Licht lässt gedeihen

Liebe Gemeinde,
hören wir den Predigttext des letzten Sonntags nach Epiphanias aus den 2. Petrusbrief im 1.Kapitel.

Liebe Gemeinde, alles was lebt, braucht Licht.
Sicher haben sie schon mal Pflanzen in Töpfen gesehen, die sich dem Licht entgegenstrecken. Speziell wenn sie am Fenster stehen. Und wenn sie sie dann drehen ändern sie ihre Wuchsrichtung. Immer der Helligkeit entgegen. Bekommen sie kein Licht, mickern sie dahin oder gehen gar ein.

Wir Menschen sind sehr ähnlich. Geht es Ihnen da auch wie mir? An sonnigen, lichtdurchfluteten Tagen habe ich einfach mehr Lust am Leben, als an diesen grauen, düsteren Tagen. Inzwischen ist dies sogar medizinisch nachgewiesen. Der Terminus, der Fachbegriff heißt: „Winterdepression“ und entsteht einfach durch den Mangel an Licht. Nur durch Zufuhr von viel künstlichem Licht kann diese gelindert werden.

Die Innenräume unserer Kirchen, sei es Glindow oder Heilig-Geist auf Werder entwickeln Atmosphäre durch Licht. Wenn das Sonnenlicht durch die Buntglasfenster scheint lässt es den Kirchenraum und Altar heller und wärmer erscheinen. Durch diese Helligkeit bekommt der Raum einen Orientierungspunkt und ein Zentrum. Auch heute hier in unserem Gemeindesaal ist das Licht an der Stimmung beteiligt. Und wenn die Sonne hier herein scheint sind die Gemeindeglieder wie die Blumen, sie neigen sich ins Licht.

Waren Sie schon mal abends in der Kirche? Haben sie gemerkt, dass die Fenster dann am Gesamteindruck des Raumes kaum eine Rolle spielen? Fenster brauchen den Schein des Lichts von außen, um ihre Wirkung entfalten zu können. Dann kommt das Licht in gestalteter Form zu uns. Es erzählt Geschichten, in seinen Farben und Bildern.

Licht tritt in vielen Formen auf: Das natürliche Sonnenlicht, der Schimmer des Mondes, das Leuchten eines Sterns. Auch der Mensch macht Licht: Das Züngeln eines Feuers, zarte Kerzenflammen, eine bläulich schimmernde Gaslampe, elektrische Glühbirnen und Leuchtröhren mit ihrem nüchternen Schein. Mit solchem künstlichen Licht kämpfen wir Menschen gegen die Dunkelheit an. Es verlängert die Zeit unserer Aktivität im Tag. Immer brauchen wir Licht, um lebendig sein zu können.

Licht ist grundlegend wichtig für unser Leben. Da ist es kein Wunder, dass das Licht mit GOTT in Verbindung gebracht wird. Die Epiphaniaszeit, sie endet heute, ist die nachweihnachtliche Zeit im Kirchenjahr. Wir feiern, dass GOTT uns Jesus, den Christus, als das Licht der Welt gesandt hat.

Seinen Anfang nimmt das Epiphaniasfest in der Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland. Sie ziehen nach Bethlehem, um den neugeborenen Retter der Menschen zu ehren und zu beschenken. Ein besonderer Stern leuchtet des Nachts und weist den Weg. Der geht ihnen so lange voraus, bis sie den Stall von Bethlehem und Jesus gefunden haben. GOTT leuchtet ihnen den Weg.

Schon im Alten Testament haben sich die Israeliten vorgestellt, dass es bei GOTT ungeheuer hell ist. Mose hatte das Privileg, ihm gegenüber stehen zu dürfen. Er berichtete, dass er nur diese gleißende Helligkeit sah, nicht GOTT selbst. Dies wird im Allgemeinen als die "Herrlichkeit GOTTES“ bezeichnet. An vielen Stellen des Alten Testaments ist von diesem Lichtglanz die Rede. Dies würde auch erklären, warum der Dornbusch brennend aussah, als GOTT Mose das erste Mal erschien.

In unserem Predigttext ist von dieser Herrlichkeit GOTTES die Rede. Er ist einer der jüngsten Texte des Neuen Testaments. Auch hier wird dieser flutende Lichtglanz, der von GOTT ausgeht und ihn umgibt, erwähnt. Der Predigttext bezieht sich auf eine Geschichte, die wir vorhin als Evangelium gehört haben. Die Verklärung Jesu. Dort spielt die „Herrlichkeit GOTTES“ eine ganz wichtige Rolle.

Jesus steigt mit seinen Freunden auf den Berg, um von GOTT als sein Sohn angenommen zu werden. GOTT spricht zu ihnen: "Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". Allerdings beim Sprechen allein bleibt es nicht. Die besondere Beziehung zwischen GOTT und Jesus wird auch sichtbar. Der Lichtglanz GOTTES, seine Herrlichkeit, geht auf Jesus und umleuchtet ihn. Da heißt es: "Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht." Der Sohn wird so strahlend wie der Vater. Jesus bekommt Teil an der Herrlichkeit GOTTES, wie sie schon Mose gesehen hatte. Christus, das Licht der Welt, ist Licht von GOTT, Licht vom Licht.

Dem Verfasser des Predigttextes ist dieses Licht sehr wichtig. Speziell für die Zeit, in der Christus nicht mehr als Person gegenwärtig ist. Er beschreibt das Licht im prophetischen Wort, des 2. Petrusbrief. Es zeigt sich in den Worten von Jesus Christus, die frohe Botschaft die von ihm erzählt wird. Und in dem, was wir noch alles von ihm erwarten dürfen.

Die frühen Christen erfahren ihre Welt als einen dunklen Ort. Doch das Wissen um Jesus Christus und seine Verheißungen, das ist für sie wie ein Licht in dieser Dunkelheit. "Achtet auf das Wort wie auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen."

Dieses Bild trägt bis heute. Weil wir noch genauso den Gegensatz von Licht und Dunkelheit empfinden wie die Menschen damals. Das gilt für unser Innenleben, wie für die Welt um uns. Oft ist in uns drinnen Dunkelheit oder mattes Grau, aus welchen Gründen und Erfahrungen auch immer.

In diese Dunkelheit scheint ein Licht! Die Botschaft, dass GOTT uns Menschen mehr liebt als wir es uns je verdienen könnten. In Jesus Christus hat diese Liebe GOTTES Gestalt angenommen. Von diesem Licht können wir leben, bis an den großen Tag. Wie der Predigttext sagt: "der Morgenstern aufgeht". Ja, dieser Stern möge aufleuchten in unserem Herzen. Er weise uns zielsicher den Weg zum Heil der Welt. Das ist die Hoffnung, die wir haben.

Deshalb können wir im Liedvers bitten:
"Licht, das in die Welt gekommen,
Sonne voller Glanz und Pracht,
Morgenstern, aus GOTT entglommen,
treib hinweg die alte Nacht.
Zieh in deinen Wunderschein
bald die ganze Welt hinein."

Ich finde es tröstlich, dass der Predigttext uns nicht einfach zum geduldigen Warten auf den Morgen aufruft. Der Schreiber weiß, dass der Tunnel sehr lang sein kann bis sich ein Silberstreif des Lichtes zeigt. Für diesen Weg durch das Dunkel haben wir das Wort von Jesus Christus. Es ist die Hand die GOTT uns reicht auf das wir im Dunklen nicht straucheln. GOTT meint die Zuwendung zu uns Menschen wirklich ernst. Er lässt seine Herrlichkeit für uns scheinen.

Wie kann ich mir seine Gegenwart praktisch vorstellen? Wenn in meinem Leben plötzlich etwas funktioniert was bis eben noch aussichtslos erschien. Unsere standesamtliche Hochzeit, die kirchliche Trauung und der Umzug in ein neues Haus. Das alles in einer kurzen zeitlichen Abfolge, die wir so nie selber hätten planen können.

Da fallen mir Gesichter von Menschen ein, in denen ich ein solches Leuchten von GOTT erkannt habe. Ich weiß, es ist gewagt und wir können trefflich darüber streiten. Trotzdem habe ich ein solches Licht im Gesicht meiner Frau bei ihrer Taufe gesehen. Ich sehe ein solches Leuchten manchmal auch im Gesicht betagter Personen beim Abendmahl. Wenn ein müdes, vom Leben verbrauchtes, mattes Gesicht plötzlich zu leuchten beginnt. Es können aber auch ganz alltägliche Situationen sein, in denen die Augen meines Gegenübers plötzlich zu leuchten beginnen.

Kein Mensch verfügt darüber, niemand kann dieses Leuchten auf seinem Gesicht willentlich an- oder abschalten. Deshalb bin ich sicher, dass ein solches Erstrahlen von GOTT kommt, als ein Wiederschein seiner Herrlichkeit. Das er so sein Licht in das Dunkel dieser Welt hinein scheinen lässt, bis es Morgen wird und uns der Morgenstern leuchtet.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, lasse unsere Herzen und Sinne von seinem Lichte strahlen. Wie unseren Bruder Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Thomas A. Lotz in Planegg.)

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