Begegnung teilen

Liebe Gemeinde:

„Ein Farbiger wünschte, in eine New Yorker Gemeinde aufgenommen zu werden. Der Pfarrer war sehr zurückhaltend.
"Tja", sagte er, "da bin ich nicht sicher, Mr. Jones, ob es unseren Gemeindemitgliedern recht sein würde. Ich schlage deshalb vor, Sie gehen erst mal nach Hause, beten darüber und warten ab, was Ihnen der Allmächtige dazu zu sagen hat."
Einige Tage später kam Mr. Jones wieder. Er sagte: "Herr Pfarrer, ich habe Ihren Rat befolgt. Ich sprach mit dem Allmächtigen über die Sache, und er sagte zu mir: Mr. Jones, bedenke, dass es sich um eine sehr exklusive Kirche handelt. Du wirst wahrscheinlich nicht hineinkommen. Ich selbst versuche das schon seit vielen Jahren, aber bis jetzt ist es mir noch nicht gelungen.’"

Gut 2000 Jahre nach der Offenbarung in Christus Jesus, gut 2000 Jahre nach der Erfahrung der Auferstehung, der Überwindung des Todes und nach der Botschaft vom Beginn des Reiches Gottes, müssen wir uns, liebe Gemeinde dies immer wieder fragen lassen: „Ist an unserer Gemeinde erkennbar, dass wir Christen sind, oder sind wir eine Verwaltungseinheit geworden mit einer recht unklaren Zweckausrichtung? Kommen wir nur noch zusammen, weil man das halt so macht?“

Als die Jünger Jesu nach seiner Kreuzigung deprimiert und traurig dachten, es wäre nun alles vorbei, wofür dieser Mann gelebt hatte und wofür er gestorben ist, da geschah das Zeichen der Auferstehung. Da geschah die lebendige Begegnung am Grab, in Emmaus und in Jerusalem. Und Jesus weilte bei diesen Menschen die symbolische Zahl von 40 Tage, mit der die Schrift angibt, dass etwas Neues bevorsteht: Christus wurde erhöht an Himmelfahrt zum Vater, um dort die Herrschaft anzutreten. Aber die Jünger sind Menschen geblieben in ihrem Wesen und in ihrem Handeln und sie wurden betrübt über die erneute Abwesenheit ihres Meisters. „Ja, wie schön ist es doch, liebe Gemeinde, wenn einer voran geht, der sagt, was zu tun und zu lassen ist. Wenn einer da ist, der mir die Augen öffnet, mich begeistert und dem ich folgen kann, wenn ich selbst unschlüssig, müde oder ohne Plan bin. Nun aber war er wieder weg – aufgefahren an einen Ort, der uns nicht zugänglich ist“: Aufgefahren in den Himmel. Und die Jünger wurden trostlos – bis an Pfingsten der von Christus versprochene Tröster gesandt wurde. Und nun passierte dies, was das Pfingstgeschehen am besten beschreiben könnte: Die Jünger wurden wieder Feuer und Flamme für die Botschaft Christi. Sie wurden wieder im wahrsten Sinne des Wortes: „Be-Geisterte“ für diese Sache und gingen in alle Welt, um vom Reich Gottes zu kündigen und durch Ihre Taten und Worte wurden andere Menschen angesteckt von der froh machenden Botschaft.

Die Kirche, in die Mr. Jones wohl nicht hineinkommen wird, scheint diesen „Geist“, diese „Feuer“ für Christus und seine Botschaft verloren zu haben.

Hören wir die Antwort unseres Predigtwortes auf diese Frage. Wir lesen im AT, im Buch Numeri im 11. Kapitel.

[TEXT]

Liebe Gemeinde: „Ich vermag das Volk allein nicht zu tragen!“, sagt Mose und spricht damit aus, dass es Gemeinde braucht, die nicht nur träge und passiv ist, sondern Gemeinde, die selbst angesteckt, selbst begeistert ist, damit diese Botschaft von der Veränderbarkeit der Welt Raum gewinnen kann. Denn, liebe Gemeinde, darum geht es ja im Kern. Eine neue Sicht auf die Welt und den Menschen. Eine neue Botschaft von der Liebe Gottes. Diese Liebe Gottes, die fähig ist, neues Leben zu ermöglichen. Christus hat das in seinem Leben gezeigt und hat seine Anhängerschar immer wieder darauf hingewiesen. In Gott ist neues Leben möglich. Gerade dort, wo wir dachten, es wäre schon alles vorbei, alles getan. Aber nein: Der Verbrecher und der Sünder bekommen neue Chancen. Sie dürfen umkehren von ihren Wegen und es kann neu beginnen.

Das Volk, das Mose aus der Sklaverei in die Freiheit führte und das er nun in der Wüste begleiten muss, murrt. Warum murrt es, liebe Gemeinde? Weil es umständlich ist, so ein Weg durch die Wüste. Weil es nur komisches Zeug zu essen gibt, jenes Manna eben. Weil man sich nicht einrichten kann und planen, wie man es gewohnt ist. Ja, viele gibt es, die sich solches sehnlichst wünschen: Sicherheit, Beständigkeit, Routine, Satt-Sein können. Und mehr noch: Sie sind bereit, dafür auf die Freiheit zu verzichten: Lieber an den Fleischtöpfen Ägyptens (in Klammer: Als Sklaven), als als Freie auf der Wanderschaft. Lieber satt, als aufrecht. Lieber gebunden in dem, was immer schon war, als entdecken zu können, was es noch alles gibt.

Wahrscheinlich darf man es jenen Sklaven in Ägypten und den Menschen, die heute genauso denken, nicht verübeln. Nicht verübeln jene Geisteshaltung, die vorgibt, dass das Fleisch in der Pfanne mehr wert ist, als eine unklare Freiheit, von der ich mir nichts kaufen kann. Ein Haltung, die mehr auf den Körper hört, als auf die Möglichkeiten, die der Geist hätte. Denn es ist doch so: Hunger, Durst, Kälte, Nässe usw. sind sehr unangenehm. Viele sind bereit im Tausch für das Abwenden dieser Unannehmlichkeiten ein Stück weit ihre Begeisterung aufzugeben. „Es ist bequemer so! Habe ich nicht schon genügend Sorgen?“

Pfingsten, liebe Gemeinde, fragt uns heute, ob wir immer noch jene sind, die in der Wüste vor Mose das Murren anfangen. Oder sogar noch weiter: Ob wir nicht wieder neue Sklaven geworden sind, die an den fetten Fleischtöpfen bequem sitzen und das verwalten, was wir noch als Historie gelernt haben. Pfingsten fragt die Gemeinden weltweit, ganz gleich ob sie evangelisch oder römisch sind, anglikanisch oder orthodox: Pfingsten fragt die Gemeinden, ob sie noch Feuer und Flamme sind für diese Sache der Veränderung! Ob sie sich noch begeistern dafür, dass neue Weg der Vergebung und der Überwindung von Gewalt möglich sind! Pfingsten fragt die Gemeinden, ob sie selbst noch einstehen würden für jene Sache, für die Christus gestorben ist, auf dass das Reich Gottes in dieser Welt Raum gewinnt!

Denn beides, liebe Gemeinde, wird nicht gehen: Die Welt, wie wir sie hier erleben: Mit Unrecht, Unterdrückung, mit Spaltung zwischen Arm und Reich und gleichzeitig das Reich Gottes. Nein, letzteres muss ersteres verdrängen. Erst, wo die Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten überwunden wird, erst dort geschieht das Reich Gottes. Erst dort, wo Liebe herrscht und Vergebung: Erst dort, wo neues Leben möglich wurde: Erst dort spüren wir die Kraft unseres Glaubens. Und es wird die Zeit kommen, in der die Gemeinden gefragt werden, wie wir es in der Offenbarung des Johannes lesen: „Warst du für mich oder gegen mich? Heiß oder kalt? Feuer und Flamme für die Sache oder lau und träge?“

Den Einwand Mose kennen wir zur Genüge: „Ich bin zu klein, zu schwach, zu allein, um all das tragen zu können!“ Das, liebe Gemeinde, sagen wir so oft selber: „Ich alleine kann eh nichts ausrichten!“
Aber wissen wir auch die Lösung, die uns in dieser Mosegeschichte genannt wird? Dort gibt es nämlich zusammen-Gesammelte aus diesem ganzen Volk, die be-geistert sind: „Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung und hörten nicht auf!“

Gemeinde Gottes kann nur existieren, weil es solche Begeisterte gibt, die unermüdlich sind. Menschen, die sich partout nicht abfinden wollen mit all dem, was nicht zu diesem Bild vom einem freien Kind Gottes passen will. Menschen, die eben nicht nur schlau daher reden mit ihrem Erfahrungswissen, dass es eben nun mal hell und dunkel gibt, und dass die Zeit alle Wunden heilt! Nein: Menschen, die sich dagegen aufbäumen, dass die Dunkelheit immer noch so viel Gewalt hat. Menschen, die es nicht hinnehmen wollen, dass Leid und Schmerz das Leben so vieler bestimmt. Menschen also, die Feuer und Flamme sind für dieses Reich Gottes.

Gemeinde ist diese Gemeinschaft von Menschen, die um diese Botschaft Christi versammelt sind und die sich gegenseitig tragen. Keiner von uns, liebe Gemeinde, sieht den Himmel beständig offen stehen und schwebt über den anderen. Keiner von uns ist Christus oder der Geist selbst. Aber wir haben immer wieder Be-Geisterte unter uns. Menschen, die Erfahrungen mit ihrem Gott gemacht haben. Erfahrungen des neuen Lebens. Wir leben als Gemeinde von Teilen dieser Worte untereinander. Es ist wie mit den Liedern und den Gebeten: Nicht immer müssen alle alles machen – mitsingen, mitbeten. Sondern Gemeinde heißt, gewiss zu sein, dass ich dort, wo ich selbst nicht mitkann, getragen werde durch meine Schwestern und Brüder.

Teilen Sie untereinander diese Begegnungen mit der Fülle Gottes, damit wir untereinander aufgebaut werden auf dieses Reich Gottes hin.

"Aus einem abgelegenen Dorf bekam ich eine Nachricht", so erzählt ein Bischof der Südindischen Kirche. "Sie lautete: Bischof, komm in unser Dorf. Wir möchten Christen werden. Ich fuhr hin und fragte: Ihr seid doch Hindus, wie kommt ihr dazu, euch taufen zu lassen? Es war doch kein Missionar bei euch. Was habt ihr vom christlichen Glauben gehört? Und von wem?"
Die Leute sagten: "Das ist so gekommen. Vor ein paar Jahren war ein Europäer da. Der hat mit einer großen Bohrmaschine für unser Dorf einen Brunnen gegraben. Soviel wir wissen, kam er aus Deutschland. Er war ein Christ. Er hat nie davon geredet, aber wir wussten das. Er hat uns diesen Brunnen gebohrt, und was er da für uns machte, hatte auch mit seinem Glauben zu tun.
Dann später kam ein Mann durch unser Dorf, der verteilte Schriften an alle, die lesen konnten. Die Überschrift hieß: Was wird aus dir, wenn du heute Nacht stirbst? Das hat uns interessiert. Wir konnten die Frage nicht beantworten. Wir lasen die Schrift miteinander und dachten darüber nach. Wir dachten, dass jede Seele in einem anderen Leben wiederkommt, aber da hieß es nun, dass jeder einzelne für dieses Leben Christus Rechenschaft schuldig ist. Wir fanden, dass wir mehr darüber wissen müssten. Darum schickten wir einen Boten in das Nachbardorf. Dort gibt es eine kleine christliche Gemeinde. Wir sagten: Schick uns doch jemanden, der uns den christlichen Glauben erklären kann. Sie schickten uns einen Mann, der wohnte ein paar Wochen bei uns und erklärte uns alles. Jetzt wollen wir Christen werden."
Der Bischof fügt diesem Bericht folgende Überlegungen an: Wer ist für dieses Dorf nun eigentlich der Missionar gewesen? Der Mann, der den Brunnen gegraben hat, der Mann, der die Schriften verteilte, oder der Mann aus dem Nachbardorf, der ein paar Wochen lang mit den Leuten lebte und ihnen den Glauben erklärte?

Wir, liebe Gemeinde, könnten dies als Gemeinde sein: Immer wieder Be-Geisterte für die Sache des Herrn, für sein Reich. Und wo der eine ermüdet, zieht ihn der andere mit. Denn: Geburtstag feiern für jemanden, so wie es heute die christliche Kirche für ihre Botschaft tut: Das kann man nur tun, wenn derjenige noch Leben in sich hat!

Und der Friede Gottes, der euch zeigt, wie das Reich Gottes unter euch wohnen kann, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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