Mach es wie Gott werde Mensch

Liebe Schwestern und Brüder!

MACH ES WIE GOTT – WERDE MENSCH!

Werde auch ein Mensch Gottes! Das ist die Botschaft von Weihnachten.
Werde auch ein Mensch Gottes! Und du wirst die Freiheit und erlösende Kraft des Evangeliums Jesu Christi in deinem Leben spüren, fühlen, bemerken und als Kind Gottes dein Leben lang leben können.
Werde auch ein Mensch Gottes! und glaube an Gott, der dich aus dem inneren Gefängnis deiner brüchigen Existenz befreit und zu einem freien, mündigen Kind Gottes macht.
Zur rechten Zeit schickte Gott seinen Sohn, um uns zu erlösen und uns zu seinen Kindern und Erben zu machen.
Wir sind Kinder Gottes und deshalb gleichwohl seine Erben. Auf dieses geistlich-religiöse Erbe vertrauen wir und damit verbunden ist unser Glaube.

ABER WAS HEIßT DAS KIND ZU SEIN?!
In einem schönen Gebet aus Peru, das den Titel „Du bist unser Vater“ trägt, heißt es und darin betet das Gebets-„Ich“:

Du bist unser Vater
Ich bete so gern das Vaterunser.
Ich überlege:
Guter Gott, ich darf Vater zu dir sagen.
Ein Waisenkind hat niemanden,
zu dem es Vater sagen kann.
Wer das Vaterunser betet,
kann kein Waisenkind sein.
Mein Vater hat mir das Leben gegeben,
ich bin sein Kind.
Du hast mir auch das Leben gegeben.
Ich höre mein Herz schlagen
und meine Stimme singen.
Ich bin auch dein Kind, guter Gott.
Wenn ich das Vaterunser bete,
weiß ich, dass sich dein Kind bin:
Ich weiß, dass du mich liebst wie ein Vater sein Kind liebt.
Ich danke dir, dass ich dein Kind sein darf.
„Kind Gottes“:
Ich bin stolz auf diesen wunderschönen Titel.
(aus: Gebete der Völker, Hrsg. von Michael Meyer, EOS Editions Sankt Ottilien, 2013, S.210f)

Im Glauben an diesen Jesus von Nazareth, der als kleines Menschenkind von einer Frau geboren auf die Welt kam und durch seine Lebens-und Leidensgeschichte zum Erlöser der Welt avancierte und wurde, geschieht die endgültige Befreiung und Erlösung von der Sünde der Welt. Dieser Glaube macht frei von Zwängen und führt zur Verantwortung gegenüber dem Mitmenschen, in unserer Religion einfach „Nächster“ genannt.
GOTT WIRD MENSCH – WIE SOLL MAN SICH DAS VORSTELLEN UND WAS BEDEUTET DAS!?

In jedem Fall war Jesus von Nazareth kein himmlisches Wesen, das auf der Erde wandelte. Sondern ein wirklicher Mensch. Jemand wie der Nachbar oder beste Freund.

Dennoch mutet das Neue Testament uns Gläubigen eine sehr weitgehende Identifikation von Gott und Jesus zu. Etwa wenn der Evangelist Johannes Jesus mit dem Satz wiedergibt: „Ich und der Vater sind eins.“ Leider hat sich nach zwei Jahrtausenden beharrlichen Gebrauchs von Bekenntnisformeln wie „aus dem Vater geboren, Gott von Gott, Licht vom Licht“ (so im Glaubensbekenntnis von Nicäa, 325 n. Chr.) das Bewusstsein dafür abgeschliffen, wie skandalös und anmaßend solch eine Behauptung für die ersten Hörer klang.
Denn auch das betont das Neue Testament:
Jesus von Nazareth war kein über die Erde wandelnder Gott, sondern ein Mensch, eigentlich der Mensch schlechthin, der wirklich gelebt hat. Aber darin, wie er lebte, starb und den Tod überwand, erkannten seine Jünger Gottes wahres Ebenbild. „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung“, so heißt es im Kolosserbrief, einem der ältesten christlichen Schriftzeugnisse überhaupt. Modern formuliert: So wie Jesus war der Mensch gedacht, als Gott ihn schuf.
WENN ES EINEN GOTT GIBT, MUSS ER SO SEIN WIE JESUS VON NAZARETH
Die Faszination für Jesus hat sich über die Jahrtausende gehalten. Der Philosoph Karl Jaspers zählte den Mann mit dem „grenzenlosen Leidensbewusstsein“ zu den „maßgebenden Menschen“ der Weltgeschichte.
Die Lehre von der Menschwerdung Gottes kann man auch so verstehen: Wenn es einen Gott gibt, dann muss er so sein wie dieser Mensch Jesus von Nazareth – annehmend, vergebend, liebend und bis zur völligen Selbstverleugnung sich für andere hingebend.
„Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen“, sagte der Hauptmann unterm Kreuz, nachdem er Zeuge geworden war, wie Jesus starb (Markusevangelium 15,39). Christen haben Bekenntnisse wie dieses ins Zentrum ihres Glaubens gerückt. Jesus ist nicht nur der Messias, der Christus, der Sohn Gottes. Mehr noch: In Jesus von Nazareth zeigt sich, wie Gott wirklich ist.

GOTT WIRD MENSCH – WIE SOLL MAN SICH DAS VORSTELLEN UND WAS BEDEUTET DAS!?

Nun über dieses Geschenk des Glaubens zu Weihnachten habe ich auch nicht die einzig richtige Vorstellung. Aber über wahre Menschlichkeit, Humanität und Menschenfreundlichkeit darüber haben wir doch eine konkrete Ahnung.
Die Bandbreite der heilenden Menschenfreundlichkeit und Gnade Gottes sowie die Tragweite des Glaubens sind Gott sei Dank sehr groß und nicht kirchenamtlich normiert.

Ich glaube, Gott in Jesus Christus geht zeit unseres Lebens mit uns mit. Er leitet uns durch seine ewige, unsichtbare Hand. Er war vor uns da, und er wird auch noch da sein, wenn wir diese Welt verlassen müssen. Das gehört zu seiner anteilnehmenden Menschlichkeit. Dann ist er bestimmt da.
Er war vor unseren Eltern und vor all denjenigen da, die wir lieben oder jemals liebten und er hat diese, sofern sie verstorben sind in sein ewiges Reich aufgenommen. Und er geht mit unseren Kindern und Enkeln mit. Seine guten humanitären Mächte sind mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag wie es Bonhoeffer so wundervoll in Gebetsworte fasste. Der ewige Gott führt uns durch sein befreiendes Wort und durch seine in Jesus Christus geschenkte Menschlichkeit durch unser Leben. Er schenkt uns als Schöpfer die Liebe, die wir unseren Nächsten geben sollen. Er hält viel häufiger seine ewige, schützende und bergende Hand über uns als uns bewusst ist oder wir wahrhaben wollen. Er führt uns im Glauben an der unsichtbaren Hand Jesu durch die Stürme, Ängste, Nöte und Schwierigkeiten unserer erschöpften Seelen und unseres Lebens.
Er schenkt uns durch seinen Anwesenheit und Anteilnahme Trost und Erlösung, wenn wir diese Welt verlassen müssen und er tröstet durch seinen Heiligen Geist diejenigen unter uns, die trauern oder am Verzweifeln sind. Wenn ich das im Leben erfahre und manchmal auch mit dem Verstand in seiner religiösen Dimension begreife, es annehme und in mich aufnehme, dann bekomme ich einen winzigen Flackerrest des ewigen Lebens zu sehen. Dann beginnt schon im Diesseits das Jenseits zu leuchten. Dann ist Weihnachten begreifbar, weil Gott in Jesus Christus zum Mensch und Bruder wurde. Und ich auch wie Gott zum Mensch werden kann. Zu einem Menschen mit Menschenfreundlichkeit, der Fähigkeit zur Empathie und der Ahnung von Würde und Humanität für alle Kinder Gottes gleichermaßen.
So kann das kleine Kind in der Krippe zu wahrer Menschlichkeit provozieren und anleiten. Das Kind macht uns im Glauben zu Kindern Gottes und Erbe wie es der Apostel Paulus schreibt.
Und diese Hoffnung auf Rettung, dieser Glaube an die Erlösung und das Heil in Jesus Christus und diese göttliche Liebe gilt für uns Menschen, weil Gott zum Menschen wurde.

Liebe Schwestern und Brüder von dieser frohen Botschaft, die ausgegangen ist vor 2013 Jahren und die jedes Jahr Milliarden Menschen immer wieder auf der ganzen Welt ergreift, wollen wir uns anstecken lassen und sie weiter verkünden, denn diese Botschaft tut uns gut. Sie ist ein großer Beitrag zum inneren und äußeren Frieden.
Ich wünsche Ihnen allen fröhliche und friedliche Weihnachten.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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