Alle haben Grund zur Freude

liebe Gemeinde,

sind Sie in den letzten Tagen auch reich beschenkt worden? Haben Sie sich gefreut über den Besuch, das Zusammensein mit lieben Menschen, das was in den Päckchen war? Gut. Sie haben also Ihren Reichtum erkannt? Oder vielleicht haben Sie auch Ihre Armut gespürt. Sie haben jemanden schmerzlich vermisst, mit dem Sie früher Weihnachten gefeiert haben. Sie haben es bedauert, dass das eine oder andere Geschenk nicht so schön war oder nicht gewürdigt wurde. Dann haben Sie sicher einen guten Zugang zum heutigen Predigttext. Denn es geht in diesem Predigttext um Beides um unseren Reichtum und unsere Armut.

Ich lese 1. Korinther 8,9:

[TEXT]

Dieser Satz des Paulus im Brief an die Gemeinde in Korinth steht im Zentrum eines Spendenaufrufs. Paulus sammelt für die Gemeinde in Jerusalem. Er erklärt den Korinthern, dass die Leute in Mazedonien sehr großzügig gespendet haben, und meint: „Ihr Korinther wollt doch dahinter nicht zurück stehen, oder? Schließlich ist die Spendenbereitschaft ein Ausdruck eures Glaubens und eurer Dankbarkeit gegenüber Jesus Christus! Ganz nebenbei sorgt eine großzügige Spende für Jerusalem für euren guten Ruf in der Christenheit und für meinen guten Ruf natürlich auch!“ Unser Predigttext ist die Begründung für den Spendenaufruf: Erkennt doch die liebende Zuwendung Jesu Christi, der uns leitet: Er, der reich war, ist um euretwillen arm geworden, damit ihr durch seine Armut reich werden sollt.

Sehen wir uns diesen Satz etwas näher an. Was ist damit gemeint? „Erkennt doch die liebende Zuwendung Jesu Christi!“ Da kann ich nur antworten: „Gerne!“ Ich spreche gerne über die liebende Zuwendung Jesu Christi. Ich mache mir auch immer wieder gerne klar, dass ich ein geliebter Sohn Gottes bin und dass alles zu denen ich heute spreche, geliebte Töchter und Söhne Gottes sind. Die liebende Zuwendung Christi ist für unseren Glauben völlig zentral. Wenn wir das verstanden haben und zwar nicht nur mit dem Kopf sondern auch mit dem Herzen dann ist viel gewonnen. Dann fühlen wir uns geliebt, wir fühlen uns sicher. Liebende Zuwendung macht glücklich, ob sie von Jesus Christus kommt oder von jemandem anders. Am besten von Menschen, die uns nahe stehen, Kinder und Eltern und Großeltern und Freunden. Ja, liebende Zuwendung lässt uns aufleben. Und die von Jesus Christus besonders. Denn in Jesus Christus ist Gott für uns. Und Gottes liebende Zuwendung Gottes macht unsere Welt hell und freundlich.

„Erkennt doch die liebende Zuwendung Jesu Christi, der uns leitet.“ Ja, von jemandem, der uns liebend zugewandt ist, lassen wir uns gerne leiten. Wenn jemand wirklich auf mich achtet, dann nehme ich seinen Rat gerne an. Wenn jemand es gut mit mir meint, dann bedenke ich sorgfältig, was er mir zu sagen hat. Wenn ich das Wohlwollen meines Gegenübers spüre, dann bin ich bereit auf ihn oder sie zu hören.

Erkennt doch die liebende Zuwendung Jesu Christi, der uns leitet: Er, der reich war, ist um euretwillen arm geworden, damit ihr durch seine Armut reich werden sollt.

Bisher war alles noch ganz einleuchtend. Aber was soll das mit dem arm werden, damit wir reich werden?

Drei Fragen möchte ich mit Ihnen durchgehen und hoffe dann wird der Satz klarer.
1. Worin besteht der Reichtum Christi?
2. Wie bekommen wir diesen Reichtum?
3. Was fangen wir mit dem Reichtum an, wenn wir ihn haben?

Worin besteht der Reichtum Christi?

In allem, in unbegrenzter Macht und schöpferischer Kraft. Der Reichtum Christi ist der Himmel und die wunderbare glänzende Herrlichkeit Gottes. Dort kommt Jesus Christus her. Der Himmel ist der Ort, wo Gott wohnt. Und das ist der Ort, wo Beziehungen zählen. Diesen Ort verlässt Jesus Christus wegen uns. Das feiern wir an Weihnachten: Gott wird Mensch. Jesus Christus kommt vom Himmel auf die Erde. Wegen uns wird Jesus Christus arm. Wegen uns wird er in einem Stall geboren. Er verlässt seine unbegrenzte Macht, begrenzt sich selbst, damit wir teilhaben können an dem Reichtum, den er verlassen hat, damit wir in den Himmel kommen, an den Ort wo Gott wohnt und wo Beziehungen zählen. Diesen Ort bringt Jesus Christus mit auf die Erde. Wo Jesus Christus ist, da berühren sich Himmel und Erde. Das passiert nicht nur an Weihnachten, aber da passiert es oft: Als einmal ein Mädchen gefragt hat: „Ist das Christkind jetzt da? Ich will das Christkind sehen!“ Da hat der Vater geantwortet: „ Das Christkind ist unsichtbar!“ Und das Mädchen hat sich erinnert, wie seine Freunde im Kindergarten es ausgelacht haben, weil es an das Christkind glaubt: „Du lügst, das Christkind gibt es gar nicht!“ schleuderte sie ihrem Vater entgegen. Und der Vater hat gemeint: „Doch natürlich gibt es das Christkind. Wo kommen denn sonst die Geschenke her?“ „ Die habt ihr gekauft“, antwortet das Mädchen. „Nein“, sagt der Vater:“ Soviel Liebe wie in diesen Geschenken liegt, die können wir gar nicht kaufen“. Später hat das Mädchen seinen Kindern vom Christkind erzählt und dass die Liebe Gottes im Christkind auf die Erde gekommen ist und dass die Eltern nur die Boten des Christkindes sind, wenn sie für die Kinder Geschenke kaufen.

Und damit sind wir bei der zweiten Frage angekommen:

Wie bekommen wir diesen himmlischen Reichtum nicht nur die Kinder auch wir Eltern und Großeltern?

Unser Text gibt uns die Antwort: Indem wir die liebende Zuwendung Gottes erkennen und uns von ihm leiten lassen. Das ist tatsächlich so einfach und gleichzeitig so schwer. Wir dachten Gott ist im Himmel und wir sind auf der Erde. Gott wohnt in einem hohen Licht und ist für uns völlig unzugänglich. Gott ist rein und fehlerfrei und unendlich. Aber wir sind begrenzte Wesen, wir verlassen seine Wege wir haben Angst, wir kümmern uns nur um uns selbst. Wir tun Böses und machen aus der Welt einen schrecklichen Ort, an dem Menschen und Tiere leiden.

Wenn wir Jesus Christus glauben merken wir, das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte heißt: Gott ist immer da, Gott ist um uns und in uns. Gott ist Mensch geworden und hat – wie es in einem Weihnachtslied heißt – den Himmel aufgeschlossen. Tatsächlich können wir nicht nur die Hölle auf die Erde bringen, sondern wir haben durch Jesus Christus auch Zugang zum Himmel. Wir können die freundliche Zuwendung Gottes in Jesus Christus spiegeln. Und wir tun das auch – nicht nur unseren Kindern gegenüber an Weihnachten. Wir sind tatsächlich reich. Wir sind liebesfähig. Und wir können, was wir sind und haben dazu benutzen, die Welt ein wenig freundlicher zu machen.

Und damit sind wir bei der dritten Frage: Was fangen wir mit dem Reichtum an, den wir haben?

Wissen Sie was Paulus dazu sagen würde: Schicken Sie Ihren Reichtum nach Jerusalem zu der ersten Gemeinde. Das verbessert Ihren Ruf und meinen! Und Paulus würde Ihr Geld meinen. Übertragen auf heute hieße das: Spenden Sie für einen guten Zweck!

Ich glaube Paulus greift hier zu kurz. Natürlich ist Geld auch ein Teil unseres Reichtums, aber nur ein kleiner Teil. Und am Ende geht es nicht um Spenden. Es geht um etwas anderes: Unsere Aufgabe ist es von dem auszuteilen, was Gott uns geschenkt hat. Was wir verteilen dürfen und auch verteilen sollen, ist der Himmel. Und der kann manchmal auch in Geld bestehen.

In uns ist die Macht Gottes, die wunderbare glänzende Herrlichkeit, Freude auszuteilen. Die Freude und die Dankbarkeit, die wir empfinden, wird sich von selbst über unsere Umgebung verteilen. Wir müssen uns dafür gar nicht besonders anstrengen. Im Gegenteil, wenn wir uns anstrengen geht es schief. Das einzige, was wir dafür wirklich tun können, ist die Verbindung zu Jesus Christus zu halten und uns immer wieder klar zu machen, was wir geschenkt bekommen haben. Wir haben den Himmel bekommen. Wir haben freien Zugang zu Gott, der unbegrenzten schöpferischen Macht. Wir sind angeschlossen an die Quelle des Lebens. Wenn wir uns das immer wieder klar machen, kommt der Rest von alleine. Kein Stress, keine Anstrengung, einfach nur merken, was Gott uns geschenkt hat, den Himmel, seine lebendige Gegenwart und eine strahlende Zukunft über dieses Leben hinaus. Lassen Sie uns Weihnachten feiern. Alle sollen sich freuen darum geht’s. Alle haben Grund zur Freude, uns gehört der Himmel, jetzt und erst Recht in Zukunft.

Frohe Weihnachten.

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