Kreuz und Leid geben einen tieferen Sinn

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute ist Karfreitag, der Tag, an dem wir Christen an die Kreuzigung und den Tod unseres Herrn Jesus Christus besonders intensiv denken und darüber innerlich klagen.
Jesu Leiden, seine Passion kam an diesem Freitag an ihr Ende.
Nach dem Abschied von den Jüngern und Freunden, nach Verrat, Verhaftung, Verspottung, Folterung, wird der Mensch Jesus von Nazareth, der im Glauben zum Christus und Erlöser wurde und wird, zum sofortigen Tod am Kreuz verurteilt.

Das Kreuz ist ein Mahnmal für Leid und Erlösung.
Es ist einerseits in seiner Ohnmacht ein ewiges Zeichen für die Niederlage und anderseits der paradoxe Beweis für den Sieg Gottes über Ungerechtigkeit, Hass und Erlösung von menschlicher Boshaftigkeit.
Dass dort am Kreuz ein Unschuldiger hingerichtet wurde, das glaubten die Christen von Anfang an.
Und dass von diesem unschuldigen Tod am Kreuz die Erlösung ausgeht, dies glaubten und glauben die Menschen bis zum heutigen Tag.

Auch viele Jahrhunderte vor Jesu Hinrichtung am Kreuz auf Golgatha sah dies der Prophet Jesaja auch schon
voraus. Er hatte visionär gesehen und vorhersagte daraufhin einen unschuldigen leidenden Knecht Gottes, der für die Boshaftigkeit, Ungerechtigkeit und „Schuldigkeit“ der vielen Menschen das Opfer brachte, um diese Menschen dereinst zu erlösen.
Der zweite Jesaja beschreibt diesen Anti-Helden und Erlöser folgendermaßen:

3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Durch seine Wunden sind wir geheilt und erlöst!

Von dem einem, den Gott sich zum Knecht gemacht hatte, von dem einziggeborenen Sohn Gottes geht die Erlösung und Befreiung von aller Schuld aus.
Absolute und totale Befreiung und Erlösung von Schuld, Leid wird prophezeit, sogar vom ewigen Tod. Doch das Ganze gibt es nicht zum Sonderpreis oder Rabatt. Auch kein Skonto oder irgendwelche Sondertarife sind dabei für uns auszuhandeln.
Nur durch und vom Sohn Gottes, dem Christus, dem Erlöser, dem Heiland und Retter geht dies alles aus.

Dem ungeachtet wurden Leid, die Wunden und der Schmerz Jesus nicht erspart; und auch an ihm ging der Kelch des Leids nicht vorüber. Denn Gottes Wille geschah.
Und dennoch folgte darauf, nämlich auf das „Es-ist-vollbracht“, die Erlösung und Befreiung von allem irdischen Übel.
Menschen aller Zeiten, Nationalitäten, aus allen Ländern, aus sämtlichen Herkunftsfamilien, Arme und Reiche, Schöne und Hässliche, Starke und Schwache, auch unsere Vorfahren haben in diesem scheinbar sinnlosen Tod schon immer ihre eigene Erlösungsbedürftigkeit von Leid und Tod gesehen . Und den tieferen Sinn darin erkannt.
Und Menschen aller Zeiten haben daraus schon immer Kraft, Hoffnung und Vertrauen geschöpft, einen tiefe und mächtige Kraft, die im Leid, in der Trauer, in der Verzweiflung, im alltäglichen Tod, in früheren Zeiten bei Pest, Epidemie und Krieg wuchs und wächst und das Sinnlose und Schwere zu tragen und zu ertragen hilft.
Der Tod des Einen am Kreuz befreit vor Angst, Untergang und sinnlosem Tod.
Das ist die paradoxe Botschaft des Kreuzes und das macht für gläubige Christen alles Sinn und gibt Hoffnung.

Was kann der Kreuzestod Jesu, an den wir am heutigen Karfreitag denken, für uns bedeuten, was bringt der Tod Christi mir? Welchen Sinn hat dies?

Jesus ließ sich für mich und dich kreuzigen. Das Kreuz meiner Schuld brauche ich – religiös gesprochen und verstanden- nicht mehr zu schleppen. Ich kann mein Kreuz ablegen. Er ließ sich kreuzigen, dass ich nicht mehr gekreuzigt werde, obwohl tagtäglich weiterhin im wörtlichen und übertragenen Sinn gekreuzigt wird durch Worte und Taten. Das macht Sinn für uns.

Er ließ sich festnageln, spürte meinen Schmerz bis in die Hände und Füße. Ich muss nicht festgenagelt bleiben auf die Last meiner Vergangenheit, obwohl unerfüllte Lasten der Vergangenheit und die Erinnerung daran zermürbend in mein Leben eingreifen. Jesus kennt unsere seelischen Schmerzen
Das ergibt Sinn für uns.

Er verteilte sein Leben unter den Menschen und heilte sie mit seiner Liebe und Vergebung. Ich kann mein Leben teilen und mich mit-teilen, mit andern teilen, und tun, was dem Leben dient, obwohl ich bisweilen an diesem Anspruch scheitere. Das gibt meinem Leben Sinn.

Er liebte sich zu Tode, damit die Liebe und Gnade Gottes nicht sterben. Ein neuer Bund ist geschlossen zwischen Gott und Mensch und Mensch und Mensch, und dies, obwohl die menschliche Liebe immer wieder mit Füßen getreten wird und des Öfteren der Hass das Antlitz unserer Welt prägt.
Auch das gibt Sinn in der Sinnlosigkeit

Er nahm den Tod an und überwand diesen Tod durch Gottes Macht zur Auferweckung. Also ist der Tod nicht bloß Untergang und leere Sinnlosigkeit, sondern der Beginn eines neuen Lebens in Gottes Herrlichkeit.

Er nahm die Verlassenheit an. Also ist in meiner Verlassenheit noch die Verheißung von Gottes seliger Nähe und Anwesenheit zu spüren.
Das gibt Kraft.

Er nahm alles an. Also ist auch alles in seine Erlösung eingekleidet, die für dich und mich, für uns alle gilt.

Liebe Schwestern und Brüder, das hat Gott alles durch Jesus Christus für uns vollbracht. Es ist das größte Wunder, das der Glauben hervorbringt.
Für uns Christen ist das Kreuz somit das Symbol des Lebens über den Tod im Leben. Durch das Kreuz hat Gott dem Tod den Stachel und den Sieg entzogen, wie es der Apostel Paulus sagt. Das Kreuz gibt unserem Leben Sinn.
Das hat Gott alles für uns vollbracht.
Denn Gottes Werk ist sein Werk für uns. Er vollbrachte und vollbringt seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit für uns.
Und was er noch alles für uns vollbracht hat, das hören, sehen und glauben wir an Ostern.

drucken