Nach uns die Sintflut?

Umweltzerstörung, Fukushima, Klimawandel, Weltuntergang – das Alles gehört schon fast zu unserem Alltag. Das Alles ist aber auch uralt. Die Vorstellungen vom Weltuntergang beruhen zum großen Teil auf der biblischen Erzählung von der Sintflut. Da ist es schon einmal interessant hinzuschauen, wie in der Bibel diese Flut beendet wird:

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Eine von unzähligen Sintfluten der Mythologie. Ihnen ist wohl allen gemein, dass sie so nicht wirklich stattgefunden haben. Aber sie geben realistisch Urängste vergangener Zeiten wieder. Urängste von nicht beherrschbaren Naturgewalten und Katastrophen, die uns bis in die heutige Zeit begleiten. In unserem Fall bietet die Sintflutgeschichte außerdem starke Einsichten über das Wesen Gottes. Allein diese Darstellung: Da ließ er es sich gereuen. Zuerst tut es Gott Leid, dass er die Menschen gemacht hat, dann dass er ihnen eine Sintflut gesandt hat.

Das gehört zu den wunderbarsten Aussagen des Alten Testament. Gott wird nicht dargestellt als der unbewegliche Weltenlenker, der in sich selbst ruht und alles besser weiß. Er wird dargestellt als Vater oder Mutter, er wird dargestellt wie ein Mensch, der fühlt mit den Personen, die handeln, der Mitleid empfindet und der die eigenen Entscheidungen bedauern kann. Also nicht unbedingt ein Mensch wie du und ich. Schon eher ein ganz besonderer Mensch, dem Dinge Leid tun können. Und der aus diesem Bereuen heraus sein Verhalten grundlegend ändert. Erst spürt er, dass die Menschen so wie sie sind, frei sind und damit eben auch frei sind, Böses und Falsches zu tun. Dann spürt er, dass es nicht gut wäre, sie darum zu vernichten. Er rettet die Menschen und gibt ihnen ‚Bestandsgarantie‘. Der Regenbogen steht am Ende der Sintflutgeschichte als Symbol dafür, dass Gott diese Welt mit den Menschen erhalten will, egal wie die Menschen sind, weil er sie liebt als seine Geschöpfe. Und seine Liebe ist größer als alle Konsequenz auch als die Konsequenz gerechten Verhaltens und gerechten Urteilens.

Was in unserer Geschichte auffällt: Noah ist stumm. Er spricht nicht – er hat nichts zu sagen. Hier handelt Gott und Noah ‚findet Gnade vor dem Herrn‘. Ich finde das ist ein schönes Bild. Wir müssen nicht reden, wir dürfen hören und dürfen uns Gottes Wohlgefallen gefallen lassen. Auch wenn wir bedroht sind von Wasser und Sturm. Gott ist bei uns und er denkt an uns. Wir dürfen das getrost genießen.

Diese Zusage haben wir. Mit dieser Zusagen dürfen wir uns zurück lehnen und unser Leben genießen, so wie es ist.

Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn Noah das Fenster aufmacht. Er rechnet mit dem Ende der Flut und mit dem Ende des Zornes Gottes. Er vertraut darauf, dass Gott bei ihm ist auch mitten in der Sintflut. Und er vertraut darauf, dass Gott auch dieser Flut ein Ende bereiten wird.

Unterm Strich muss einmal gesagt werden: Die Sintflut war ein Flop. Auch die Nachkommen Noahs waren nicht besser als seine Zeitgenossen. Aber Gott hat Noah und seinen Nachkommen seinen Segen gegeben. Das war vielleicht ungerecht. Immer wieder neu verdient die Menschheit sich eine Sintflut. Aber Gottes gnädige Inkonsequenz rettet die Welt. Darauf dürfen wir auch heute noch vertrauen.

"Nach uns die Sintflut" sagen Menschen, denen die Zukunft der Menschheit gleichgültig ist, solange es nur für sie selber reicht. Nicht mit Gott. Er lässt die Menschheit bestehen und gibt uns immer wieder neu die Chance füreinander da zu sein und einander zum Leben zu verhelfen. Er beruft uns, dass auch wir von seiner Ungerechtigkeit lernen und Menschen immer eine neue Chance geben, auch wenn ihr Handeln falsch war und uns verletzt hat.

Die Geschichte hat Folgen. Bis heute sind Taube und Ölzweig Symbole des Friedens. Bis heute erinnern sich Menschen an diese Geschichte und wissen, dass Gott es ist, der Friede will auf dieser Erde, Friede bei den Menschen und Friede bei aller Kreatur.

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