Die Wasser werden sinken

Liebe Gemeinde!

Gerade in dieser Woche erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über die Arche Noah. Ein englischer Forscher hat eine Tonscherbe entziffert, die im Irak gefunden wurde und die 3700 Jahre alt ist. Auf dieser Scherbe steht eine Anweisung, dass ein Schiff gebaut werden sollte und dass in das Schiff je zwei Tiere einer Art einziehen sollten. Sogar die Form des Schiffes ist dort beschrieben. Es sollte ein Rundschiff werden. Und nun soll in England versucht werden, dieses Schiff nachzubauen. Man geht davon aus, dass sich ein rundes Schiff besser in den strudelnden Fluten gehalten haben könnte.
Eigentlich weiß man schon seit über hundert Jahren, dass die Arche Noah-Geschichte nicht so stattgefunden haben kann, wie sie in der Bibel steht. Man kennt das Gilgamesch-Epos und weiß schon lange, dass im sumerischen Raum schon Vorläufer-Geschichten von der Arche Noah-Erzählung bekannt waren. Man geht davon aus, dass es im Nahen Osten Flutkatastrophen gab, zum Beispiel an Euphrat und Tigris. Und man nimmt an, dass die Menschen damals ihre Erlebnisse in Geschichten verarbeitet haben, so wie in der Arche Noah-Geschichte. In der Bibel steht, dass die Arche Noah am Berg Ararat landete. Der ist im Osten der Türkei. Dort hat man das aber nie belegen können, dass man die Arche Noah gefunden hätte.
Mit anderen Worten: Die Erzählung von der Arche Noah ist kein historisches Geschehen. Sie hat eher eine übertragene Bedeutung.

Ich lese den Predigttext, der das Ende der Arche Noah-Geschichte erzählt. Er steht im 1.Buch Mose im 8.Kapitel- lesen.

[TEXT]

Die Erfahrung von Fluten ist in unserer Zeit leider auch nicht unbekannt. Letztes Jahr im Sommer war das Hochwasser in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern. Die Menschen dort haben sehr gelitten. Häuser wurden zerstört, auch Geschäfte. Einige Menschen verloren ihre Lebensgrundlage. Manche verloren ihren Lebensmut, zumal ja einige so ein Hochwasser nicht zum ersten Mal erlebt haben.

Ich weiß, dass in den Hochwasserwochen in den betroffenen Orten solche Bibeltexte gelesen wurden wie unser heutiger Text. In den Kirchengemeinden sprach man einander Mut zu mit dieser Hoffnung, dass die Wasserpegel wieder sinken würden und dass das Leben weiter gehen würde.
In unserem Oldenburger Sonderteil im Gesangbuch steht sogar ein Lied, in dem Gott darum gebeten wird, dass er die Sturmflut verhindern oder mäßigen möge.
Sie können gern einmal die Nummer 639 im Gesangbuch aufschlagen: Herr, wenn das Wasser uns bedroht und in Gefahr uns bringt und Not, so bitten wir durch Jesus Christ, dass du uns hilfst und gnädig bist.
Der Sturmwind saust und braust daher. Gewaltig tobt und schäumt das Meer. Das Wasser steigt auf große Höh, kommt auf uns zu bei voller See.
Gott, wenn nicht deine starke Hand den Deich beschützt und unser Land, nutzt nichts zu unsrer Sicherheit, bricht alles, was uns Schutz verleiht.
Und in Vers 6 heißt es: Gedenke, Herr, an deinen Bund! Lass über deinem Erdenrund, wenn Flut und Wellenschlag vergehn, den Regenbogen leuchtend stehn.
Das ist die Erinnerung an die Arche Noah-Geschichte, bei der am Ende der Regenbogen am Himmel steht als Gottes Zusage, dass er die Welt in seiner Hand hält.

Heute ist – Gott sei Dank- nicht das Hochwasser unser Thema. Eher sind es andere Wellen-symbolische Wellen, die über uns herein brechen. Das Evangelium, das wir eben von der Sturmstillung gehört haben, hat die gleiche Bedeutung. Sorgt euch nicht in den Stürmen eures Lebens. Vertraut auf Jesus Christus.
Heute ist Zeugniswochenende. Manche meiner Konfirmanden haben sich im Konfirmandenunterricht schon Sorgen gemacht: Wie würden ihre Eltern reagieren auf die Noten, die nicht so gut sind?
Man sagt es ja auch im Sprachgebrauch: Die Wogen gehen hoch. Wenn man sagen will, dass sich jemand sehr aufgeregt hat. Und heute bitten wir Gott darum, dass er die Wogen zuhause stillen möge, dass Eltern sich beruhigen in Bezug auf die Zeugnisse.
Ich denke auch an andere Sorgen. Als Pastorin habe ich viel zu tun mit Menschen, die jemanden durch Tod verloren haben. Für diese Trauernden, für Kinder und Erwachsene ist es oft, als würden Wellen über sie herein brechen. Ob es ein plötzlicher Tod war oder nach langer Krankheit. Für diejenigen, die zurück bleiben, ist dieses Erleben so übermächtig. Oft können sie gar nichts anderes mehr denken. Das Leben fällt schwer.
Alle Belasteten sollen durch das Bild von der Arche Noah-Geschichte getröstet werden. Die Wasser werden sinken. Es wird wieder Boden unter den Füßen geben.

Schon letzte Woche habe ich davon erzählt, dass ich den Weltgebetstag vorbereite zum Thema Ägypten. Die politischen Unruhen in Ägypten sind nach wie vor groß. Es scheint unübersichtlich, was sich daraus entwickeln wird. Beim Weltgebetstag beten wir dafür, dass Ägypten seinen Weg findet. Auch das könnte man mit dem Bild unseres Predigttextes belegen: Die Wogen der Gewalt- so sagt man es ja sogar- sollen herunter gehen. Darum bitten wir Gott. Auch für andere Länder bitten wir das: für Israel (Davon werden unsere Israelreisenden uns noch erzählen), für Syrien und die Ukraine. Die Erzählung vom Ende der Sintflut soll uns Hoffnung geben für unsere kleinen persönlichen Erlebnisse und für die großen Ereignisse in der Welt.

Von Noah wird erzählt, dass er zuerst einen Raben losschickte, um zu erkunden, ob es irgendwo schon wieder freies Land geben würde. Der Rabe kam zurück. Dann schickte Noah eine Taube los. Die kam zurück. Beim zweiten Mal brachte sie einen Ölzweig mit. Beim dritten Mal kam sie nicht wieder. Das war das untrügliche Zeichen, dass es wieder Land gab, das nicht überschwemmt war. Die Gefahr war vorbei.
Mir fällt auf, dass das Wunder nicht auf einmal da war. Erst fliegt der Rabe, dann dreimal die Taube. Das könnte bedeuten: Hoffnungsvolle Wege können manchmal etwas länger brauchen. Wir sollen nicht verzagen und denken: Es geht nicht weiter. Manches braucht Zeit, bis es so weit ist. Manchmal geht Gottes Weg mit uns nicht so schnell, wie wir uns das denken und wünschen. Und trotzdem geschieht etwas. Vielleicht sehen wir es noch nicht.

So ist der Wochenspruch für diesen Sonntag gemeint: Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

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