Die Erdung des Himmels

Liebe Gemeinde,
wer schon einmal umgezogen ist, der weiß, es braucht eine ganze Menge, um ein Haus oder eine Wohnung bezugsfertig zu machen.

Es braucht Möbel und eine Spedition. Man muss klären, wie man das Wohnzimmer stellt und welche Farbe die Wände haben sollen und – fast noch wichtiger – man muss wann die Küche kommt, wenn sie kommt.

Die Waschmaschine muss aufgestellt werden und wenn man nicht genug Lampen hat muss man welche nach kaufen. Meistens auch noch Glühbirnen mit dazu und dann geht’s zurück nach Hause, die Lampe anschließen.

Und wer schon mal eine Lampe angeschlossen hat, der weiß um die Drähte, die sich einem, meist aus der Decke, entgegenstrecken. Eine Leiter ist zum Glück schnell gekauft und auch schon ausgepackt.

Mit ausgestrecktem Arm und einem kleinen Schraubenzieher werden die Stromkabel aus der Decke nun mit denen, aus dem Leuchtmittel kommenden – per Lüsterklemmen – verbunden und man verbindet sachgerecht blau mit blau, braun mit braun und die Erde mit der Erde. Man erdet damit die Leitung, zumindest hab ich es irgendwann mal so gehört.

Und heute ist Himmelfahrt und wir sind hier auf der Erde. Leider ist keine Leiter hoch genug, als das wir den Himmel aus eigener Kraft erreichen könnten; also muss es doch einen Weg geben, dieses Ereignis Himmelfahrt auf irgendeinem anderen Weg für uns zu erden.
Die Lutherübersetzung probiert dies in ihrer ganz eigenen Weise, in Form eines Hymnus der schon vor knapp 2000 Jahren versucht hat das Ereignis “Christi Himmelfahrt” für uns hier unten greifbar zu machen. Ich lese aus dem Epheserbrief das 1. Kapitel die Verse 20 – 23.

[TEXT]

Die Himmelfahrt Christi bedeutet nach dieser Passage zunächst einmal Entlastung für uns. Christus hat nämlich nicht die Koffer gepackt und ist ungezogen mit unbekannter Adresse, sondern er ist zur Rechten Seite Gottes berufen worden. So sprechen wir es auch im Glaubensbekenntnis.
Und er sitzt dort zur rechten Gottes für uns und für diese Welt. Er ist also gar nicht weit weg oder verschwunden. Es gilt auch nicht aus den Augen aus dem Sinn, nur weil er jetzt aufgefahren ist in den Himmel.

Es wird sogar noch besser: Der Epheserbrief spricht davon, dass Christus alle Reiche unter sich hat, er hat alle Gewalt und alle Macht. Egal was uns in unserem Leben widerfahren ist oder noch widerfahren wird, es gibt einen, der über all dem steht und gerade darum für uns da ist.

Das sind alles schöne Gedanken könnte man jetzt sagen, aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Hier auf Erden gibt es Gewalten und Mächte die mitunter so furchtbar sind, dass man es nicht fassen kann. Man denke nur an die Nachrichten der letzten Tage, die von einer Frau berichteten die beinahe ein Vierteljahrhundert gefangen gehalten wurde oder man hört ab und an von einem schwer zu rechtfertigenden Gefangenenlager auf kubanischem Gebiet. Und was ist mit den großen und kleinen Katastrophen im eigenen Leben?

Wo bleibt da noch Platz für Himmelfahrt? Wie kann ich meinen Blick von all diesen irdischen Dingen los reißen und an Himmelfahrt denken und welchen Sinn hat dann dieser Begriff überhaupt?

Der heutige Predigttext kann helfen diese Fragen zu beantworten. Er kann das, gerade weil der Text eine Zusage an uns ist. Denn der Epheserbrief spricht davon, was Christus, was Gott, alles für uns tun will und das er für uns da ist. Christus ist das Haupt der Gemeinde und erst recht darum für seine Gemeinde verantwortlich.
Allerdings bleibt es nicht dabei. Gleich im nächsten Vers steht ein Anspruch an uns, nämlich dass die Gemeinde Christi Leib ist und er diese alles in allem erfüllt.

Dass wir als Gemeinde von Christus erfüllt werden bedeutet letztlich nichts anderes als das wir, die Gemeinde Christi, genauso mit berufen sind hier auf Erden zu wirken wie Christus selbst. Denn wenn wir schon von Herrschaft und Macht und alle Gewalt reden, dann kann das doch wohl nur bedeuten, dass es Menschen geben muss, die sich als Teil dieser Gemeinde fühlen und die genau dieses verkündigen und sich in diese Gemeinde eingliedern und schließlich in diese Gemeinde einladen.

Himmelfahrt ist also Ermunterung und Einladung an uns mit zu wirken.
Himmelfahrt ist also auch ein Lichtblick in unserem manchmal beschwerlichen Alltag.
Himmelfahrt erinnert uns also daran, dass wir eben nicht alleine sind. Wir müssen nicht kopflos umherlaufen, denn wir sind in der glücklichen Lage ein Haupt zu haben und Teil des Leibes Christi zu sein.

Das bedeutet: Gott ist also gar nicht so weit weg oder unerreichbar nur weil er in den Himmel aufgefahren ist. Viel mehr ist er uns so nahe wie selten zuvor, denn Gott ist mit uns – gerade weil Christus ihm zur rechten sitzt und uns ein Bruder ist.
Gut für uns! Der Himmelfahrtstag ist also nicht zu vergleichen mit einer Lampe, die man unbequem über Kopf betrachten muss und darum die Erde nicht findet. Denn Himmelfahrt ist viel mehr ein Ereignis für uns hier auf Erden. Und in Versform klingt diese besondere Art der himmlischen Erdung dann so:
Gen Himmel aufgefahren hoch ist er doch allzeit bei uns noch […] durch ihn der Himmel unser ist. Hilf uns, o Bruder Jesu Christ.

AMEN.

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