Das ist Gründonnerstag!

Gründonnerstag: Eben kein Wochentag wie viele andere im Jahr und auch nicht der Auftakt zu einem langen Wochenende.

Es ist der Feiertag einer Kirche, die weiß, dass sie etwas zu erwarten hat und die Ruhe und Vergewisserung braucht, um ihre Erwartung auch zu leben. An solche Gemeinden richtet sich der Brief an die Hebräer:

[TEXT]

Jesus Christus ist einer von uns – und zugleich unser Erlöser – der Sohn Gottes. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, kein irgendwie geartetes mythisches Engel- oder Geisterwesen. Er will für uns Bruder sein und uns zu Schwestern und Brüdern machen. Darm lädt er uns immer wieder in seine Gemeinschaft und an seinen Tisch. Darum wäscht er seinen Jüngern die Füße stellvertretend für uns, zu denen er sich hinwendet.

Für den Brief an die Hebräer stehen im Hintergrund vieler Bilder alte mythologische Vorstellungen, die der Verfasser umdeutet in das Leben seiner Gemeinde. Das macht es manchmal schwer seine Botschaften zu verstehen. Dabei will er uns nur sagen: Ihr dürft leben!

Und wir dürfen das Leben genießen, müssen unser Leben nicht kaputt machen lassen von Engeln oder Teufeln. Sie sind Hilfsmittel, Wesen, die nur Sinn ergeben im Zusammenhang der Rede von Gott und dem Glauben an Gott. Ohne Gott ergeben auch finstere Mächte keinen Sinn. Und wenn ich Gott begreife von dem Geschehe n in Jesus Christus her, erkenne ich Gott als denjenigen, der seine Engel zusendet mit seinem Heiligen Geist, die uns helfen sollen, unser Leben zu gestalten und zu genießen. Und alles das, was die Mythologie ‚das Böse‘ nennt oder den Teufel, das gibt es, aber es ist besiegt, weil Christus selber es ist, der uns bewirtet, der uns an seinen Tisch lädt und uns zu seinen Schwestern und Brüdern ernennt.

Er wird in der eigenen Vorstellungswelt des Hebräerbriefs abgebildet als Vorbild + Hohepriester, dem wir nachfolgen können. er ist derjenige, der uns an den Tisch lädt, niemand sonst. Das ist für mich das Faszinierende beim Abendmahl: Wir sind eingeladene Gäste, die der Herr Jesus Christus ganz persönlich gemeint hat mit seiner Einladung. Da ist es mir egal, in welcher Kirche welcher Mensch diese Einladung ausspricht. Er spricht sie nur in Stellvertretung des einen Herrn aus, der für uns gelebt hat, der an den Menschen gelitten hat und trotzdem mit ihnen Gemeinschaft gehabt hat.

Mit dieser Einladung kann auch die Macht des Todes über uns gebrochen werden. Ein Priester wird immer dann benötigt, wenn Menschen ratlos sind, nicht mehr weiter wissen. (Darum bitten Menschen in schwieriger Situation: ‚Herr Pfarrer, bitte beten Sie für mich’). Aber er hat keinen besonderen Wert über den hinaus, der ihm verliehen ist: Im Auftrag des Herrn an den Tisch des Herrn laden.

Im Abendmahl werden wir alle zu Töchtern und Söhnen Gottes, die in der Nachfolge Christi leben. Ernannt vom Herrn dieses Mahls. Allerdings macht dieses Teilnehmen am Mahl uns nicht automatisch zu Schwestern und Brüdern, zu anderen Menschen. Wir müssen uns zu diesem Mahl hin bewegen. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch. Wir müssen sein wollen, was wir sein können.

Neben dem Mahl steht die Erinnerung an Gethsemane und an die Fußwaschung im Mittelpunkt. Es ist der selbe Herr, der seinen Jüngern die Füße wäscht, sie an seinen Tisch lädt und im Garten erst allein gelassen wird, weil die Jünger einschlafen und dann verraten wird, damit die Geschichte ihren Lauf nimmt. Und trotzdem lädt er sie ein und er lädt uns ein – an seinen Tisch.

Die alte Mythologie des Hebräerbriefes meint dazu: Tod und Teufel sind überwunden. Das Leben hat neue Dimensionen. Das können wir aber auch modern ausdrücken: Wir müssen nichts mehr tun, um Gott zu gefallen. Wir gehören längst zu ihm, sind seine eingeladenen Gäste, sind Schwestern und Brüder in seinem Gottesdienst. Der uns einlädt ist der Sohn Gottes, der sich uns gleichgemacht hat. In ihm ist uns Gott nicht auf Augenhöhe begegnet. Er hat sich kleiner gemacht – für uns.

Wir können und wir brauchen Gott kein Opfer mehr darzubringen. Alles ist erledigt. Wir sind frei zu leben in der Nachfolge unseres Herrn, der die Sünder an seinen Tisch lädt. Natürlich werden wir nicht bessere Menschen dadurch, dass wir dieses Mahl feiern. Aber wir werden gestärkt und können bessere Menschen werden, wenn wir wollen, können losgehen auf Wegen von Frieden und Gerechtigkeit.

Und auch dort wo wir straucheln wissen wir: Wir werden gehalten und so tief können wir nicht fallen, dass wir aus der Gnade Gottes fallen. Das ist Gründonnerstag.

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