Der Gottes Knecht fordert Recht

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Knecht Gottes das Licht der Welt

Wer ist schon gerne Knecht.
Viele wollen lieber Herrn und Häuptlinge sein und die wenigsten Knechte oder Indianer. Und wenn einer schon Indianer sein muss oder ist, dann bitte nicht als Sklave oder Knecht. Und schon gar nicht in der Dienstleistungsgesellschaft, in der viele Dienstleistungen (Amazon-Pakte und Zalando-Päckchen) oder billig angebotene Arbeitskraft herausfordern.
Jeder Kunde will König sein. Und dieser kapitalistischen Logik ist dann jeder Verkäufer nicht gerade Knecht, aber lieber jemand, der sehr servil und kundenfreundlich anbietet und verkauft.

Doch der Knecht Gottes, von dem hier gesprochen wird und den der Prophet Jesaja (Deuterojesaja) im 6. Jahrhundert vor Christus als Trostspender; Seelsorger und Helfer an die in Unterdrückung und in babylonischer Gefangenschaft lebenden Israeliten prophezeit und als zukünftiger Retter verheißt, dieser Knecht: ist ein ganz besonderer Knecht.
Er ist der Knecht Gottes, der Frieden, Recht und Gerechtigkeit im Namen und Auftrag Gottes herstellen soll und wird. Das ist der Trost für die geschundenen Seelen der deportierten Menschen im fernen Babylon.
Zur Zeit dieses unbekannten Propheten, den wir Theologen den zweiten Jesaja, Deuterojesaja nennen, etwa um 530 v. Christus; wurde der Perserkönig Kyros als Garant dieses gerechten Zeitenwechsels, als Herrscher der Gerechtigkeit , als Instrument Gottes und vielleicht auch als Knecht Gottes identifiziert.
Ob dieser zweite Jesaja Kyros damit letztendlich gemeint hat, kann aber auch bezweifelt werden.
Sein Gottesknecht wurde von Jesaja als ein ganz besonderer Knecht mit fast messianischen Begabungen und Merkmalen prophezeit und angekündigt.
Wir Christen haben uns angewöhnt diesen Knecht Gottes mit dem neugeborenen König der Juden, mit dem Heiland und Retter Jesus Christus zu identifizieren.
Jesus Christus ist für uns der Knecht Gottes, der als Licht Gottes in unsere Welt kam, um uns die göttliche Gerechtigkeit und das Licht zu bringen, die uns aus der individuellen und kollektiven Dunkelheit führen.

Im Predigttext heißt es (Jesaja 42,3-4):
„3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung. „

Und was bedeutet es für mich bzw. kann es für mich bedeuten, zu wissen, dass Gott in Jesus Christus die Treue hält und den Docht des Lebens nicht verlöschen lässt.
Gott betraut Menschen damit, seine gute und verändernde Botschaft zu verkünden, die aufleben lässt, weil eben der Docht nicht ausgeht und in Jesus Christus ewig brennt und in die Dunkelheit leuchtet.

Mit was sind wir betraut im neuen Jahr?
Was sind unsere Aufgaben für uns selbst?
Wo können wir leuchten oder zum Leuchtturm für andere werden?!
Wo und wann?!
Was ist unsere Aufgabe und Pflicht in unserer Familie, Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder generell als Christen in
der Gesellschaft?

Diese Fragen muss jeder von uns erst einmal persönlich für sich beantworten.

Und auf welche Weise erreicht Gott sein Ziel?
Welche Völker und Länder sehnen sich nach Gerechtigkeit, mehr als wir?

Heutzutage sind die Frage der Gerechtigkeit und die Frage nach der gerechten Verteilung der Güter auf Gottes Erde noch lange nicht beantwortet. Und das dumpfe „Abwehr-Getöse“ der bayrischen CSU (Wer betrügt, der fliegt!) als Reaktion auf sog. massenhafte Armutseinwanderungen aus dem Osten der EU spiegelt auch eine Frage der Gerechtigkeit in der Welt, mitten in Europa!
Auch die armen Afrikaner, die ins gelobte Land Europa einwandern wollen und über das Mittelmeer in kleinen Schiffen kommen und dann elendig im Meer ertrinken, auch die stellen als stumme Zeugen an unser Gewissen die Frage nach der gerechten Verteilung der Güter auf Gottes Erde!
Wir können nicht unser Kali hier fördern , in die Welt verkaufen und exportieren und damit Gewinn machen und uns wie die Engländer in einer splendid isolation wähnen und mit den Problemen der restlichen Welt nichts zutun haben wollen.

Armut und himmelschreiende Ungerechtigkeit gehen uns als Christen immer etwas an und es ist unsere Aufgabe gegen die Ursachen der Armut vorzugehen und die Ungerechtigkeit gegenüber Menschen zu benennen und anzumahnen.
Und es ist m.E. auch zu simpel zu denken, das geht mich alles nichts an, so wie es mich doch scheinbar auch nichts angeht, wenn die Leute schlecht bezahlt werden über deren Online-Händler und Firma ich mir Pakete schicken lasse.

Es ist nicht immer einfach, den Überblick zu bewahren in einer scheinbar sich „entgrenzenden“ und zerfasernden Zeit, die uns unendlich viele Möglichkeiten bietet, aber wenig konkrete Handlungsanleitungen fürs Leben. Das macht es manchmal schwer Orientierung zu finden und den Leuchtturm zu sehen und den Weg dort hin zu finden.

Doch unser Weg und unser Licht bündeln sich und konzentrieren sich in Jesus Christus, der von sich (im Johannesev.) gesagt hat:

6,35 Ich bin das Brot des Leben. (vgl. 6,41.48.51)

14,6 Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

und der in der Verheißung des Jesaja als der Knecht Gottes bezeichnet, sich für gerechte Verhältnisse einsetzte und von seinen Zuhörern und Nachfolgern wollte, dass wir ihm und mit ihm auf seinen Weg, mit seinem Licht als Helligkeit und Leuchtmittel in der Dunkelheit leben, Verantwortung übernehmen und andere aus der Dunkelheit des Lebensschicksals führen.

Zu den entscheidenden persönlichen Weichenstellungen des eigenen Lebens gehört es, darauf zu vertrauen und die Glaubensgewissheit zu besitzen, dass bei Gott, mit und durch Gott in Jesus Christus viel möglich ist. Auch die verheißungsvolle Möglichkeit auf Veränderung von ungerechten Verhältnissen. Und bei Gott zählt jedes Leben. Das ist keine fromme Phrase. Meins hier im Werratal zählt genauso wie das der anderen aus Südosteuropa, die hier arbeiten und leben wollen und auch das Leben der fernen und bitterarmen Afrikaner, die vom Frieden, dem Wohlstand und der Gerechtigkeit in Europa träumen, wenn sie im Mittelmeer ertrinken.
Ich weiß, wir können sie nicht alle retten oder ernähren, aber wir können auch nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an.
Wir leben in der einen von Gott gegebenen Welt und haben Verantwortung in dieser Welt.
Und um wieder zurück zu kommen zum Anfang mit dem Knecht:
Gott schenkt uns durch Jesus Christus den Knecht, der uns aus unserer Knechtschaft des eigenen Egoismus befreit:
Der Schlüssel dazu ist Liebe, Verantwortung und vor allem Nächstenliebe.

Als Dank, Trost und Hilfe hören wie weisen Worte des Propheten:

3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
In Treue trägt er das Recht hinaus.
4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen,
bis er auf Erden das Recht aufrichte.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne.
Amen.

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