Weihnachten ist erst der Anfang

Für manche ist Weihnachten ein großes Fragezeichen im Kalender. Was passiert da eigentlich? Immer dieselben Lieder, immer dieselben Geschichten, immer dieselbe Einsamkeit oder immer derselbe Trubel und Stress? Viele Erwartungen, die manchen Menschen auch dieses Fest verderben. Wir neigen manchmal dazu, den Bogen zu überspannen, ein Fest zu überlasten mit Erwartungen. Dabei ist es doch ganz einfach, wenn wir auf Paulus hören:

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Erfüllte Zeit: ist das, wenn zum Fest alle beisammen sind, oder ist das die Ruhe, wenn sie alle wieder weg sind? Manches ergibt sich aus dem jeweiligen Blickwinkel. Aber manches ist auch objektiv. Paulus schreibt an Gemeinden in der heutigen Türkei von der erfüllten Zeit zu Weihnachten. Da sind es nicht die Menschen, die Weihnachten machen, die festlegen, wann die Zeit erfüllt ist, wann der Advent vorbei ist, sondern da ist es Gott, der Zeit sich erfüllen lässt.

Das dürfen wir ja nie vergessen. Unsere Termine sind willkürlich festgelegt. Es gibt keinen bekannten Geburtstermin und es gibt keinen von Gott verordneten Advent.

Aber es gibt den Advent Gottes, der kommt, sein Volk zu besuchen. Nur können wir den in keinen Kalender eintragen. Aber mit ihm rechnen dürfen wir.

Weihnachten ist erst der Anfang. Gott wird Mensch. Dieses Ereignis ist von nichts zu überbieten, außer von Gott selber, wenn er endgültig sein Reich aufrichtet.

Gott sendet seinen Sohn in die Welt und das ist kein übernatürlicher Vorgang, das ist ein Signal: In einer armseligen Hütte, einem Stall bringt eine unverheiratete Frau unter Schmerzen ein Kind zur Welt. Und die ersten Gäste sind Hirten. Gott kommt zu Besuch, aber er sucht sich schon genau aus, wen er wie und wo besucht. Und es sind nicht die üblichen Verdächtigen, sondern die, die ihn besonders brauchen, Ausgestoßene, Arme und die Fremden, die einem Stern, einer Erscheinung hinterherlaufen. Er kommt zu Besuch, aber es ist schwierig für die ‚Normalen‘, die Wohlhabenden, die Etablierten, sein Kommen wahrzunehmen. Die weisen, die ihrem Stern folgen, mögen ein Gegenbeispiel sein, aber sie riskieren damit auch, sich lächerlich zu machen. Denn es wirkt lächerlich, wenn weise und reiche Männer sich auf eine komplizierte und aufwändige Mission machen, zu einem Neugeborenen, von dem sie nur eine Ahnung und eine Verheißung haben.

Vielleicht ist es auch lächerlich, wenn wir alle Jahre wieder Weihnachten mit viel Aufwand und Kitsch feiern. Vielleicht mache ich auch mich lächerlich, wenn ich jedes Jahr mich auf dieses Kind konzentriere. Das klingt doch alles sehr kitschig, und wenn man sich dann noch die Texte und Bilder um Weihnachten betrachtet, da trieft der Kitsch aus allen Knopflöchern.

Da muss ich trennen: Gottes Kind ist nicht kitschig, aber seine Geburt ist auch kitschig und es darf kitschig sein, diese Geburt zu feiern, weil das Alles mit dem Verstand allein nicht zu begreifen ist. Es ist kitschig und trotzdem ernst zu nehmen.

Darum reduziert Paulus seine Geschichte von Weihnachten auf das Wesentliche, obwohl er sicher auch manche der uns geläufigeren Geschichten von Weihnachten kannte. Aber das reicht: geboren von einer Frau, aber Gottes Sohn mit dem Ziel: Befreiung der Menschen.

Nur wir brauchen doch ein bisschen mehr ‚Drumrum‘, um Weihnachten zu begreifen. Uns stört es nicht, wenn Christi Geburt im Tiefschnee stattfindet, der in Palästina nun sehr selten ist. Weihnachten braucht diese etwas überladenen Bilder und Sachen. Weil mit klarem Verstand dieses Wunder nicht zu begreifen ist: Gott wird Mensch. Nur um die Menschen zu besuchen, sie aufzusuchen, gerade dort, wo sie im Elend wohnen.

Die Tatsache, dass Gott sich so den Menschen zuwendet bedeutet eine Zeitenwende, weil sie so unvorstellbar ist. Eine neue Zeit hat begonnen mit der Geburt im Stall, mit dem Besuch der Hirten. Am deutlichsten ist das zu spüren an der Reaktion der Macht. Aus Angst vor einem Neugeborenen lässt Herodes alle Neugeborenen abschlachten. Er ist bereit, die Zukunft seines Volkes aufs Spiel zu setzen, um diesen Gott, der Mensch wird zu verfolgen.

Wie wir manche Geschenke erhalten, die wir nicht verdient haben, so beschenkt uns Gott ohne jede Bedingung und ohne jeden Verdienst mit der Geburt seines Sohnes. Und wie manche Geschenke Neid und Hass hervorrufen, so auch dieses Geschenk: Mächtige und Reiche bekommen Angst um ihre Position, ihren Einfluss. Herodes ist nur ein Beispiel. Gott ist parteiisch und das macht Weihnachten besonders deutlich. Gott ist dort, wo Elend und Armut herrschen. Der Weg der weisen ins Machtzentrum ist eine Sackgasse. Der Weg zum Stall, der Weg sich kleinzumachen und die Knie zu beugen, das ist der Weg zu Gott. Und dieser Weg fällt dem nicht leicht, der Besitz oder Macht innehat. Weil er spürt, dass die Begegnung mit diesem Kind ihn nicht unberührt lassen kann.

In Jesus Christus ist uns nicht nur der Sohn geschenkt, sondern wir werden selbst zu Kindern Gottes Brüder und Schwestern. Wir lernen teilen und helfen, wenn wir Weihnachten feiern.

Allein, dass wir gemeinsam am Altar Brot und Wein teilen, wird und nicht zu Schwestern und Brüdern machen. Aber wenn wir bei dem Kind in der Krippe neu den wert der Zuwendung Gottes erfahren und selber lernen, und den Menschen zuzuwenden, das kann unser Leben bereichern.

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