Was bin ich?

Ich habe hier ein Sparschwein
In einer der berühmtesten und langlebigsten Sendung des deutschen Fernsehens spielte ein Sparschwein eine große Rolle: Welche war das?
[Was bin ich, 1961-1989 mit Robert Lembke]
Für die, die es nicht kennen:
Ein Gast kam, machte eine typische Handbewegung für seinen Beruf und dann musste ein Rateteam seinen Beruf herausfinden.
Durch Fragen, auf die man nur mit Ja oder Nein antworten kann.
Für jedes Nein bekam der Kandidat ein 5-Markstück in sein Sparschwein und nach 10 Neins war Schluß.
Eigentlich ganz einfach.
Und dann gab es immer einen Prominenten zu erraten, dafür musste das Rateteam eine Augenmaske aufsetzen, damit sie ihn oder sie nicht erkennen.
Wir spielen das jetzt auch einmal.
Hier ist das Sparschwein, der prominente Gast ist auch schon da, und weil er unsichtbar ist, muss ich jetzt keine Augenbinden verteilen.
Also: Los geht’s!
[wir spielen „Was bin ich“]
Lösung: Lamm Gottes
Lamm Gottes
Da muss man erst einmal draufkommen auf so einen komischen Beruf.
Die Rede ist natürlich von Jesus Christus – wer sollte sonst jetzt gerade hier sein, ohne dass wir ihn sehen können.
Und dass er von Beruf „Lamm Gottes“ ist, das war für die Leute damals auch sehr überraschend.
Sie haben das auch nicht selber erkannt, es musste ihnen gesagt werden.
Und zwar von Johannes, dem Täufer.
Und auch für Johannes den Täufer war diese Erkenntnis ziemlich überraschen. So wird es uns jedenfalls im Johannesevangelium erzählt.
Dort heißt es:

Als Johannes am nächsten Tag sah, dass Jesus zu ihm kam, rief er: „Seht, das ist das Lamm Gottes, das die Sünde aller Menschen wegnimmt. Dieser Mann ist es, von dem ich gesagt habe: ‚Es wird einer kommen, der weit über mir steht. Denn er war schon vor mir da! Auch ich wusste vorher nicht, wer er ist. Aber damit das Volk Israel auf ihn vorbereitet wird, taufe ich hier mit Wasser.’“ Und Johannes berichtete weiter: „Ich sah den Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel herabkommen und bei ihm bleiben. Wer er ist, wusste ich vorher noch nicht“, wiederholte Johannes, „aber Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: ‚Du wirst sehen, wie der Geist auf einen Menschen herabkommt und bei ihm bleibt. Dann weißt du, dass er es ist, der mit dem Heiligen Geist tauft.’ Und weil ich das gesehen habe, kann ich euch bezeugen: Dieser Mann ist Gottes Sohn!“

Mich bewegen heute dazu drei Fragen:

Wie kommt es, dass Johannes das erkennt?
Was heißt das: Jesus ist das Lamm Gottes?
Was sehen wir, wenn wir auf Jesus sehen?

Zur ersten Frage: Wie Johannes sehen lernt
Er hat Jesus schon oft gesehen.
Denn er war mit ihm Verwandt, wahrscheinlich sein Cousin.
Und daher ist es naheliegend, dass er ihn auch gut kannte.
Und wenn er ihn nicht persönlich gut kannte, weil er in einer ganz anderen Gegend aufgewachsen ist, so hat er sicher von ihm gehört und gewusst.
Jesus aus Nazareth, sein Cousin, Sohn des Zimmermanns Josef und seiner Frau Maria.
Aber dass sein Cousin der Sohn Gottes ist, der Messias, der Befreier – das hat er nicht gewusst.
Das hat er erst völlig überraschend gelernt.
Als Jesus sich taufen lies.
Da hat er gesehen, wie der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabgekommen ist.
Da hat er gewusst: Das ist er.
Er hat es gesehen.
Die anderen, die dabei standen, die haben nichts gesehen.
Johannes hat etwas gesehen, weil er schon lange mit Gott gelebt hat. Sehr intensiv mit Gott gelebt hat.
Weil er ein Mensch war, der mit dem Heiligen Geist in engen Kontakt war.
Und so ein Mensch sieht oft mehr als andere.
Der Heilige Geist wird auch der Geist der Erkenntnis genannt.
Wer mit dem Heiligen Geist in Kontakt ist, der hat oft mehr Durchblick als andere.
Darum lohnt es sich zu lernen, sich für den Heiligen Geist zu öffnen.
Darum lohnt es sich zu üben, auf seine leise Stimme zu hören.
Johannes hat das gemacht, darum hat er mehr erkannt als alle anderen.
Und er hat es bezeugt.
Ich hab’s gesehen. Das kann ich beschwören.
Dieser Mann ist Gottes Sohn.
Und ihr könnt es glauben oder es sein lassen, das liegt ganz bei euch.
Aber ich weiß es und bin mir felsenfest sicher:
Dieser Mann ist Gottes Sohn.
Und er ist noch mehr:
Er ist das Lamm Gottes.

Damit sind wir bei meiner zweiten Frage.
Was heißt das: Jesus ist das Lamm Gottes.
Für die Juden, die das damals hörten, war es klar:
Lamm Gottes, damit kann nur das Passah-Lamm gemeint sein.
Das jedes Jahr zum Passah-Fest geschlachtet wird zur Erinnerung an das erste Passah-Fest, damals, in Ägypten.
Genauer: Bei der Befreiung aus Ägypten.
Das Passah-Lamm stirbt, und das Volk wird befreit.
Das heißt also:
Jesus ist ein Befreier.
Einer, der frei macht.
Frei von Bindungen und Zwängen.
Das hat ganz praktische Auswirkungen.
Zum Beispiel, wenn sich jemand ändern will.
Wenn jemand tief sitzende Gewohnheiten los werden will.
Zum Beispiel die Angewohnheit, sich immer mit Notlügen herauszureden.
Und wenn er es versucht, immer wieder merkt:
Ich schaff‘s nicht.
Ich fall immer wieder zurück in meine alten Angewohnheiten.
Weil ich nicht frei bin.
Weil ich gebunden bin.
Gefesselt an die Macht der Lüge.
Jesus ist das Lamm Gottes, das frei machen kann.
Das solche Bindungen lösen kann.
Wenn wir ihn darum bitten.
Immer wieder. Und ernstlich.
Und seinen Siegesnamen ausrufen über den Bindungen.
Jesus, das Lamm Gottes.
Das die Schuld der Welt wegnimmt.
Johannes war das ganz wichtig.
Er war ja damals sozusagen ein Beichtvater.
Zu ihm kamen viele Menschen.
Verzweifelte Menschen.
Er hat so viel Sünde und Schuld gesehen.
Und ihre zerstörerische Auswirkung.
Er hat sie gesehen.
Kaputte Menschen, kaputte Familien.
Kaputte Beziehungen, kaputtes Vertrauen, zerbrochenes Selbstvertrauen.
Das ist schlimm, wenn ein Mensch ein großes Unglück verursacht und sich sagen muss: das ist meine Schuld.
Das ist schlimm, wenn ein Mensch anderen schadet und sich sagen muss: das ist meine Schuld.
Schuld geht nämlich nicht einfach weg.
Sie bleibt und klebt wie Pech an einem.
Meines Wissens gibt es nur einen, der sie uns wegnehmen kann.
Jesus, das Lamm Gottes.
Er kann und will sie wegnehmen.
Auf sich nehmen und wegtragen.
Was für eine Befreiung.
Was für eine Erleichterung.
Jesus, das Lamm Gottes, das die Schuld der Welt wegträgt.
Und auch meine.
Wenn ich ihn darum bitte und wenn ich meine Schuld auch loslasse und sie ihm gebe.
Johannes hat das gesehen und er wollte es anderen auch zeigen:
Da ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegträgt.
Und auch eure, wenn ihr es wollt.
Das hat Johannes gesehen.

Und was sehen wir?
Was sehen wir, wenn wir auf Jesus schauen?
Einen guten Menschen, ein Vorbild?
Einen Verrückten? Einen Versager?
Einen Religionsstifter?
Einen Moralprediger?
Oder das Lamm Gottes?
Jedes Mal, wenn wir zum Abendmahl gehen, dann spitzt sich diese Frage zu.
Denn dann bekommen wir eine kleine Hostie in die Hand gedrückt.
Ein kleines Stück Brot aus Weizenmehl und Wasser.
Und auf der einen Seite ist ein Relief eingeprägt.
Auf manchen ein Kreuz.
Auf manchen ein paar Buchstaben.
Und auf manchen auch ein Lamm.
Ein Lamm mit einer Siegesfahne.
Das Lamm Gottes.
Was sehen wir, wenn wir auf Jesus schauen?
Und was sehen wir, wenn wir zum Abendmahl gehen?
Ein Gemeinschaftsritual?
Oder eine Gelegenheit, Jesus ganz hautnah zu begegnen.
Jesus, dem Lamm Gottes,
das mich befreien will.
Und das alle meine Schuld wegtragen will.
Johannes hat es bezeugt.
Und wir dürfen es glauben.
Jesus lädt uns ein.
Und wir dürfen kommen.

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