Er ist erstanden, Halleluja! Freut euch und singet, Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder!
Obwohl Ostern so ein schönes und buntes Fest ist, und es ist sogar das älteste der christlichen Feste, obwohl es also doch so ein fröhliches Fest ist, hat es nie die verschwenderische Dimension und Fülle von Weihnachten erreicht.
Dass Kinder geboren werden, das kennen wir aus Erfahrung. Und dabei ist das Jesus-Baby in der Tradition auch so süß und hold. „Holder Knabe im lockigen Haar“ singen wir im Weihnachtslied.
Aber dass einer, nämlich dieser Jesus von Nazareth, von den Toten auferstanden ist oder gar vom Tod als Erster auferweckt wurde, also von den Toten zurück kam, ist schon extrem schwer zu glauben und geschweige denn zu begreifen. Nicht nur die antiken Menschen in Korinth hatten daran so ihre massiven Zweifel. Dies entzieht sich jeglicher Erfahrung.
Und dass derjenige Jesus Christus, der durch Gott den Tod besiegte, auch noch alle anderen mit sich zieht und zu neuem ewigen Leben durch die Auferstehung vom Tod beschenkt, ist nach menschlichen Verstandeskategorien noch mehr zu bezweifeln und mutet fast schon phantastisch an.
Wie gesagt: Weihnachten ist handfester. Geburten und die Freude darüber kennt jeder.
Aber die Auferstehung, die an Ostern den Sieg des Lebens über den Tod bekennt und verheißt, die kennt keiner.
Sie bleibt ein Geheimnis des Glaubens, das sich dem Verstand und den Augen verschließt.
Wir verstehen ihn, den ungläubigen Thomas in uns, der sehen und fühlen muss, um zu glauben.
Ich glaube nur, was ich sehe! Und was ich nicht sehe und sich meiner Erfahrung entzieht, das alles fällt mir schwer zu glauben.

Dagegen verkündigt und bezeugt Petrus unter den ersten Christen, was durch, mit, von und in Jesu Namen und seine Person geschehen ist und geschehen wird. Er erzählt kurz Christi Heilsgeschichte und was sie bedeutet:
Göttlicher Frieden kam und kommt durch Jesus Christus in die Welt,
denn er heilte und heilt die Menschen,
der Heilige Geist veränderte die Menschen,
Vergebung und Gericht kommen durch ihn in das Gewissen eines jeden Einzelnen.
Und der Glaube über den Sieg des ewigen allmächtigen Todes, den Widersacher aller Existenz, gelangte durch Jesus Christus in die Welt und rettet uns alle, so wir glauben oder gläubig sind.

Petrus bezeugt somit die maximale Verschwendung und Lebensfülle der göttlichen Liebe für uns Menschen durch die Auferstehung von den Toten.
Gott schafft neues Leben im Angesicht des Todes. Gott schenkt uns nicht nur seinen Sohn als Erfüllung aller menschlichen Sehnsucht nach Erlösung im Diesseits. Sozusagen das geistliche und mentale Lebenspolster. Nein im zweiten Schritt befreit er uns auch im Glauben durch die Gewissheit auf die Auferstehung von den Toten und führt uns zum ewigen Leben.

Gott macht in, durch und mit Jesus Christus alles neu.
So wie auf den Nacht der Morgen fällt und auf Dunkelheit das Licht folgt, so haben die Menschen daran geglaubt, dass durch Jesus alles neu wird und die maximale Verschwendung göttlicher Liebe in unser Leben eintritt und der wunderschöne Morgen der Auferstehung anbricht.

Denn: Es brauchen nur wenige Minuten zu sein, am besten am Morgen, wenn die Sonne gerade aufgegangen ist. Ein Augenblick der Stille, der Ruhe, der nur uns gehört. Dass dem Morgen eine besondere Bedeutung zukommt, war den Menschen schon immer bewusst. Er konnte über das Geschick des ganzen Tages entscheiden. Die ersten Christen versammelten sich zum Tages-anbruch. Es war die Zeit, in der sie die Auferstehung feierten. Wir gehören auf die Seite des Lichtes und des Lebens. Die Nacht ist überwunden und auch der Tod. Gestern war ihre Zukunft noch in Trauer verhüllt. Sie wussten nicht, was aus ihnen und was aus der Welt werden würde. Sie hatten den Tod vor Augen. Worauf sie gehofft, woran sie geglaubt hatten, das alles war ihnen genommen worden. Ja, so ist die Welt. Die Mächtigen set¬zen sich durch, Worte haben kein Gewicht, die Liebe ist am Kreuz zerschellt. Ja, so ist die Welt, in der wir leben. Die Mächtigen gehen über das Schicksal der Armen sorglos hinweg. Die Reichen haben keinen Blick für jene in Not. Was sie sich ersehnt und erwünscht haben, ist vor ihren Augen zerfallen.
Tief und lang war diese Nacht, schwer und belastend war der Traum, der sie niederdrückte. Sie sahen immer die gleichen Bilder: Sie sahen den Kuss des Judas; sahen die Soldaten, die ihn abführten; sahen das Kreuz hoch aufgerichtet; sahen den Leichnam in den Armen der Mutter. Das ist das Ende und so hatten sie es sich nicht vorgestellt. Sie waren Narren, wenn sie etwas anderes erwartet haben! Sie wussten doch, wie es in der Welt zugeht; sie, die Fischer und Tagelöhner, die kleinen Leute. Sie mussten es doch am besten wissen, aber vielleicht hatten sie gerade deswegen so viel Hoffnung. Nein, so soll es nicht in der Welt zugehen. So soll es nicht sein, sagt Gott.
Die Liebe ist stärker als der Tod, das Leben wird gewinnen. Am Morgen stand Jesus wieder an den Ufern des Sees und hat sie gerufen. Er ist ihnen auf dem Weg entgegengekommen; er war mitten unter ihnen, als sie sich versammelt haben. Sie trauten ihren Augen und ihren Ohren nicht, aber wenn etwas in ihrem Leben wirklich war, dann dieser Christus. Sie konnten es nicht begreifen, aber sie träumten nicht. Es war ein neuer Tag angebro¬chen, für sie war es jetzt Tag geworden und keine Nacht wird sie von nun an mehr in ihren Bann schlagen.
Am Morgen feiern wir den Auferstandenen, wir feiern das Leben und den, der uns das Leben neu schenkt.
Einige Minuten nur am Beginn des Tages, manchmal reicht ein Moment aus. Wir geben uns und den kommenden Tag in Gottes Hände. Wir werden tun, was an uns ist. Wir werden überlegen und planen, diskutieren und vielleicht auch streiten, wir werden uns mühen und anstrengen, wir werden mit beiden Händen zu¬packen. Ob gelingt, was wir anfangen? Ob Erfolg haben wird, was wir begonnen haben? Es liegt an uns, zum Teil. Es liegt daran, ob wir uns und das, was uns bewegt und beschäftigt, Gott anvertrauen, ob wir seiner Fülle von Liebe vertrauen.
(Meditation von Werner Milstein!)

Und wenn ich dieser verschwenderischen Fülle an göttlicher Liebe, an göttlichem Heil und Sinn und Licht durch und in Jesus Christus für mich vertraue.
Wenn ich also dem Licht Christus, das in die Welt kam, um uns aus der Dunkelheit und Finsternis zu führen folge, so wie der Morgen das Licht des Tages erhellt und bringt, dann ist die Botschaft von der Auferstehung und dem ewigen Leben Balsam für meine Seele.

Und so brauche ich hoffentlich nicht den endgültigen Beweis eines ungläubigen Thomas für mich , dessen innere Seligkeit doch nur im Sehen lag, sondern spüre, empfinde, nehme die Seligkeit des Glaubens wahr, der keine Beweise braucht, um das Licht des Herrn zu erkennen.
Selig sind die nicht sehen und doch glauben, heißt es.
Und im umgekehrten Fall macht Glaube ja nicht blind für die Wirklichkeit oder lässt uns die Welt mit der rosaroten Glaubensbrille betrachten und schön reden.

Nochmals und etwas anders über Ostern!
Gegen alle Resignation, Angst, Trauer und die dunkle Macht des Todes singen wir am morgigen Ostermorgen das fröhliche afrikanische Lied: „Er ist erstanden, Halleluja!“ (Ev.Gesangbuch, Nr. 116)
Gegen den Wahnsinn der Welt und die Feindseligkeit unter den Menschen hören wir aus Jesu Mund folgende Botschaft und Frage:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;
und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nicht sterben.
Glaubst du das? (Joh. 11,25-26)
Auferstehung und Osterglaube schenken die fröhliche Motivation und lebensspendende Kraft, mit größerer Leidenschaft, Intensität, Liebe, Freude und Engagement zu leben.
Es lohnt sich, Gott zu suchen und ihm zu vertrauen. Er lässt sich finden. Und nichts Geringeres als der große Neuanfang des Lebens wird uns geschenkt. Ist das nicht wunderbar! Dadurch zeigt sich dann Leben in seiner ganzen Fülle und Schönheit für uns. Im eigenen Ostererlebnis – durch den Besuch eines Osternachtgottesdienstes untermauert- können wir bekennen:
Jesus Christus nimmt uns die Angst vor der Macht des Todes und der inneren Dunkelheit.
Das Licht des Ostermorgens bricht für uns an. Gottes helles Licht
leuchtet in meinen und ihren Alltag und erneuert mich ganz tief in meinem Inneren.
Das glaube ich.

Ja, das glaube ich und mein Leben ist keine Irrfahrt, sondern eine Heimfahrt.
Ja, das glaube ich und mein Leben liegt in Gottes Hand, der mich beschützt und segnet.
Ja, das glaube, denn die göttliche Liebe und menschliche Erinnerung sind stärker als der allgegenwärtige Tod.
Ja, das glaube ich, denn Glaube hält mein Leben hier und jetzt und trägt mich mit seiner Hoffnung in die Zukunft.
Denn wir singen und glauben: Er ist erstanden, Halleluja! Freut euch und singet, Halleluja! (EG 116)

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