Sicher durch schwierige Zeiten

Sicher durch schwierige Zeiten
Manchmal wünsche ich mir eine Arche, so ein großes Schiff wie Noah es damals hatte, ein großes Schiff, dass mich sicher durch die Fluten meines Lebens bringt, ein großes Schiff, mit dem ich oben auf der Flut schwimmen kann, ein großes Schiff, dass mich davor bewahrt in den Fluten meines Lebens unterzugehen. Eine Arche müsste man haben. Und dann könnte man die Personen, die man liebt, einpacken und würde mit ihnen zusammen durch die schweren Zeiten schwimmen und sie wären in Sicherheit. Und man müsste sich keine Sorgen um sie machen. Ja, ich will auch eine Arche.
Aber Noah hat die Arche auch nicht einfach geschenkt bekommen. Noah hat auf trockenem Land von Gott den Auftrag bekommen, die Arche zu bauen. Und er sollte mit der Arche nicht nur sich und seine Familie retten sondern die ganze Schöpfung, alle Tiere auf dem Land und in der Luft.
Die Geschichte von der großen Flut steht in der Bibel in der Urgeschichte. Und die Urgeschichte steht am Anfang der Bibel. Sie beginnt damit, dass Gott die Welt gut gemacht hat. Sie geht weiter damit, dass Gott die Menschen in einen Garten setzt und ihnen den Auftrag gibt diesen Garten zu bebauen und zu bewahren. Dann missachten die Menschen Gottes Verbot von dem Baum in der Mitte des Gartens zu essen und werden aus dem Garten vertrieben. Dann bringt Kain Abel um. Und dann wird es immer schlimmer mit der Welt und Gott reicht es. Soviel Bosheit will Gott nicht mehr mit ansehen und beschließt, die Welt zu vernichten. Aber das kann er nicht, denn es gibt einen Gerechten Noah, und deshalb muss die Welt gerettet werden. Und weil dieser Gerechte Noah auf Gott hört und wirklich die Arche baut, wird nichts aus Gottes Plan die Welt mit einer großen Flut auszulöschen. Als die Flut kommt, gehen Noah und die Tiere in die Arche und es regnet 150 Tage lang. Und nachdem es aufgehört hat zu regnen, kommt unser Predigttext. Ich lese
1. Mose 8,1-12
1 Da dachte Gott an Noah und an all die Tiere, die bei ihm in der Arche waren. Er ließ einen Wind über die Erde wehen, sodass das Wasser fiel. 2 Er ließ die Quellen der Tiefe versiegen und schloss die Schleusen des Himmels, sodass es zu regnen aufhörte. 3 So fiel das Wasser nach hundertfünfzig Tagen. 4 Am 17. Tag des 7. Monats setzte die Arche auf einem Gipfel des Araratgebirges auf. 5 Das Wasser fiel ständig weiter, bis am 1.Tag des 10. Monats die Berggipfel sichtbar wurden. 6 Nach vierzig Tagen öffnete Noah die Dachluke, die er gemacht hatte, 7 und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange hin und her, bis die Erde trocken war. 8 Noah ließ auch eine Taube fliegen, um zu erfahren, ob das Wasser von der Erde abgeflossen war. 9 Sie fand aber keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte; denn die ganze Erde war noch von Wasser bedeckt. Deshalb kehrte sie zur Arche zurück. Noah streckte die Hand aus und holte sie wieder herein. 10 Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum zweiten Mal fliegen. 11 Sie kam gegen Abend zurück und hielt einen frischen Ölbaumzweig im Schnabel. Da wusste Noah, dass das Wasser abgeflossen war. 12 Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.
Gott hat seinen Gerechten nicht vergessen und er denkt auch an die Tiere, die in der Arche waren. Nach einer Wartezeit von vielen Monaten macht Gott der Katastrophe ein Ende. „Oh Gott, der du den Katastrophen ein Ende machst, bitte beende doch auch die Katastrophe in Syrien und in Mali und im Südsudan und überall wo Menschen sich bekriegen und hungern.“
So könnte Gott antworten: „Weißt du Albrecht, wenn ich eine Katastrophe beenden will, dann brauche ich einen Noah. Ich brauche Menschen, die eine Arche bauen. Ich brauche Menschen, die bereit sind, andere vor der Bosheit und der Verzweiflung und der Gewalt zu beschützen. Ich brauche Menschen, die bereit sind, sich lächerlich zu machen und auf trockenem Boden anfangen, etwas zu tun, was vor der kommenden Flut retten wird.“
Und ich könnte antworten: „Und was könnte das sein. Wie könnten wir heute eine Arche bauen?“
Und Gott könnte sagen: „Wenn die Flut da ist, dann ist es zu spät für eine Arche. Eine Arche muss vorher gebaut werden. Wenn der Krieg da ist, ist es sehr schwer ihn zu beenden. Wenn Kinder mit Hunger aufwachsen, ist es sehr spät, um ihnen Vertrauen in die Welt und Sicherheit zu geben. Wenn Kinder allein gelassen werden, dann wird es später sehr schwer für sie verantwortungsbewusste Erwachsene zu werden.“
„Ja, Bildung ist eine gute Arche. Sie hilft Kindern, sich später selbst zu helfen. Genug und gesundes Essen ist eine gute Arche. Zukunftsaussichten für junge Männer in muslimischen Ländern sind eine gute Arche. Diese Arche schützt sie vor den Rattenfängern und Hasspredigern, die sie zu Mord und Gewalt an Christen und anderen Glaubensrichtungen anstiften. Aber es gibt überall so viele Fluten, die bedrohlich anwachsen, so viele Archen können wir gar nicht bauen.“
Und Gott könnte antworten: „Keine Angst, ich sehe überall Noahs, die an Archen bauen. Baut ihr jetzt erst mal an der Arche, die eure Familie und euren Ort durch die Flut bringen wird.“
Und ich könnte fragen: „Und wie könnte das aussehen? Und schon fällt mir ein, dass wir das alle wissen. Unser aller Familiengeschichten sind Geschichten davon, wie unsere Familien die Katastrophe die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg überlebt haben. Wir haben erlebt, dass es durch die Katastrophe hindurch weitergegangen ist. Und wir wissen heute als Deutsche ein paar Dinge, an die wir uns immer wieder erinnern sollten. Zum Beispiel: Das Schlimmste ist Krieg. Krieg muss auf jeden Fall verhindert werden. Und wir werden keinen Rattenfängern mehr hinterher laufen, die uns sagen, dass wir die Tollsten sind und die Welt beherrschen sollten. Wir werden nicht dulden, dass sich noch mal rechtsradikales Gedankengut hier breit macht. Diese Arche bauen wir. Dies geben wir an unsere Enkel weiter. Wir werden unseren Kindern und Enkeln weiter erzählen, was unsere Eltern und Großeltern erlebt haben, wie gut es war als der Krieg endlich aus war. Wie gut es war als die Hungerjahre nach dem Krieg zu Ende gingen. Unsere Familien haben es nach dem Krieg erlebt. Wir haben eine Friedenstaube fliegen lassen. Und sie ist mit einem Ölzweig wieder gekommen. Und wir sind wieder aufgenommen worden in die Gemeinschaft der Völker. Und wir durften nun fast 60 Jahre ohne Krieg bei uns leben.
Die Noahgeschichte geht nach unserem Predigttext noch weiter. Gott schließt einen Bund mit Noah. Das Bundeszeichen ist der Regenbogen. Und Gott verspricht: Solange die Erde steht wird nicht aufhören, Sommer und Winter, Saat und Ernte, Tag und Nacht. Ich werde das Leben beschützen und es wird weiter gehen.
Liebe Gemeinde,
das gilt auch für die Katastrophen in unserem Leben. Es geht weiter. Es hat jemand eine Arche gebaut und wir sind mitgefahren. Gott trägt uns durch die Fluten unseres Lebens. Es ist gefährlich und es ist hart. Aber wir werden am Ende des Regensbogens heraus kommen. Und ganz am Ende werden wir keine Arche mehr brauchen sondern da sein wo wir hingehören, bei Gott.
Und der Friede ……

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