Ungeduld

Diese Predigt wird im Abendgottesdienst am Aschermittwoch in eine ländlichen Umgebung gehalten.
Der Predigttext in Auszügen kommt wird während der Predigt verlesen.
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Liebe Gemeinde,

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – so lautet ein Karnevalslied. Und ja, mit dem heutigen Tag endet alles bunte Treiben. Genau darin bestand ja der Sinn der Rosenmontagsumzüge und der Karnevalsveranstaltung: Noch einmal die Sau raus lassen, noch einmal fett schlemmen, die Pfannkuchen verputzen und Süßigkeiten in Massen.

Und nun ist es dunkel geworden, die Nacht bricht an und die Fastenzeit beginnt. 7 Wochen. Und am Ende der Fastenzeit steht das Osterfest.
Das große Fest, das Fundament unseres Christseins. Und auf dieses Fest bereiten wir uns vor. 7 Wochen lang. 7 Wochen die im Zeichen der Leidensgeschichte Jesu stehen. 7 Wochen wo wir bewusst auf etwas verzichten wollen, wo wir fasten.

7 Wochen – das braucht Geduld. Und manchmal, da kann die Geduld auch reißen. Wenn der Faden überspannt ist, dann platz der Kragen.

So erging es auch den Israeliten. Mose hat sich auf den Gottesberg begeben um die Tafeln mit den 10 Geboten zu holen. Und voller Freude wartet das Volk auf seine Rückkehr. Mit Elan, mit Tanz und Musik haben sie ihn gehen lassen und warten, dass er zurück kommt. Aber ihre Geduld wird überspannt. Ihnen platzt der Kragen:

Als aber das Volk sah, dass Mose lange ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!

Wir wissen nicht wie lange das Volk schon wartete. Aber es war zu lang. Sie werden ungeduldig. Und ich kann es ihnen nicht verdenken. Wie schnell werde ich ungeduldig. Wie schnell platzt mir der Kragen. Sei es, weil ich dringend etwas brauche und der andere zu langsam ist. Sei es, weil ich eine Aufgabe abgegeben habe und dann im Geheimen denke: ich hätte es besser gekonnt. Und meistens werde ich ungeduldig, weil etwas für mich ganz wichtig ist und für andere nicht. Geduld haben– eine Herausforderung für das Volk Gottes, eine Herausforderung für uns.

Und wer kann es uns als Christen verdenken, wenn wir ungeduldig werden: Vor 2000 Jahren hat Jesus versprochen, dass er sein Reich aufrichtet und so voll und ganz ist es noch immer nicht sichtbar. Nicht einmal innerhalb der Kirche oder im Miteinander der Christen.
Da kann man wirklich ungeduldig werden.

Als aber das Volk sah, dass Mose lange ausblieb sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott

Großartig möchte ich rufen. Toll! Wenn doch bei uns hier alle Menschen so wären!
Mach uns einen Gott! So rufen sie Aaron entgegen. Aaron, ein Priester, der muss doch wissen wie Gott ist, der kann uns helfen. Mach uns einen Gott.

Lange habe ich diese Szene negativ gelesen. Aber das lag daran, dass ich vorgeprägt war und nicht selbst gedacht habe. Neutral betrachtet sehen wir hier ein unglaubliches und unerschütterliches Bedürfnis nach der Nähe Gottes.

Das Volk fordert einen Gott! Es sucht die Nähe Gottes. Unter großen Schmerzen, mit viel Blutvergießen reißen sie die Ohrringe und den Schmuck von sich, von Männern, Frauen und Kindern ab um damit das Bildnis zu gießen. Sie verzichten auf ihren Reichtum um Gott nahe zu sein.

Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand. Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn, und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berge und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab’s den Israeliten zu trinken.

Hier erst wird deutlich, warum das goldene Kalb so eine negative Note hat. Das Volk tanzt. Es bringt Opfer dar, es wirft sich vor dem Kalb nieder und betet es an.

Der Gott der Befreiung kommt nicht mehr vor. Das Volk wollte zwar die Gottesnähe aber es wirft sich vor einer nutzlosen Statue nieder.

Und hier sind wir als Menschen des 21. Jahrhunderts wieder drin.
Gottes nähe suchen, Ein Bedürfnis nach seiner schützenden Hand haben wir. Wir bekennen uns zu ihm. Halten uns zur Kirche. Opfern Zeit und Geld für die Arbeit in seiner Gemeinde und merken dabei gar nicht, dass Gott in den Hintergrund rutscht.

Mose zermalmt das goldene Kalb. Er macht sichtbar wie machtlos dieses Standbild ist. Er streut den Goldstaub ins Wasser und sie müssen es trinken. Niemand wird in der Wüste den Goldstaub dann aus den Exkrementen wieder rausgesucht haben. Drastisch spürt das Volk, wie nutzlos und vergänglich ihr Kalb ist.

Wir beginnen heute die Fastenzeit. Wir bereiten uns vor auf das Osterfest.
7 Wochen selber denken – so heißt die Fastenaktion unserer Kirche. 7 Wochen sich nicht von vorgefertigten Meinungen leiten lassen, sich nicht trüben lassen von dem, was andere sagen. Eigene Ansichten überprüfen, Standpunkte hinterfragen und zur Not auch erkennen, dass meine Meinung falsch ist, dass ich mich auf eine falsche Gewissheit, einen falschen Gott verlassen habe ohne es zu merken.

Wenn wir gleich das Aschekreuz austeilen, dann tun wir dies mit den Worten: Bedenke Mensch, vom Staub bist du genommen
und zu Staub wirst du wieder werden.
Doch Christus durch sein Kreuz,
hat dich erlöst zum Leben.

Alles ist vergänglich. Unsere Götzen, unsere Vorsätze, Unser Besitz und unser Ansehen.

Selbst unsere Nähe zu Gott kann vergehen, wenn wir uns auf unsere eigene Gerechtigkeit verlassen.

Die Asche erinnert uns daran, dass wir mit leeren Händen vor Gott stehen.
Aber das Kreuzzeichen steht dem direkt entgegen.

Mit Nichts treten wir vor den Altar Mit nichts als allein mit unseren Fehlern und Christus nimmt sie zu sich. Er nimmt den Tod, den wir verdient hätten und schenkt uns Leben.

Daran wollen wir denken in der Fastenzeit.
Und weil das so schwer ist, kann der Verzicht, das sichtbare Fasten uns dabei helfen.

Gebe Gott seinen Segen dazu. Amen.

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