ein Fasten, das Gott gefällt – Reimpredigt zu Estomihi

– Ein Fasten das Gott gefällt –

Es hatte lang hier Tradition
Wer öfter herkommt, kennt das schon
Am Sonntag vor der Fastenzeit
Dem Worte Gottes zum Geleit
Gereimte Predigt darzubringen
Wird das Frau N.N. auch gelingen?
Das Wort der Schrift recht auszulegen?
Dabei nicht Ärger zu erregen
Und auch zum Schmunzeln was zu liefern
Denn Wahrheiten, gerad die tiefern…
Humorvoll sind sie zu ertragen
Auch wenn sie uns was Ernstes sagen.

So denkt sie, die Frau Pfarrerin
Und setzt sich Samstag morgen hin.
Der Reim, er lässt nicht schwer sich finden
Doch auch die Wahrheit zu ergründen
Die hinter ihm verborgen liegt…
Nicht dass am End der Unsinn siegt.

Denn Thema heut, ihr lieben Leut
Ist nicht die lustge Narretei,
Jesaja ist ganz ernst dabei
Als er den Menschen seiner Zeit
Die fastend sich vorm HERRN kasteit
Ins Stammbuch schreibt, wie Fasten geht
– Und zwar nicht so, wie ihrs versteht –
als Körperübung, Gott zur Ehre
sondern als Haltung, manchmal schwere
im Hier und jetzt des eignen Seins
nicht ängstlich sagen: alles MEINS
sondern dem Nächsten in der Not
stets beizusteh´n und zwar sofort.

Wenn er des Beistands denn bedarf,
mit wachem Aug und off´nem Herzen
nicht über Notleidende scherzen
sondern die Not mit auszumerzen
Jesaja ist da ziemlich scharf.

Gereimt hat er das damals nicht
Jerusalem, das war sein Ort
Darum hier schmucklos nur sein Wort
Es heut zu sagen, ist mir Pflicht:
(Nach der neuen Zürcher Übersetzung:)

Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück!
Einem Schofar gleich erhebe deine Stimme,
und verkünde meinem Volk sein Vergehen
und dem Haus Jakob seine Sünden!
Tag für Tag suchen sie mich,
und es gefällt ihnen, meine Wege zu erkennen.
Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt
und das Recht ihres Gottes nicht verlassen hat,
fragen sie mich nach den Satzungen der Gerechtigkeit,
es gefällt ihnen, wenn Gott sich nähert.
Warum haben wir gefastet, und du hast es nicht gesehen,
haben wir uns gedemütigt, und du weisst nichts davon?
Seht, an eurem Fastentag geht ihr anderen Dingen nach,
und alle eure Arbeiter treibt ihr an.
Seht, ihr fastet so, dass es zu Streit kommt und zu Zank
und dass man zuschlägt mit der Faust des Unrechts.
Ihr fastet heute nicht so,
dass ihr eure Stimme in der Höhe zu Gehör bringt.
Soll das ein Fasten sein, wie ich es will:
Ein Tag, an dem der Mensch sich demütigt?
Soll man seinen Kopf hängen lassen wie die Binse
und sich in Sack und Asche betten?
Soll man das ein Fasten nennen
und einen Tag, dem HERRN wohlgefällig?
Ist nicht dies ein Fasten, wie ich es will:
Ungerechte Fesseln öffnen,
die Stricke der Jochstange lösen
und Misshandelte freilassen
und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen
und dass du Arme, Obdachlose ins Haus bringst?
Wenn du einen Nackten siehst, dann bedeck ihn,
und deinen Brüdern sollst du dich nicht entziehen!
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot,
und rasch wird deine Heilung gedeihen,
vor dir her zieht deine Gerechtigkeit,
und deine Nachhut ist die Herrlichkeit des HERRN.
Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten,
du wirst um Hilfe rufen, und er wird sprechen: Sieh, hier bin ich!

Ein hartes Wort, für den der fastet
Als ob das Weltgewicht auf seiner Schulter lastet
Der Gott zum Gruß nach oben schielte,
ob Gott ihn auch voll Gnade hielte
wenn er nur darbt, um Gottes willen hungert
nicht trinkt, voll Sehnsucht danach lungert
dass Gottes Güte ihn umhülle
weil er das Leistungsmaß erfülle.

Das Fasten damals war´ne Übung
Die stand den Leuten zur Verfügung
Um Gottes Gnad herbeizuflehen.
Man tat es oft, man ließ sich sehen
ICH FASTE, seht wie toll ich bin
Ganz gottfällig siech ich hin
Verzicht auf vieles, gar nicht ohne
Doch Gott, den kümmert´s nicht die Bohne!

Die Leute haben sich erregt
Sie dachten doch, dass da was geht,
wenn sie nur fasten, wie die Armen
wird Gott sich irgendwann erbarmen.

Jesaja sagt, so läuft das nicht
Euch helfen ist nicht Gottes Pflicht
Bloß weil ihr heut mal wenig esst
Ihr dennoch ständig Gott vergesst
Seid so gemein wie es nur geht
Zankt, streitet und versteht
Wie man den Ärmsten weiter knechtet
Mit Gott habt ihr doch nicht gerechnet…

So denkt wohl heute kaum noch einer
– die Gottgefälligkeit im Eimer –
Der Mensch dreht sich um sich allein
Und fühlt sich dabei ziemlich fein.
Obwohl das Fasten ist en Vogue
Au´m Fastenmarkt der Wettkampf tobt

Heilfasten und nur Säfte trinken
Kein Alkohol und auch kein Schinken
Für ein paar Wochen Zuckerfrei
Wer hipp und knackig, ist dabei,
den Körper eilig zu entschlacken
sich wehren gegen dicke Backen
zwei drei Kilo sollen runter
so sagt es mancher und bleibt munter

nicht Gott ist´s den so mancher lobt
der Körperkult ganz heftig tobt
Und selbst´ne 0 –Diät als Kur
Bezahlt so mancher – welch Tortur
Um wieder schön und schick zu sein
Zu kämpfen gegen´s innre Schwein
Den Schweinehund, der ewig lockt
Und in der tiefsten Seele hockt.

Im Überfluss, der uns beschert,
ist´s manchmal eine Pause wert
so fastet man, am Abend, Morgen
tut dabei für sich selber sorgen
wünscht sich dazu das Lob der Leute
So geht das mit dem Fasten heute.

Das ist an sich ja gar nicht schlecht
Doch macht man´s damit Gott nicht recht
Und wer das glaubt, der übersieht
Das Gott das Eitle lieber flieht.
Doch falls ein Mensch sucht, was Gott will
Jesaja sagt es, ist nicht still
Sein Wort bringt uns auf eine Spur
Ob man ihr folgt, ist sicher nur
An jedem Menschen, zu entscheiden
In Gottes Willen sich zu kleiden.

Denn Gott ist keiner, der sich freut
Wenn einer sich für ihn kasteit
Wenn er sich denkt, wenn ich nur ganz
Brav fast´, steh ich im Gottesglanz
Und der ist dann ganz lieb zu mir
So läuft das nicht, ich sag es dir.

Die Gottesfreude, sie entsteht
Wenn einer sich zum andern dreht
Wer aufmerkt, was sein Nächster braucht
Wer nicht sich selber fastend schlaucht
Sondern dem Nachbarn Hilfe gönnt
Ist nicht in Gottes Aug verpönt.

Wer Unrecht endet, wo es war
dem kommt der treue Gott gern nah
den liebt der Gott Jesajas sehr
durch den wird Gottes Gnade mehr
auch zwischen Mensch und Mensch gespürt
so dass es zu mehr Liebe führt
weil keiner sich allein gelassen
voll Angst, ihn würden alle hassen
in Not und Armut wähnen muss.

Die Hilfe schickt ihm – Gott zum Gruß
ein Mensch, der selbst mit Fehl und Tadel
sich tragen lässt von Gottes Adel
der spürt, dass Gott ihn trägt und hält
und darum auch herein nicht fällt
auf die Verlockungen des Bösen
um sich so selber zu erlösen.

Ganz einfach ist das leider nicht
Wer dies sagt, weiß, wovon sie spricht
Das Unrecht nicht gewähren lassen
Das Böse – nicht den Bösen – hassen
Mit off´nem Herzen Menschen sehen
Nicht auf die andre Seite gehen
Wenn einer meine Hilfe sucht…

Wie oft hab ich mich fast verflucht
Wenn wieder ich es nicht geschafft
Dabei hat es mein Kopf gerafft
Nur haben Ängste, Wünsche, Sorgen
Die Not des Nächsten mir verborgen.

Sie kennen das? Sind Menschen bloß?
Der Job klingt auch für sie zu groß?
Ich bin beruhigt, wenn sie´s so sehn
Doch— soll´n wir jetzt nach Hause gehn
Und denken, wir sind alle schlecht?
Dann wär die Predigt auch nicht recht

So radikal Jesaja spricht
Perfektionismus hilft da nicht
Bloss weil ich es nicht immer kann
Lass ich es gleich, egal ob Mann,
Frau oder Maus die Hilfe sucht
Ich bin dafür nicht gut genug!
Das kann die Lösung doch nicht sein
-so geht es mir durch Mark und Bein.

Was also nehm ich mit
Ermutigend zum nächsten Schritt?
Vielleicht so viel, hab ich gedacht
Was denn das Fasten sinnvoll macht
Das Wort bedeutet nämlich nicht
Dass einer übt Genussverzicht
Es hat mit Essen nichts zu tun
Wer fastet, weiß, in Gott zu ruh´n.

Das Wort es kommt von fest gebunden
Hat man uns dort denn vorgefunden?
In Gottes Wort ganz tief verankert
Auf sein Gebot bedacht, nicht wankend.
Ich glaub, es geht darum zu schau´n,
Gott stetig Gutes zuzutrau´n.

Wer darauf seine Augen lenkt,
die Lieb, die Gott der Welt geschenkt
An jedem Tag aufs Neu bedenkt,
und in sich dabei Hoffnung schürt
dass Gott die Welt auch weiterführt,
der kriegt auch Kraft für den in Not
der fürchtet nicht einmal den Tod.

Wird liebevoll und Menschenfreund,
der spürt, dass Gott´s wohl mit ihm meint
dem kommt Gott nah, den hat er gern
der ruft zu Gott als seinem Stern
der durch die Dunkelheit in führt
so mich Jesajas Wort berührt.

Bevor ich ende, mir zum Lohne
kennen Sie „Sieben Wochen OHNE?“
schon dreißig Jahre gibt es das
ein Fastenanstoß aus´nem Spaß
einst in´ner Kneipe mal erfunden
da ist für mich was zum Gesunden.

In jedem Jahr auf was verzichten,
sich treffen, einander berichten
nicht unbedingt auf Süsses, Wein
nein komplizierter darf es sein,
es gab Verzicht auf Angst, auf Geiz
das hat mich immer mehr gereizt.

In diesem Jahr geht´s da ums DENKEN
Das soll´n wir uns nicht etwa schenken
Sondern mal selber wieder tun,
uns nicht auf andern auszuruhn
sondern die grauen Zellen nutzen
die vorgefasste Meinung putzen
selber hinschau´n, denken werten
und dabei neu den Blick zu schärfen,
für Unrecht, Not und auch für Gutes
falls das gelingt,
– da bin ich guten Mutes –
sehn wir den Hilfsbedürftgen auch
und nicht nur unsern eignen Bauch.

Ihr Leut, geniesst die tollen Tage
Doch stellt euch manchmal auch in Frage
Schaut hin und tut, was möglich ist
Dies Fasten, das freut Gott gewiss.

AMEN

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