängen, denn irgendwie war ihnen ihre Zukunft abhanden gekommen. Erst war es ja toll gewesen mit Jesus durch das Land zu wandern. Die Menschen jubelten ihm zu, er hatte große Dinge vollbracht; Kranke wurden in seiner Nähe gesund, und die Menschen hörten ihm gerne zu, wenn er von Gottes Reich sprach. Nun und die Jünger, sie waren ja sein engsten Mitarbeiter, sie hatten sich natürlich schon den einen oder anderen Posten ausgemalt, den sie in diesem neuen Reich ergattern wollten.

Doch dann kam alles anders. Die gleiche Menge, die Jesus zugejubelt hatte, als er auf einen Esel in Jerusalem hereingeritten kam, die gleiche Menschenmenge wollte ihn nur noch sterben sehen. Kreuzige ihn, kreuzige ihn, so forderten sie von Pontius Pilatus. Dann ist Jesus gekreuzigt worden und alles schien verloren, doch dann ist er nach drei Tagen wieder auferstanden. Die Frauen hatten als erste davon berichtet, ihnen war er zunächst erschienen und dann allen Jüngern. Da hatten sie wieder Hoffnung geschöpft, doch nicht lange. Kaum hatten sie sich wieder Vertrauen dazu gefasst, dass er wieder da sei, da war er auch schon wieder weg. Einfach so, vor ihren Augen verschwunden. Noch einmal würde er wohl nicht zurückkommen. Angst und Trauer hatte sie nun wieder im Griff.

Doch das blieb nicht so, denn Pfingsten kam der, den Jesus angekündigt hatte. Pfingsten kam der Geist zu ihnen. Wie Zungen von Feuer sah es aus, ja als ob sich solche Feuerzungen auf jede und auf jeden einzelnen der dort versammelten gelegt habe, sah es aus. Und das etwas geschehen war, das war an der Veränderung zu merken, die plötzlich einsetzte. Petrus stand als erster auf, ging auf die Tür zu, öffnete sie und trat ins Freie. Die Menschen die dort standen waren nun ihrerseits erschrocken, denn sie hatten zwar das Brausen aus der Distanz mitbekommen, doch von dem Geist, der auf die drinnen versammelten gekommen war, haben sie nichts gemerkt. Petrus, gestärkt und ermutigt durch diesen Geist, der auf ihn und die anderen Jüngerinnen und Jünger gekommen war, erklärte Ihnen nun, was es mit diesem Jesus, der vor einiger Zeit hier vor den Toren Jerusalems hingerichtet worden war, auf sich hatte. Da setzt der für heute vorgeschlagene Predigttext ein.

Petrus sagte: "Ihr Männer und Frauen von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst, diesen Mann habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir Zeugen. Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört."

Dies und noch einige Verse mehr haben wir bereits in der Epistellesung gehört. Und wenn wir mal zusammenfassen, dann können wir sagen, jetzt sind sie alle drei zusammen. Gott, der durch Jesus die Wunder und Zeichen getan hat. Jesus, in dem und durch den diese göttlichen Wunder und Zeichen für die Menschen erfahrbar wurden Und der Heilige Geist, von Gott gekommen ausgegossen über die Jünger. Also die drei, die wir auch in unserem Glaubensbekenntnis immer erwähnen.

– Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
– Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
– Ich glaube an den Heiligen Geist.

Die Frage ist doch jetzt, sind das nun drei verschiedene Götter? Drei Götter die sich ergänzen, die sozusagen Hand in Hand arbeiten? Oder ist es doch nur ein Gott, an den auch wir Christinnen und Christen glauben. Auch Petrus wollte den Menschen damals nichts von drei verschiedenen Göttern erzählen. Es ging damals und es geht heute immer nur um den einen Gott, um den lebendigen, dreieinigen Gott.

Als Petrus vom Heiligen Geist erfüllt wurde, da ging ihm das auf. Jesus, der nach seinem Tod und nach seiner Auferstehung wieder in den Himmel aufgenommen worden ist, er ist wieder eins geworden mit dem, von dem er gekommen war. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, das sind nicht drei verschiedene Götter, es sind eher drei verschiedene Möglichkeiten, wie wir diesen einen Gott erleben. Oder, ich nehme mal ein Beispiel aus der Physik, es sind sozusagen drei verschiedene Aggregatzustände, in denen wir diesen einen Gott erfahren.

Gott Vater, der Schöpfer, der Ursprung des Lebens, ihn können wir wie einen festen Grund erfahren. Ich habe hier eine Eisplatte. Solch eine Eisplatte können wir auch als festen Grund erfahren. Vor einigen Jahren noch konnte ich im Winter auf dem Schwansener See Schlittschuhlaufen. Das Eis war fest und wirklich haltbar. Ich erinnere mich noch, dass es, als ich Kind war, Winter gegeben hat, in denen sind Autos auf der Ostsee gefahren. Und vergessen wir nicht, im Winter 1945 sind viele Menschen über das Eis des Kurischen Haffs gen Westen geflohen. Also, so eine Eisplatte ist schon recht haltbar. Ich kann auf ihr stehen, doch eins werden, das kann ich mit ihr nicht.

Lassen wir das Eis einige Zeit ungeschützt in der Wärme liegen, dann haben wir dies hier, Wasser. Das Wasser kann ich trinken, ja Wasser muss ich trinken denn ich benötige es zum Leben, bestehen wir Menschen doch zum größten Teil aus Wasser. Der feste Grund, der mir in Gott Vater, dem Schöpfer gegenübertritt, er wird menschlich in Jesus Christus. Und genau so wenig, wie das Wasser etwas anderes ist, als das Eis, ist auch Jesus nichts anderes, als Gott Vater. Wir erfahren ihn nur anders oder wir können auch sagen, wir erleben Gott in Jesus in einem anderen Aggregatzustand.

Und wie verhält es sich nun mit dem Heiligen Geist. Nun ich denke ähnlich wie beim Wasser. Wenn auch der Heilige Geist oft mit Feuerflammen verglichen wird, so ja schon in der Apostelgeschichte, so will ich das Feuer heute etwas anders verwenden. Wenn wir nämlich das Wasser erhitzen, dann verändert es sich wieder. Wird Wasser erhitzt, dann verflüchtigt es sich, es wird Dampf. Und das Erstaunliche ist, es kann dabei eine enorme Kraft entwickeln. Mit Wasserdampf wurden ganze Fabriken betrieben, Lokomotiven können ebenso schwere Lasten ziehen, wie Schiffe, nur allein dadurch, dass sie mit Wasserdampf angetrieben werden. Und so, wie der Dampf Maschinen in Bewegung setzen kann, so kann der Heilige Geist uns in Bewegung setzen. Ach ja, dass der Dampf nun auch nichts anderes ist, als das Eis, auf dem wir stehen können, oder das Wasser, das wir trinken können, das ist ja offensichtlich.

Das mit den drei verschiedenen Aggregatzuständen des Wassers, das kann ich experimentell nachweisen. Dass mit den drei verschiedenen Aggregatzuständen des dreieinigen und lebendigen Gottes, das kann ich nur erfahren. Wenn ich mich darauf einlassen kann, dass der Gott, der der Ursprung allen Lebens ist, in Jesus menschlich erfahrbar geworden ist, dann kann ich erkennen, dass mir dieser Gott in meinem Leben ganz nahe kommt. So nahe, dass er in mir wohnt, dass er in einem jeden und einer jeden von uns wohnt.

Doch Gott ist auch immer mehr, als ich fassen kann. Deshalb ist er auch immer eine Kraft, die mich zwar stärken kann, die ich jedoch niemals ganz fassen kann. Deshalb ist es wichtig, dass ich nicht nur auf Gott Vater, den Schöpfer und auf Jesus, in dem dieser Schöpfer uns zum Mitmenschen geworden ist, achte, sondern immer auch den Heiligen Geist mitdenke. Denn so wenig Gott nur der Schöpfer ist, der sich nach getaner Arbeit zurücklehnt, so wenig ist Jesus nur der gute Mensch aus Nazareth. Das kann ich nicht experimentell beweisen, in das Geheimnis dieses Glaubens kann ich nur hineingenommen werden.

Am ersten Pfingsttag, da begeisterte der Heilige Geist die Jüngerinnen und Jünger, auf einmal verstanden sie, was es mit Gott und Jesus auf sich hat. Wenn wir uns auf dieses Geschehen einlassen, dann kann auch uns Gottes Geist erfüllen. Das kann uns dazu verhelfen, dass wir aufmerksam werden auf Gottes Nähe, die uns in ganz verschiedener Form begegnet. In der Schöpfung, im Mitmenschen und als Kraft, als Aufmerksamkeit in uns selbst, für uns selbst und für unsere Mitmenschen und unsere Umwelt insgesamt.

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