Das Tor in die Zukunft ist offen

Christ ist erstanden – das ist die Botschaft von Ostern. Ohne die wäre christlicher Glaube nicht wirklich. Aber was bedeutet diese Botschaft? Und noch spannender: Was bedeutet sie für mich – in meinem Leben?

Mit derartigen Fragen – wenn auch unter anderen Bedingungen – muss sich bereits Paulus auseinandersetzen. Seine Zielgruppe sind ChristInnen in der Hafenstadt Korinth. Für sie stand die Tatsache außer Frage, dass Christus auferstanden ist. Ostern war keine Diskussion. Aber an die Auferstehung der Toten, konnten und mochten sie nicht glauben. Das eine Ereignis, mit dem Gott seine Macht bewiesen hat –in Ordnung. Aber dass daraus irgendetwas sich für das Leben der Menschen ergeben konnte – das war unverständlich. Ihnen antwortet Paulus.

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Für Paulus sieht das so aus: Christus ist Grund, Anfang und Ursache der Auferstehungshoffnung der ChristInnen. Die Auferstehung Christi gilt nicht dem Einen – dem Gottesssohn, sondern sie ist exemplarisch für alle Menschen. Paulus interessiert auch nicht, wie ich mir das vorzustellen habe, Auferstehung, Neues Leben und so.

Ihn interessiert einzig und allein: Der Herr ist auferstanden und wir werden auferstehen. Davon schreibt er den Menschen, davon schreibt er uns und ist mir darin sympathisch. Das einmalige Geschehen der Auferstehung Christi mag interessant sein, seine Bedeutung über die Jahrtausende erlangt es durch die damit verbundene Verheißung der Auferstehung aller Menschen. Es geht nicht um den Sohn Gottes allein, es geht wie immer bei Jesus, um den Menschen, der ihn braucht.
Nicht vergessen werden darf: Der Auferstandene bleibt der Gekreuzigte. Auferstehung kommt von dem, der sich in seinen Erdentagen denen zugewandt hat, die in der herrschenden Gesellschaft am Rande standen. Kreuz und Auferstehung sind Teil des christlichen Glaubensbekenntnisses. Auferstehung wie Kreuz stehen unter dem ‚Für uns’. Ohne den Tod gibt es auch keine Auferstehung.

Zwischen ChristInnen und ihrem Herrn besteht eine enge Verbindung – über den Tod hinaus. Sie bleiben miteinander verbunden. Schwestern und Brüder auch nach dem Tod.

Paulus verharmlost den Tod nicht – er bezeichnet ihn als Feind. Nicht weil er das Ende irdischen Lebens ist, wohl aber, weil er das Ende von Beziehungen ist, von menschlichem Umgang, von sich entschuldigen und dem Anderen vergeben. Und darum auch das Ende von Liebe auf Erden. Und seitdem das Grab leer war, die Jünger überzeugt waren, sind ChristInnen verbunden mit diesem Herrn, der wahrhaftig auferstanden ist – über den Tod hinaus, über seinen Tod hinaus und über den eigenen Tod hinaus. Die Liebe geht weiter, sie steht auf und feiert ewiges Leben.

Dieser Glaube ist Wesensbestandteil christlicher Lehre und christlichen Bekenntnisses. Und er öffnet unserem Leben neue Perspektiven: Wir müssen uns nicht abrennen, abrackern, um aus unserem Leben etwas zu machen. Wir sind geliebte Kinder Gottes mit einer Gegenwart in Liebe und einer Zukunft in der Liebe Gottes. Wir dürfen unser Leben im Hier und Jetzt gestalten, weil er selber es ist, der uns liebt. Und er es ist, der uns in seiner Auferstehung eine Zukunft schenkt.

Das Tor in die Zukunft ist offen.

Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Sein Grab war leer. In Jesus Christus hat Gott den Tod überwunden, seine Macht zerbrochen. Jesus ist auferstanden und in die Herrlichkeit Gottes hinüber gegangen.

Hier ist der Kern unseres Glaubens. Daran hängt alles andere. Für die Wahrheit unseres Glaubens gibt es keine Beweise. Besonders plausibel ist das Ganze auch nicht. Für den Verstand eh nicht zu fassen. Aber der Glaube daran, dass nichts den toten Christus in seinem Grab halten konnte, bringt seit 2000 Jahren Menschen in Bewegung. Menschen finden einen neuen Sinn in ihrem Leben und über ihr Leben hinaus. Das ist Ostern.

Die Auferstehung Jesu hat Folgen für uns. Sie verleiht unserem Leben einen neuen Inhalt und einen neuen Sinn. Sie lässt uns befreit aufatmen und vielleicht auch manche Niederlage im Leben ertragen, weil sie uns deutlich macht: Unser Leben ist mehr als nur die Jahre zwischen Geburt und Tod. Und unser Leben liegt in Gottes Hand.

Gott wird uns im Tod nicht fallen lassen. Er wird uns zu sich rufen in seine Ewigkeit. Auch das ist unvorstellbar, noch weniger beweisbar. Es ist aber die gewaltige Verheißung Gottes, die gegen alle menschlichen Erfahrungen steht; vor allem gegen alles Leid, gegen Krankheiten, alle Not und den Tod selbst. Darauf dürfen wir vertrauen, darin dürfen wir Trost finden. Deshalb: Frohe und gesegnete Ostern!

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