Freude des Suchens

Liebe Gemeinde,

es ist Ostern. Manche waren heute schon im Garten und andere gehen vielleicht noch.
Die Ostereier müssen gesucht werden.
Da sagt eine Mutter: „Meine Tochter ist schon so groß und studiert schon lange, aber Ostern will die immer noch suchen“.
Da beschwert sich ein gestandener Mann: „Warum wird für meine Nichte etwas versteckt und für mich nicht?“

Und wenn wir uns zu Ostern vielleicht auch nicht so viel schenken wie zu Weihnachten, wenigstens ein buntes Ei gehört dazu.

Es ist Ostern- ein Fest des Suchens!

(an dieser Stelle evtl. Kinder ansprechen und über das Suchen reden)

– Suchen: man weiß, es ist etwas da
– Suchen: Spannung, Vorfreude was es sein wird
– Suchen: Neugierde WO ist es versteckt.
– Suchen: nicht nur das Geschenk an sich ist toll, sondern auch die Zeit bis ich es finde.
– Suchen: kann auch anstrengend sein, wenn man nichts findet.

Und noch etwas gehört zum Suchen dazu: Das Verstecken!
Denn zu Ostern ist alles anders! Ostern stellt das Leben auf den Kopf. Im wahrsten Sinne: Selbst der Tod ist am Osterfest nicht mehr so, wie wir ihn kennen.
In der Osternacht haben wir auf dem Friedhof gelacht und gesungen und waren fröhlich beisammen.

Und zum Osterfest verstecken wir Dinge.
Normalerweise ärgere ich mich, wenn ich etwas suchen muss. Ich werde nervös und dann wird alles durchgewühlt, bis ich hab was ich suche oder bis mir einfällt wo ich es hingelegt hatte.

Ostern ist anders.
Und über Ostern können wir nicht reden! Aber wir können von Ostern erzählen.
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.
Das widerspricht aller Logik! Genauso, wie es doch eigentlich unlogisch ist, erst etwas zu verstecken um es dann zu suchen.

Der Text aus dem Korintherbrief für das Osterfest 2014 ist genau so verwirrend. Ich musste mehrfach lesen, bevor ich überhaupt den Inhalt verstand. Und dann habe ich zusammengekürzt auf den Kern.
Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn alles hat er unter seine Füße getan.

Unser Glaube ist verqueer. Und Ostern widerspricht allen Erfahrungen.
Das ein Mensch geboren wird, ja das geht, auch dass ein Mensch brutal hingerichtet wird ist denkbar. Aber Auferstehung? Ostern?

Immer und immer wieder haben die ersten Christen versucht zu erklären warum es Ostern gibt. Es gibt Vorstellungen davon, warum Jesus Auferstanden ist.
Aber was es ist, und wie es ist… darüber schweigen alle. Es Scheint nicht wichtig. Und es ist nicht wichtig.

Und so darf ich es mit Ostern halten, wie mit dem Verstecken der Ostereier.
Erst die Erfahrung der Freude bringt einen Sinn.
Das losgehen und suchen. Und schon beim suchen schlägt das Herz höher.
Da muss man noch gar nichts sehen, noch nichts gefunden haben. Aber die Vorfreude darauf ist so groß.

Ostern stellt alles auf den Kopf. Der letzte Feind, der Tod, er ist vernichtet.
Der Tod ist unter seine Füße gestellt, sagt Paulus.
Der Tod liegt am Boden. So, wie ein Eroberer seinen Fuß auf den Brustkorb des Besiegten Feindes setzt, so stellt Gott seinen Fuß auf den Tod.

„Du sollst meinen Menschen keine Angst mehr bereiten.“ „Du sollst nicht das letzte Wort behalten!“

Freilich, wir hätten ihn verdient. Am Ende des Lebens da wird er auch kommen, der Tod.
Er sucht uns, er lauert und er wartet. An jeder Ecke.
Aber er wird uns nicht festhalten können.

Und darum singen wir heute immer wieder Halleluja – Gelobt sei Gott.
Darum ist nach dem stillen und dunklen Karfreitag der Ostertag laut und fröhlich.
Darum sind die Eier bunt. Darum stoßen wir an und wünschen uns frohe und gesegnete Ostern.

Nicht, weil wir begreifen, was da im leeren Grab geschehen ist. Aber weil die Vorfreude uns ansteckt. Weil wir das Himmelreich zwar suchen. Aber ohne Panik oder Hektik, sondern mit Vorfreude und dem Wissen, dass es schon da ist.

Es ist versteckt, irgendwo. Und obwohl wir es nicht sofort sehen darf es im Bauch schon kribbeln. So, wie beim Ostereier suchen.

Darum ist es gut, wenn auch für die erwachsene Tochter oder den Onkel, noch immer etwas versteckt wird.

Weil diese Vorfreude das größte Ostergefühl ist.

Und nun rufe ich ihnen und euch zu: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

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