Gott loben und danken

Manchmal sind Träume wertvoll in auswegloser Zeit. Kleine Fluchten, die erlauben, die eigene Situation so anzusehen, als stünde man außerhalb. Von solchen Träumen erzählt die Offenbarung des Johannes. Visionen, in denen der Seher Bilder schaut von Gott, der die Kirche bewahrt auch in Verfolgung und Tod. Visionen, die Einiges erzählen von der Hoffnung, die die Gemeinde erfüllt.

Und in diesen Visionen wird der Schrecken erlebt, den die Gemeinde an die der Seher schreibt auch erlebet hat. Aber es wird auch gesunden, wie die Gemeinde auch gesungen hat. Das kann uns heute am Sonntag Kantate begleiten.

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Manche Dinge, die sich gut singen lassen, lassen sich nicht vernünftig sagen. So geht es hier den Menschen, die Anteil am Sieg Jesu Christi haben. Das, was für sie mit Christus geschehen ist, können sie nicht sagen. Aber sie singen den Jubel in die Welt hinaus.

Das Ziel der Menschen und der Wesen, die da singen, ist es die Schönheit der Werke Gottes zum Klingen zu bringen. Auch wenn es vielleicht ein bisschen etwas vom ‚Pfeifen im dunklen Wald‘ hat. Das war für die Menschen kurz nach dem Jahr 100 ganz deutlich. Die christliche Gemeinde war stetig gewachsen in dem Bewusstsein zu dem Herrn zu gehören, der wahrhaftig auferstanden hat. Aber je größer sie wurde umso mehr Widerstand erwuchs ihr. Sie musste lernen, damit umzugehen, dass nicht alle das schön fanden, was sie da machten und vor Allem, was sie da glaubten. Schon bald rückte ihnen auch die staatliche Obrigkeit auf die Pelle. Es kam zu ersten Christenverfolgungen wie heute in Nigeria und Zentralafrika. Opfer waren zu beklagen. Die Gemeinde geriet in Depression. Sie musste selber hinhören auf die Triumphlieder, die sie so gerne sangen, weil von dem Sieg über den Tod nicht allzu viel zu spüren war. Und diese Triumphlieder waren mehr als die Lieder, die in Fußballstadien gesungen werden. Da wird ja gerne von der Größe des eigenen Vereins gesungen und Schmähgesänge auf den Gegner. Heutzutage wird wohl nirgendwo so inbrünstig gesungen, wie in den Fußballstadien. Damals wurde so inbrünstig gesungen wo ChristInnen und Christen sich versammeln. Da geht es heute eher etwas schmalbrüstig zu.

Aber die Gemeinde des Sehers Johannes kann sich erinnern an derart inbrünstige Lieder, die Gott loben und so seiner Gemeinde Mut machen.

Und in solchen Liedern ist ihnen der Herr ganz nahe. Solche christlichen Lieder sind keine Triumphlieder wie im Stadion. Es sind Lieder voller Dankbarkeit und Demut. Lieder die wissen, dass man die Zuwendung Gottes nicht verdient hat. Lieder, die bekennen, dass im eigenen Leben manches nicht in Ordnung ist.

Solche Lieder hören sich manchmal auch nicht wirklich gut an, aber sie sind ehrlich, weil sie Gott das Urteil überlassen. Und trotzdem: Gottes Urteil ist das Urteil der Liebe. Darum können auch christliche Lieder jubeln über den Sieg der Liebe für das Leben.

Aber: Der Sieg des einen ist immer die Niederlage des anderen. So ganz wohl ist uns dabei nicht. Das Lied des Mose, auf das der Seher anspielt, klingt an. Es feiert den siegreichen Durchzug durchs Meer. Aber wie geht es uns damit, dass andere dabei auf der Strecke blieben, und zwar brutal auf der Strecke blieben? Ob Ägypten zu Zeiten des Mose oder die feindlichen Mächte zu Zeiten des hörenden Sehers: Der Sieg der einen ist die Niederlage der anderen? Gerechte Strafe? Geschieht ihnen recht? Gut so? So legt es sich wohl nahe – und doch bleibt ein gespaltenes Gefühl, denn wir tun uns – spätestens als Christen des Neuen Testaments – schwer mit dem Bild vom vergeltenden Gott und wissen, dass da nicht Rechnungen aufgehen, die wir aufmachen. Gott ist nicht handhabbar, er ist heilig, unantastbar, allmächtig.

Bei dem Seher Johannes geht es um jemanden, der sieht. Visionen sind ernst zu nehmen, aber nicht wörtlich. Eine Vision ist wie ein guter Film. Da sieht jemand Dinge, die er einordnen und zuordnen muss und gewinnt dabei Erkenntnisse.

In diesem Fall die Erkenntnis, wieviel Grund es gibt, Gott zu loben. Bei Johannes ist es merkwürdigerweise erst einmal die Zukunft. Dass Gott mit uns eine Zukunft plant, die alles bisher Dagewesene überstrahlt, das macht ihn zuversichtlich und froh. Das lässt ihn die Vergangenheit zitieren. Die Vergangenheit mit Gott war eine gute Geschichte, aber nichts gegen die Zukunft mit Gott, von der man nur laut singen kann, weil erzählen kann man derart phantastische Dinge eigentlich nur in Bildern, die niemand versteht.

Ich muss ja zugeben. Mir geht es in der Regel doch etwas anders als dem Seher. Nicht nur, weil ich nicht so gut singen kann. Sondern auch weil mir die Verstandesebene näher liegt. Ich will verstehen, was vor sich geht, will erfassen, was Wesen des Glaubens ist und darum faszinieren mich die Bilder des Johannes mit den Tieren, den apokalyptischen Reitern, dem himmlischen Jerusalem sehr, aber sie berühren mich nur ein wenig, weil sie so wenig mit dem Geist zu erfassen sind. Das ist wie eine bemalte Fläche mit vielen Farben und Formen. Schön, aber was soll es?

Vielleicht muss ich diese Dimension in meinem Leben noch dazu gewinnen. Ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall will ich neu lernen, die Wunder Gottes auch dort anzunehmen, wo ich sie nicht verstehe; denn welcher Mensch hätte jemals die Liebe wirklich verstanden. Warum ein Mensch einen anderen lieben sollte, ist vom Verstand allein nicht zu begründen. Warum Gott die Menschen trotz allem lieben sollte auch nicht.

Und doch bekennt die Bibel an allen Stellen nichts Anderes. Gott hat sein Volk aus Ägypten befreit und er hat seinem Volk die Treue gehalten auch als es immer wieder Wege ohne Gott suchte.

Der eigentliche Sieg des Lebens besteht darin, sich beschenken zu lassen mit Liebe in einer guten Ehe genauso wie im Verhältnis zu Gott.

Ich kann Gott loben und ihm danken. In Liedern und in Psalmen. In Worten und – vor allem – in Taten.

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