Das Gespräch mit Gott suchen – das Beten wählen

Liebe Gemeinde,
am heutigen Wahltag geht es um Europa.
Verschiedene Alternativen stehen zur Auswahl.
Und ich hoffe sehr, dass die Wahlberechtigten sich auch in der Pflicht sehen, ihre Stimme abzugeben.

Der Mensch, um den es jetzt gleich geht, der erhebt seine Stimme.
Wir werden gleich hören, wie Mose Gott anfleht. Wie er Argumente vorbringt.
Wie er Gott aufzeigt, dass es eine Alternative gibt, dass er eine Wahl hat. Denn die Lage ist ernst, es geht um Leben und Tod!

Der Abschnitt ist überschrieben mit „Moses Fürbitte“.

7 Der HERR sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt.
8 Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat.
9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist.
10 Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen.
11 Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast?
12 Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.
13 Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig.
14 Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.
2. Mose 32,7-14

Die Geschichte vom ‚Goldenen Kalb‘, liebe Gemeinde. Einer der bekannteren Texte aus diesem Buch der Bücher.

Viele von uns wissen, was geschah: Das aus Ägypten befreite Volk hat sich aus Gold einen Götzen geschaffen. Gott ist darüber verärgert. So, wie Mose.
Und Mose ist es auch, der dieses Götzenbild später zerstört.

Wie ist es dazu gekommen?

Es ist Aaron gewesen, der Bruder von Mose, der in dieser Situation Verantwortung übernommen hat.
Sein Bruder war auf dem Berg und traf sich mit Gott. Und Mose kam und kam nicht zurück.

Wie sollte es weitergehen?
Das Volk am Fuße des Berges machte sich große Sorgen. Hinterherklettern durften sie nicht.
Nur warten.

Was lag da näher, als sich an Aaron zu wenden, den Bruder ihres Anführers, der ja auch schon damals bei den Verhandlungen mit dem ägyptischen Pharao dabei gewesen war.

Die Menschen wollen ein Gott haben, den sie sehen und anfassen können. Ein Gott, der bei ihnen ist.
Und Aaron tut das Naheliegende: weil sie mit dem Stierkult in Ägypten vertraut sind, baut er einen solchen Gott.
Aber keinen Ausgewachsenen, sondern einen Kleinen.
Das Goldene Kalb.

Das Volk Israel sehnt sich so danach, Gott als Gegenüber direkt zu erleben. Eine Sehnsucht, die es so bestimmt immer noch gibt.
Gott direkt zu erleben – so, wie Mose.

Und Mose nutzt diese Situation aus – im guten Sinne.
Mose versucht zu retten, was zu retten ist.
Er stellt sich zwischen Gott und das Volk, das Gott vernichten will.

Interessant dabei ist, wie Mose argumentiert. Er appelliert nämlich nicht an Gottes Barmherzigkeit, was an sich naheliegend wäre.

Nein, Mose geht anders vor.
Sein erstes Argument: „Das kannst du doch nicht tun. Was sollen denn die Nachbarn sagen?!“
Wie würde Gott dastehen in den Augen der Ägypter? Erst führt er sein Volk in die Freiheit – und dann bringt er alle um.

Wobei ich mich frage, ob Gottes Ruf bei den Ägyptern nicht sowieso ruiniert ist. Die Zehn Plagen – besonders die Tötung der Erstgeburt – wird dieses Volk nicht zu seinen Anhängern gemacht haben.

Wie Gott auf dieses Argument reagiert erfahren wir nicht. Denn Mose legt sofort nach. Seine Worte sprudeln nur so aus ihm heraus.

Und sein zweiter Punkt, das ist auch wirklich ein ‚big point‘. In meinen Augen.
Mose erinnert Gott nämlich an seine großartige Zusage an Abraham, dessen Nachkommen so zahlreich werden zu lassen wir die Sterne am Himmel.
Und diese Kinder und Kindeskinder sollen eines Tages das gelobte Land besitzen.
Diese Zusagen sind von Gottes Seite gegenüber Isaak und Jakob erneuert worden, führt Mose aus.

Und uns ist es klar, was Mose meint: wenn Gott jetzt sein Volk vernichtet, kann er sein Versprechen nicht einlösen.

Und nun, liebe Gemeinde, geschieht das Unglaubliche: Gott reagiert ganz und gar menschlich. Und es tut ihm leid, was er vorhatte. Gott bereut.

Was für eine Geschichte!

Ausgesucht für den Sonntag ‚Rogate‘, an dem es um das Beten geht.

Was steckt da heute für uns drin?

Ich entdecke drei Punkte:
Erstens: Beten ist Reden mit Gott und das Hören auf seine Antwort.

Zweitens: Ich erkenne eine tiefe menschliche Sehnsucht danach, mit Gott doch so reden zu können, wie mit einem menschlichen Gegenüber.
Gott – einer wie wir. Einer von uns.

Stop!
So dann doch nicht.
Gott ist keiner von uns. Wenn, dann einer für uns. EINER, der Gutes für uns will.

Und weil das so ist, darum kann uns auch niemand daran hindern, mit Gott so zu sprechen, wie uns das Herz und der Schnabel gewachsen sind.

Meine letzte Entdeckung:
Gott steht zu seinen Versprechen. In dem Bericht vom Ende der Sintflut lesen wir: 21 Und der HERR … sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.
22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1.Mose 8,21-22)

Darauf hat Gott sich festgelegt. Dass er sich so verhalten wird, ist sein Wahlversprechen.

Und wir, liebe Gemeinde, wir haben die Wahl, durch das Beten mit Gott in beständigem Kontakt zu treten und darin zu bleiben.
Amen.

Predigtlied EG 58,1+6-13 – Nun lasst uns gehen und treten

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